Manche Nebenjobs sind die Hölle. Der von Leonie zum Beispiel. Die 23-Jährige verteilte Süßigkeiten in einem Einkaufszentrum, verkleidet als Drache. Immer wieder zogen sie Kinder am Schwanz, sie fiel um und kam im schweren Kostüm nicht von allein hoch. War es das Geld wert? Nein, schreibt Leonie in einem Blog-Posting. Selbst wenn man einen Job findet, der einen nicht die Würde kostet, nerven oft Steuern, Versicherung und andere Formalien. Was du dazu wissen musst, erfährst du hier.

Wieviel Geld kann ich neben dem Master verdienen?

Als Student bekommst du für deine Arbeit mindestens 8,84 Euro pro Stunde. Das ist der gesetzliche Mindestlohn, in Deutschland. Werkstudenten verdienen oft sogar mehr: Viele Firmen zahlen zwischen 10 und 15 Euro pro Stunde. Auch bei freiwilligen Praktika, die länger als drei Monate dauern, müssen Arbeitgeber vom ersten Tag an den Mindestlohn zahlen. Das Gleiche gilt bei 450-Euro-Jobs. Davon ausgenommen sind Pflichtpraktika, die in der Studienordnung deines Fachs vorgeschrieben sind. Hier kann die Firma weiterhin selbst entscheiden, ob und wie viel du bekommst. Wenn du Bafög beziehst, solltest du nicht mehr als 5.400 Euro dazuverdienen, sonst wird dir das Fördergeld gekürzt (wichtiges Detail: Die Summe bezieht sich nicht auf das Kalenderjahr, sondern auf den Bewilligungszeitraum von zwölf Monaten.)

Ab welchem Einkommen muss ich Steuern zahlen?

9.000 € ist eine Summe, die du dir merken solltest. Sobald du mehr pro Jahr verdienst, musst du Einkommensteuer zahlen. Wenn du in einem Monat mal mehr als 1.029 Euro kriegst, musst du für diese Zeit Lohnsteuer zahlen. Immerhin: Mit der nächsten Steuererklärung kannst du dir das Geld vom Finanzamt zurückholen. Als Werkstudent bist du von der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung befreit, musst aber in die Rentenversicherung einzahlen. Pro Woche darfst du höchstens 20 Stunden arbeiten. Wenn du ohne Arbeitsvertrag auf Rechnung arbeitest, also als Selbstständige oder als Selbstständiger, dann bist du unter Umständen verpflichtet, zusätzlich Umsatzsteuer zu zahlen.

Was läuft anders, wenn ich selbstständig bin?

ZEIT Campus: Frau Pieper, ist es schlau, sich neben dem Studium selbstständig zu machen?

Johanna Pieper: Klar! Man sammelt dabei viele Erfahrungen für die Zeit nach dem Studium. Etwa, ob es genug Kunden für die eigene Geschäftsidee gibt und wie der Markt auf mein Produkt oder meine Dienstleistung reagiert. Dabei kann man auch testen, ob man überhaupt der Typ für selbstständiges Arbeiten ist. Zum Beispiel, wie man mit der freien Zeiteinteilung zurechtkommt.

ZEIT Campus: Worauf muss ich noch achten?

Pieper: Auf das Geld. Die Ausgaben sollten nicht über den Einkünften liegen, und die Rechnungen, die man stellt, schnell beglichen werden. Am besten nennt man seinen Kunden eine Zahlungsfrist, zum Beispiel vier Wochen.

ZEIT Campus: Muss ich Steuern zahlen?

Pieper: Viele Studenten sind als sogenannte Kleinunternehmer von der Umsatzsteuer befreit. Erst wenn man mehr als 17.500 Euro pro Jahr verdient, muss man in der Regel 19 Prozent ans Finanzamt abführen. Kreative wie Texter oder Designer wenden den ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent an. Einkommensteuer wird ab 9.000 Euro pro Jahr fällig.

ZEIT Campus: Kann ich in der Familienversicherung krankenversichert bleiben?

Pieper: Ja, es sei denn, man ist älter als 25 Jahre oder verdient mehr als 425 Euro im Monat. Auch dann gibt es für Studenten günstigere Tarife als für Vollzeit-Unternehmer.

ZEIT Campus: Wer fördert mich?

Pieper: Es gibt Gründerkredite. Aber ich rate, erst einmal im privaten Umfeld nach Geldgebern zu suchen, dann kann man sich die Zinsen vielleicht sparen.

Wie ist das mit dem Kindergeld?

Wenn du unter 25 und an einer Hochschule eingeschrieben bist, bekommen deine Eltern für dich Kindergeld vom Staat. Das sind zwischen 194 und 225 Euro im Monat, je nachdem, wie viele Geschwister du hast. Viele Eltern geben dieses Geld direkt an ihre Kinder weiter. Darum kannst du deine Eltern bitten, du hast aber keinen rechtlichen Anspruch darauf. Wenn du nach dem Bachelor erst mal gearbeitet hast, gibt es im Master nicht automatisch Kindergeld. Es muss dann neu beantragt werden. Wenn du das erst mitten im Master erfährst, kannst du dir das Geld noch bis zu sechs Monate rückwirkend holen.

Was sollte in meinem Arbeitsvertrag stehen?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2018.

Wie viel du arbeitest, in welchem Bereich deine Aufgaben liegen und wie viel Gehalt du dafür bekommst, all das muss in deinem Arbeitsvertrag aufgeführt werden. Auch Angaben zu Probezeit, Urlaubstagen und Kündigungsfrist gehören rein. Idealerweise steht noch im Vertrag, ob du nach einem Tarif bezahlt wirst. Auf einen Arbeitsvertrag solltest du immer bestehen, als Minijobber oder Praktikant genauso wie als Werkstudent. Lässt sich die Personalabteilung zu lange Zeit und du startest ohne Vertrag in den Job, gelten die gesetzlichen Mindeststandards: zum Beispiel ein Monat Kündigungsfrist und bei einer 20-Stunden-Woche mindestens zehn Urlaubstage pro Jahr. Stehen im Vertrag weniger Tage drin, ist die Klausel ungültig.

Soll ich ein Urlaubssemester nehmen, um zu jobben?

Nein, besser nicht. Vorgesehen sind Urlaubssemester eher für Fälle wie Krankheit, Elternzeit oder pflegebedürftige Angehörige. Bei einigen Unis kann man sich für ein Praktikum beurlauben lassen. Der Haken am Urlaubssemester: Für diese Zeit verlierst du deine Privilegien als Student und musst beim Jobben alle Sozialabgaben zahlen. Wenn du neben der Uni mehr Zeit zum Geldverdienen brauchst, solltest du lieber weniger Kurse pro Semester belegen oder ein Teilzeitstudium beantragen.

Wie viel darf ich nebenbei überhaupt arbeiten?

182 Tage pro Jahr darfst du so viel arbeiten, wie du willst, ohne dass Sozialabgaben anfallen. Ansonsten gilt: 20 Stunden pro Woche sind das Limit. Kommst du darüber, muss dich dein Arbeitgeber bei der Krankenkasse als versicherungspflichtiger Arbeitnehmer anmelden. Du verlierst damit den Studentenstatus bei der Krankenkasse und musst die vollen Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung zahlen. Immerhin: Tage, die du bei einem Pflichtpraktikum verbringst, zählen nicht dazu.