Rund die Hälfte der naturwissenschaftlichen Studierenden macht sogar einen Doktor. Hauptsache: Kein Fachidiot werden! Alle Infos zum Berufseinstieg für Naturwissenschaftler

Geht es auch ohne Master?

Eher nein. In kaum einer anderen Fächergruppe ist der Master so zum Standard geworden wie in den Naturwissenschaften. Fast alle Studenten machen ihn, zeigt eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. "Eine Karriere im Konzern oder in der Forschung dürfte allein mit dem Bachelor nicht gelingen", sagt Philipp Benden von der Karriereberatung von Rundstedt. "Bachelorabsolventen mit gezielten Praktika und betriebswirtschaftlichen Zusatzfächern können in der Verwaltung oder als Managementassistenz eine Stelle finden", sagt Benden, "doch dann konkurriert man als Akademiker auch mit Absolventen von Ausbildungsberufen." Vielen Naturwissenschaftlern reicht übrigens nicht mal der Master. Rund die Hälfte schreibt danach noch eine Doktorarbeit.

In den nächsten Jahren wird es mehr naturwissenschaftliche Absolventen geben. Etwa 250.000 Studenten sind laut der Agentur für Arbeit in Mathematik und Naturwissenschaften eingeschrieben. Das sind rund 40 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Sorgen über den Berufseinstieg müssen sie sich aber eigentlich nicht machen. "Wer ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen hat, wird einen Job finden", sagt Gerd Romanowski vom Verband der Chemischen Industrie (VCI). Lediglich vielen Biologen fällt der Berufseinsteig nicht ganz leicht, weil es nicht so viele freie Stellen für sie gibt.

Wie sehr soll ich mich spezialisieren?

Eines ist klar: Fachidioten haben in der Wirtschaft keine großen Chancen. Unternehmen suchen Führungskräfte, die über den Tellerrand des eigenen Fachgebietes hinausgucken können. Nur ein Drittel aller Naturwissenschaftler in Deutschland arbeitet nach dem Studium tatsächlich in einem ausschließlich naturwissenschaftlich orientierten Beruf. Der Rest landet in Lehre und Forschung oder bei Unternehmen in Bereichen wie Unternehmensführung, Informationstechnik, technische Entwicklung oder Produktion.

Der Master bietet eine Gelegenheit, Weichen zu stellen und neue Schwerpunkte zu setzen. Denkbar sind Fachwechsel wie von Biologie zu Life-Sciences oder von Chemie zu Nachhaltigkeit. "Wer etwa als Nebenfach im Masterstudium BWL belegt, macht sich für Unternehmensberatungen interessant", sagt Benden. "Mit Kommunikationswissenschaften und passenden Praktika kann man ein guter Kandidat für eine PR-Agentur sein." Hochschulen bieten mit bestimmten Schwerpunkten oder Fächerkombinationen Möglichkeiten, sich ein eigenes Profil zu schaffen. Am besten gut informieren, bevor man sich für einen Master entscheidet.

Wenn es dich in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung eines Unternehmens zieht, dann musst du dich nach dem Master spezialisieren: An die begehrten Stellen kommen in der Regel nur Naturwissenschaftler mit Doktortitel. Unter den Chemikern schließen nach Angaben des VCI mehr als 80 Prozent der Masterabsolventen eine Promotion an. Der Titel wirkt sich auch auf das Gehalt aus. In der Chemischen Industrie etwa verdienen Berufseinsteiger mit Promotion nach Tarif im zweiten Jahr bis zu 10.000 Euro mehr als mit Masterabschluss.

Wie starte ich eine Forscherkarriere?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2018.

Für eine wissenschaftliche Laufbahn ist die Promotion fast immer Voraussetzung. Allerdings verdienst du an der Uni deutlich weniger als in der freien Wirtschaft. Außerdem sind die meisten Stellen zeitlich befristet, eine sichere Zukunftsplanung wird oft schwierig. "Der akademische Mittelbau sollte nicht das Ziel sein", sagt der Karriereberater Philipp Benden, "damit meine ich wissenschaftliche Mitarbeiter, die keine Professoren werden." Doch der Weg hin zur Professur lässt sich kaum richtig planen, es gibt nicht genügend Stellen. Auf rund 240.000 wissenschaftliche Mitarbeiter in Deutschland kommen ungefähr 47.000 Professoren. Anders gesagt: Neun von zehn Naturwissenschaftlern mit Promotion hangeln sich im Wissenschaftsbetrieb von einer befristeten Stelle zur nächsten.

"Die Masterarbeit kann ein erster ernsthafter Prüfstein sein, um festzustellen, ob man sich dauerhaft für wissenschaftliches Arbeiten eignet", sagt Benden. Hier zeige sich, ob ein Student die nötigen Voraussetzungen wie Beharrlichkeit und Idealismus mitbringe, um im akademischen Forschungsalltag zu bestehen.

Darüber hinaus solltest du dir ein breit gefächertes Netzwerk in der Forschungslandschaft des eigenen Fachbereichs aufbauen. So kannst du dich zumindest ein wenig absichern: Läuft der Vertrag einer befristeten Stelle aus, können sich durch gute Kontakte zu Wissenschaftlern an anderen Hochschulen vielleicht neue Möglichkeiten für Forschungsstellen ergeben.

Worauf achten Arbeitgeber aus der Wirtschaft?

"Auch Naturwissenschaftler müssen wirtschaftliche Zusammenhänge kennen. Das ist heute wichtiger denn je", sagt Gerd Romanowski vom VCI. Ein Zweitstudium in BWL sei dafür nicht erforderlich. "Das ist zwar nützlich, aber im Vorstellungsgespräch zeigt sich in der Regel schnell, ob jemand wirtschaftliche Grundkenntnisse besitzt."

Auch Praktika oder Berufserfahrung, zum Beispiel durch eine Stelle als Werkstudent, solltest du möglichst mitbringen. "Wer keine Praktika oder Arbeitserfahrung vorweisen kann, wird es selbst bei einer sehr guten Abschlussnote schwer haben", sagt Philipp Benden. "Im Vorteil ist, wer nachweisen kann, dass er schon während des Studiums in wirtschaftlichen Zusammenhängen gedacht hat." Doch nicht jedes Praktikum ist gleich gut angesehen. Personalchefs bevorzugen häufig Bewerber, die als Praktikanten bei renommierten Unternehmen gearbeitet haben. Besonders gut ist, wenn du noch ein ausführliches Praktikumszeugnis mitlieferst.

Pluspunkte bringt in der Regel auch ein Auslandssemester. Die fachliche Vertiefung steht dabei gar nicht so sehr im Vordergrund, sondern vielmehr die Erfahrung: Grundsätzlich beweist du mit einem Auslandsaufenthalt Mut und die Bereitschaft, dich Herausforderungen zu stellen. "Das kommt bei Arbeitgebern immer gut an", sagt Gerd Romanowski.

Text: Andreas Schulte