Sie tauchten im Pazifik und wanderten am Polarkreis: Studenten erzählen vom Auslandssemester.

In Malapascua

Wo liegt das?

In Südostasien, auf den Philippinen. Die Insel ist nicht mal zwei Quadratkilometer groß. Es gibt dort viele Tauchshops und Hotels. Auf der Nachbarinsel Cebu war ich auch oft, die liegt südwestlich von Malapascua.

Was hast du dort gemacht?

Ich habe für meine Masterarbeit geforscht. Ein großes Problem auf diesen Inseln ist das Dynamitfischen. Dafür werfen die Fischer Sprengstoff ins Meer und sammeln nach der Explosion die toten Fische ein. Das hat schwere Folgen für das Ökosystem: Tausende Tiere sterben, und Korallen werden zerstört. Um das zu verhindern, braucht man Gesetze, um die industrielle Fischerei in diesen Gebieten einzuschränken. Am wichtigsten sind aber wirtschaftliche Perspektiven für die Fischer, damit sie dann trotz geringerem Fang genügend Geld verdienen. Ich habe untersucht, ob ein ökologisch nachhaltiger Tourismus eine Alternative für die Fischer auf den Philippinen sein kann.

Wo hast du gewohnt?

Eine NGO, die sich für den Schutz und Erhalt der Meere in der Region einsetzt, hat mir private Unterkünfte vermittelt. Ich habe bei drei verschiedenen Familien gelebt, die erste hatte neun Kinder. Das hat mich umgerechnet fünf Euro pro Nacht gekostet.

Wie hast du das finanziert?

Verschiedene Umweltschutzgruppen haben mich unterstützt, auch Stop Finning, eine NGO, bei der ich mich engagiere. So kamen rund 5.000 Euro zusammen. Damit habe ich meine Unterkunft, Essen und eine Übersetzerin bezahlt. Den Flug und die Fahrtkosten auf den Inseln finanzierte ich selber. Um die Menschen hier zu interviewen, musste ich oft mit Jeepneys, bunten Kleinbussen, fahren.

Julian Engel, 28, studiert International Studies in Aquatic Tropical Ecology in Bremen.

In Birmingham

Warum wolltest du nach England?

Musik gehört in Großbritannien zum Alltag. Es gibt viele Kirchenchöre, an Schulen wird oft gesungen. Die britische Chortradition gefällt mir. Außerdem gibt es sehr gute Dozenten am Royal Birmingham Conservatoire, wo ich zwei Semester lang studiert habe. Die Musikhochschule hat international einen guten Ruf.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2018.

Was hast du dort erlebt?

Neben dem Studium habe ich viel Orgel gespielt. In den Sälen des Rathauses durfte ich Konzerte geben und Touristen die Orgel erklären. Dabei habe ich auch Shows für Kinder produziert. Zum Beispiel habe ich Songs von Taylor Swift oder Justin Timberlake auf die Orgel übertragen. Das hat auch mein Englisch verbessert: Bei den Führungen musste ich viel reden und Fragen beantworten. Anfangs war das ein Sprung ins kalte Wasser. Im Rückblick entpuppte es sich aber als genau der richtige Weg, um Englisch zu lernen.

Wie hast du das finanziert?

Über Erasmus habe ich im Semester etwa 1.000 Euro bekommen. Dazu kam noch das Geld vom Auslands-Bafög und 300 Euro von meinem Deutschlandstipendium. Dieses Geld hat für mich gereicht. Für mein Zimmer in einer Dreier-WG habe ich im Monat etwa 420 Euro gezahlt.

Und jetzt?

Ich bin wieder zurück in Deutschland und habe viel über die Auswirkungen des Brexits nachgedacht. In den großen Orchestern sitzen viele internationale Musiker. Einige überlegen, nach Deutschland auszuwandern. Das wäre fatal und würde Konzerte im ganzen Land beeinträchtigen. Auch Schulen und die alte britische Chortradition könnten unter dem Brexit leiden.

Anne Michael, 26, studierte Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig.