Dasselbe wie bei einem Date: Nämlich herauszufinden, ob man zueinanderpasst. Und, falls es funkt, den anderen für sich zu gewinnen. Wie bei einem Date geht das besonders gut, wenn du dich in die andere Seite hineinversetzt. Also frag dich, bevor du Lebenslauf und Anschreiben formulierst: Wie tickt das Unternehmen, wen sucht es? Die wichtigsten Infos und Tipps von der Stellensuche bis zum Probearbeiten findest du auf den folgenden Seiten.

1. Wo finde ich Stellen?

Vor allem auf Jobbörsen im Internet. Große Unternehmen stellen dort einer Studie zufolge gut zwei Drittel ihrer Angebote ein, Mittelständler knapp 60 Prozent. Noch beliebter ist nur die eigene Website. Große Firmen schreiben neun von zehn ihrer freien Stellen dort aus. Etwa jede fünfte Stelle machen Unternehmen in Karriere-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn publik. Facebook und andere soziale Netzwerke nutzen die Firmen dagegen in erster Linie zur Imagewerbung. Manchmal veröffentlichen sie dort aber auch Stellenangebote. Wenn du gegen den Trend suchen willst, solltest du dir am besten eine Zeitung kaufen. Der Studie zufolge veröffentlichen Mittelständler immerhin knapp ein Drittel ihrer freien Stellen in Printmedien.

2. Wie groß ist die Konkurrenz?

Für die tausend größten Unternehmen in Deutschland ermittelte eine Studie 32 Bewerber pro Stelle. Allerdings verteilen sich Bewerbungen sehr ungleich. Bei bekannten Unternehmen, also etwa bei Dax-Konzernen oder Markenartiklern, bewerben sich schon mal Hunderte auf eine einzige Stelle. Unbekannten Firmen fehlen dagegen Interessenten.

3. Worauf achten Personalmanager?

ZEIT Campus: Bei adidas läuft eine Bewerbung ein. Worauf wird als Erstes geschaut?

Kristina Schulte: Das kommt auf den Recruiter an. Ich sehe mir zunächst den Lebenslauf an und dann das Anschreiben. Manche Kollegen machen es umgekehrt.

ZEIT Campus: Worauf sollte man beim Lebenslauf achten?

Schulte: Er sollte nicht länger sein als zwei Seiten und keine irrelevanten Informationen enthalten. Namen von Schulen sind zum Beispiel überflüssig. Einmal hat jemand auch die Namen seiner Geschwister aufgelistet. So etwas interessiert in einer Personalabteilung niemanden. Wichtig ist alles, was uns zeigt, dass der Bewerber geeignet sein könnte.

ZEIT Campus: Wie wichtig ist das Foto?

Schulte: Das kann man bei uns ruhig weglassen, da wir uns an internationalen Standards orientieren. Deshalb muss man sich bei uns auch auf Englisch bewerben.

ZEIT Campus: Was halten Sie von kreativen Bewerbungen? Hatten Sie schon mal einen betexteten Turnschuh auf dem Tisch?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 1/2018.

Schulte: Das ist tatsächlich noch nie vorgekommen. Davon würde ich auch abraten.

ZEIT Campus: Weshalb?

Schulte: Ganz einfach: Ein Turnschuh ist nicht digital und kann daher nicht in unser Bewerbermanagement-System eingespeist werden. Sofern die Bewerbung digital ist, sind der Kreativität bei uns aber keine Grenzen gesetzt. Ich habe mal ein Bild bekommen, das der Bewerber als Sechsjähriger gemalt hatte. Darauf waren Fußballer zu sehen, deren Trikots drei Streifen hatten. Er schrieb, schon damals sei adidas als Marke für ihn wichtig gewesen. Das fanden wir gut, er ist weitergekommen.

ZEIT Campus: Hat man auch mit einer Bewerbung, die nicht so originell ist, Chancen?

Schulte: Natürlich. Originalität freut uns, aber da geht es um Nuancen. Entscheidend ist am Ende das Gesamtbild aus Wissen, Erfahrung und Persönlichkeit.

Kristina Schulte, 29, ist Recruiterin beim Sportartikelhersteller adidas.

4. Soll ich mich initiativ bewerben?

Eine Studie zeigt: In der IT-Branche freuen sich 70 Prozent der Unternehmen über Initiativbewerbungen, im Maschinenbau, bei den Medien, in der Autoindustrie und im Handel sind es immerhin mehr als die Hälfe. Weniger Fans haben Initiativbewerbungen in der Finanzbranche, im medizinischen Bereich und im Öffentlichen Sektor. Und: Große Firmen sind dafür weniger offen als kleine.

5. Welchen Gehaltswunsch gebe ich an?

"Mehr als 10 bis 15 Prozent sollte man nicht neben dem Wert liegen, den das Unternehmen im Auge hat. Da man den aber nicht kennt, muss man seinen Marktwert realistisch einschätzen. Anhaltspunkte bieten Gehaltsportale und Tarifverträge, auch bei Berufsverbänden kann man sich erkundigen. Ich empfehle, einen konkreten Betrag zu nennen, keine Spanne. Das signalisiert Entschlossenheit. Wird man eingeladen, wartet man, bis der Personaler das Thema anspricht. Dann nennt man den gewünschten Bruttojahresbetrag, am besten mit einem Hinweis auf das, was einen auszeichnet, etwa passende Praxiserfahrung. Hält der andere den Betrag für zu hoch, kann man ein Modell vorschlagen, das nach der Probezeit ein höheres Gehalt vorsieht. Auch nach Leistungen wie Altersvorsorge oder Bahncard sollte man fragen. Arbeitgeber können sie anders abrechnen als Gehälter und sind daher oft zu Zugeständnissen bereit."

Walter Feichtner, 47, ist Inhaber der Firma "Karrierecoach München" und Berater.

6. Wie wichtig sind Beziehungen?

Netzwerken lohnt sich. Knapp ein Drittel der Stellenbesetzungen des vergangenen Jahres kamen über persönliche Kontakte zustande. Das ermittelte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Bei Kleinbetrieben war es fast die Hälfte. Viele Unternehmen rufen ihre Mitarbeiter sogar auf, Kandidaten zu empfehlen, manche zahlen Prämien, wenn es am Ende klappt. Kontakte kann man auch selbst aufbauen, etwa als Praktikant, Werkstudent oder indem man seine Abschlussarbeit in einem Betrieb schreibt. Die Zahlen sagen nichts über die Rolle von "Vitamin B" aus, also darüber, ob jemand es leichter hat, wenn er wichtige Menschen in der Firma kennt. In der Regel müssen auch empfohlene Bewerber durch den allgemeinen Bewerbungsprozess.

7. Sind Rechtschreibfehler wirklich so schlimm?

Ja. Mag sein, dass auch Personaler in ihren privaten WhatsApps nicht auf jedes Komma achten. Mit Bewerbern sind sie streng. Bei der Frage "Was disqualifiziert Bewerber?" landet fehlerhafte Rechtschreibung auf Platz eins.

8. Wie genau schauen die meine Bewerbung an?

Es ist ernüchternd: 40 Prozent der Personaler investieren in den ersten Check nicht mehr als fünf Minuten. Nur zwei Prozent nehmen sich mehr als eine halbe Stunde Zeit. Der Großteil, nämlich rund die Hälfte, liest länger als fünf Minuten, aber maximal eine Viertelstunde.

