Informatiker werden überall gebraucht, das Stellenangebot ist in den letzten Jahren rapide gestiegen.

Informatiker gehören zu den begehrtesten Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit ist das Stellenangebot für IT-Fachkräfte zwischen 2015 und 2016 um knapp 20 Prozent gestiegen. Mehr als 90 Prozent der gemeldeten Stellen für akademische IT-Experten waren unbefristet – ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert sind.

Laut einer Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) sehen 70 Prozent der befragten Unternehmen einen Mangel an IT-Fachkräften. Die Studie zeigt aber auch, dass es keinen flächendeckenden Informatikermangel gibt: Immerhin ein knappes Drittel der Unternehmen hat offenbar keine Probleme damit, offene IT-Stellen zu besetzen.

Besonders viele Arbeitsplätze für Informatiker gibt es in München, Berlin, Hamburg, Stuttgart und Frankfurt am Main. In diesen Ballungszentren arbeiten gut ein Viertel der IT-Beschäftigten in Deutschland.

Die Unternehmen suchen zurzeit vor allem Softwareentwickler und Administratoren, die komplexe IT-Systeme betreuen, weiterentwickeln und reparieren können. "Besonders gute Chancen haben Absolventen mit Studienschwerpunkten wie Big Data, Cloud-Computing oder IT-Sicherheit", sagt Juliane Petrich, die beim Bitkom den Bereich Bildung leitet.

Informatiker profitieren davon, dass ihr Know-how in der gesamten Wirtschaft gebraucht wird, nicht nur in IT-Konzernen. Bei den großen Unternehmen gibt es offene Informatikerstellen vor allem im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Automobilindustrie. Im Mittelstand werden viele IT-Aufgaben ausgelagert und von externen Fachkräften erledigt. Das nützt den IT-Dienstleistern, bei denen insgesamt rund 40 Prozent aller IT-Fachkräfte beschäftigt sind.

Rund zehn Prozent der Informatiker arbeiten freiberuflich, wobei immerhin jeder vierte dieser Freelancer ein Unternehmen gründet und Mitarbeiter beschäftigt. "Die Start-up-Szene konzentriert sich in Berlin, Hamburg und München und zieht viele Hochschulabsolventen an", sagt Juliane Petrich.

Rund 90 Prozent der IT-Fachkräfte sind jünger als 55. Anders als in vielen anderen Branchen steht zurzeit keine Pensionierungswelle und kein Generationswechsel an. Trotzdem gebe es genug offene Stellen, um die steigenden Absolventenzahlen aufzunehmen, sagt Juliane Petrich: "Auf dem Arbeitsmarkt werden langfristig mehr Fachkräfte gesucht, als von den Hochschulen ausgebildet werden, und daran wird sich in den nächsten Jahren voraussichtlich nichts ändern."

Gründen oder angestellt arbeiten?

"Die Idee für das Start-up kam mir zu Hause bei einer Flasche Wein mit meiner Mutter. Wir haben über Brustkrebsvorsorge geredet, und sie fragte sich, wie oft sie da hingehen soll. Wir fanden beide: Es müsste doch eine Software geben, die einen daran erinnert und Terminvorschläge macht. Das ist so ein Mutter-Tochter-Ding, wir überlegen uns gerne, was die Welt noch braucht.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 1/2018.

Den Vorsorgegedanken habe ich dann mit vier Kommilitonen zuerst für ein Uni-Projekt ausgearbeitet und dann zu einem Start-up entwickelt: Mit der Plattform CheckUp wollen wir die Schnittstelle zwischen Patienten, Ärzten und Versicherungen werden. Inzwischen haben wir ein Gründerstipendium bekommen, sodass wir umsonst ein Büro nutzen können, keine laufenden Kosten haben und in Workshops das Wichtigste zu Themen wie Marketing oder Finanzen lernen. Momentan suchen wir Investoren, um die Software auf den Markt zu bringen. Bei Versicherungen kam das Konzept bisher sehr gut an.

Ich arbeite etwa 30 Stunden pro Woche im Start-up, daneben schreibe ich meine Bachelorarbeit. Wenn ich damit fertig bin, will ich voll einsteigen. Meinen Master möchte ich später aber unbedingt noch machen, am besten, sobald CheckUp selbstständig läuft. Am Gründen gefällt mir, eine Idee zu entwickeln und sie wachsen zu sehen. Jetzt ist dafür genau die richtige Zeit. Ich bin jung und kann es einfach ausprobieren. Später kann ich immer noch bei einen Unternehmen anfangen."

Anna Lengert, 22, studiert Wirtschaftsinformatik in Köln. Ihr Start-up hat sie gemeinsam mit Kommilitonen gegründet.

"Die Stelle bei Adobe habe ich bei LinkedIn gesehen und danach meinen Lebenslauf auf deren Bewerberportal hochgeladen. Ich hatte mich auch bei einem anderen Unternehmen beworben, das mich ebenfalls sehr interessiert hat, aber Adobe war schneller: Bereits ein paar Tage später rief mich eine Personalerin an.

Sie wollte hören, ob ich ins Unternehmen passe, und hat zum Beispiel gefragt, wie ich mir den Arbeitsalltag vorstelle. Fiese Fragen hat sie nicht gestellt. Im darauffolgenden persönlichen Gespräch mit zwei meiner heutigen Chefs ging es mehr um Fachkenntnisse. Zu Hause sollte ich noch eine kleine Testaufgabe programmieren, dann kam die Zusage.

Für den Job bin ich von Paderborn nach Hamburg gezogen. Ich wollte ohnehin in eine größere Stadt und auch unbedingt bei einem größeren Unternehmen einsteigen, weil dort Menschen mit verschiedenen fachlichen Hintergründen und aus unterschiedlichen Kulturen zusammenarbeiten. Das ist mir wichtig. In meinem Studiengang waren auch viele internationale Studenten, das hat die Gruppenarbeit spannender und besser gemacht.

Das Team, in dem ich jetzt arbeite, entwickelt und testet Software und bringt sie stabil in die Cloud. Momentan erarbeiten wir neue Funktionen zum Teilen von Dokumenten in derselben Cloud, die auch für den Adobe PDF Reader genutzt wird. Es ist ein tolles Gefühl, etwas weiterzuentwickeln, das Millionen Menschen benutzen."

Till Hohenberger, 28, hat Informatik in Paderborn studiert, ehe er sich auf seinen heutigen Job als Computer-Scientist bewarb.

Berufsstart als Systemadministrator oder Softwareentwickler? Hier werden verschiedene Wege in die Tech-Branche beschrieben.

Protokolle: Aufgezeichnet von Cornelia Weber