9. Brauche ich einen Xing-Account?

"Ein aussagekräftiges Profil auf Xing und vor allem auf LinkedIn sind aus meiner Sicht ein absolutes Muss für examensnahe Studenten und für Absolventen. Schon allein deshalb, weil sie auf diese Weise von Unternehmen gefunden werden können. Wir haben im letzten Jahr 18 Prozent unserer Neueinstellungen mit Kandidaten besetzt, die wir über Xing oder LinkedIn gefunden haben, Tendenz steigend. Vor allem in Bereichen wie Softwareentwicklung und Ingenieurwesen ist das aussichtsreich. Allerdings muss man sich dafür überlegen, welche Fähigkeiten man für den angestrebten Job mitbringt und wie die passenden Buzzwords lauten. Denn wir Personaler filtern Profile nach solchen Suchwörtern wie zum Beispiel 'UX Design' oder 'Data Analytics'. Generell würde ich möglichst viel in mein Profil hineinschreiben, auch Praktika. Bei den Leuten, die sich von sich aus bei uns bewerben, suchen wir ebenfalls im Internet, wenn uns Informationen über sie fehlen."

Ifueko Alile, 40, ist Recruiting-Managerin beim Gesundheitskonzern Philips.

10. Was finde ich wo im Internet?

Welche von den weit über tausend Jobbörsen für dich passt, hängt davon ab, was du suchst. Viele Portale sind spezialisiert, zum Beispiel auf eine Branche oder eine Region. Außerdem gibt es Jobsuchmaschinen, die Jobbörsen und Unternehmensseiten nach Anzeigen durchkämmen. Einen ersten Überblick über das Angebot bekommst du online beim Crosswater Jobguide (bit.ly/campus_cw). Dort kannst du Jobbörsen nach Branche und Zielgruppe, aber auch nach Anzahl der Anzeigen filtern und sehen, ob Bewerber ein Angebot weiterempfehlen. Gut schneidet etwa Yourfirm ab, ein Jobportal für den Mittelstand. Wenn du lieber mit einem Bot per Facebook- Messenger chattest, als Suchbegriffe in Masken einzutippen, versuch es bei jobmehappy.de. Allerdings leidet der technische Helfer noch an Verständnisproblemen.

Vorlagen für Lebenslauf und Anschreiben gibt es bei Karrierebibel, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zu denselben Themen gibt's auf YouTube. Wer sich im europäischen Ausland bewerben möchte, findet hier Hilfe.

11. Wann höre ich etwas vom Unternehmen?

Bis auf die Bewerbung eine Einladung oder eine Absage folgt, dauert es im Schnitt 13 Tage, ermittelte eine Umfrage unter Unternehmen. Bewerber gaben dagegen an, deutlich länger auf eine Antwort gewartet zu haben, nämlich durchschnittlich 18 Tage.

12. Ich soll Probe arbeiten. Ist das eigentlich okay?

"Ich sehe es kritisch, wenn als Teil des Auswahlprozesses ein Probearbeiten erwartet wird. Schließlich gibt es Bewerbungsgespräche und Assessment-Center. Andererseits kann es für den Bewerber auch Vorteile haben, zum Beispiel wenn er unsicher ist, ob eine Stelle zu ihm passt. Man sollte aber nachhaken, was das Unternehmen darunter versteht. Die Firma darf sich auf diese Weise keine kostenlose Arbeitsleistung verschaffen, sondern es muss sich um ein sogenanntes Einfühlungsverhältnis ohne Arbeitspflicht handeln. Der Bewerber darf nicht weisungsgebunden sein, und er darf auch keine Aufträge erledigen.

Ein Beispiel: Jemand soll vor Ort zeigen, dass er mit einem bestimmten Computerprogramm zurechtkommt. Das könnte gerade noch durchgehen. Aufträge des Chefs mit dem Programm abzuarbeiten wäre dagegen ein Arbeitsverhältnis, für das man eine Vergütung einklagen kann. Eine Woche sollte die absolute Obergrenze sein. Übrigens: Hat das Unternehmen zur Probearbeit aufgefordert, muss es die Fahrt- und Übernachtungskosten übernehmen, wenn es das nicht ausdrücklich ausgeschlossen hat. Am besten spricht man das Thema vorher an. Ist einem das unangenehm, kann man es auch so versuchen: Gibt es eine Werkswohnung vor Ort, in der ich unterkommen kann?"

Jens Schubert, 48, leitet den Bereich Recht und Rechtspolitik bei der ver.di-Bundesverwaltung.