Wie du einen Platz bekommst, der dich weiterbringt

1. Wie finde ich ein Praktikum, das zu mir passt?

Praktika sind wichtig. Sie sind sogar wichtiger als ein sehr guter Abschluss in Regelstudienzeit. So sehen das zumindest die Arbeitgeber. 81 Prozent der Unternehmen, die für die Jobtrends-Studie der Personalberatung Staufenbiel befragt wurden, legen mehr Wert auf Praktika als auf ein schnell durchgezogenes Studium. Das vielleicht noch wichtigere Argument für Praktika: Nur wenn du in verschiedenen Branchen und Unternehmen hinter die Kulissen schaust, kannst du herausfinden, wo du später einmal arbeiten willst. Vielleicht weiß man nach einem Praktikum: In diese Firma will ich nie wieder zurück! Das ist auch ein Erkenntnisgewinn. Passende Stellenanzeigen findest du oft auf der Website der Hochschule oder in Rundmails deiner Fachschaft. Die leiten manchmal interessante Anzeigen für Praktika weiter, die zum Studium passen. Ansonsten gibt es Angebote für Praktika in Jobbörsen für spezielle Branchen. Wer sich für die Umwelt interessiert, kann zum Beispiel bei greenjobs.de suchen, bei tbd.community sind Stellen in NGOs aufgelistet. Und auf der Website des DAAD gibt es einen Überblick zu Praktikumsbörsen und Stipendien weltweit.

2. Alle reden von "Networking". Aber wie geht das?

Manchmal hilft es, ein paar Leute zu kennen, um an einen Praktikumsplatz zu kommen. Dafür musst du dich nicht darauf verlassen, dass dein Vater mit den richtigen Menschen Golf spielt. Du kannst potenzielle Arbeitgeber und Kollegen auch selbst kennenlernen, etwa bei Fachtagungen, Vorträgen oder Konferenzen. Wenn du zu nervös bist, nach einer Rede den Mitarbeiter einer Firma einfach persönlich anzusprechen, kannst du ihm später eine E-Mail schreiben und auf den Vortrag eingehen. Dann gibt es bereits eine erste, zarte Verbindung zwischen euch, und der Adressat weiß, dass du dich für seine Arbeit interessierst. "Eine Frage oder Anmerkung zum Vortrag sind ein guter Einstieg in eine Konversation", sagt Ines Rehfeld vom Career Service der Uni Potsdam.

Gelegentlich organisieren die Hochschulen Karrieremessen für Unternehmen und Studenten. An der TU München gibt es zum Beispiel die Ikom, die sich speziell an Studenten einzelner Fächer wie Architekten, Umweltingenieure oder Agrarwissenschaftler richtet. Bei solchen Veranstaltungen werden oft Netzwerk-Frühstücke oder Abendprogramme angeboten. Da ist es einfacher, ins Gespräch zu kommen.

3. Wie überzeuge ich die Firma mit meiner Bewerbung?

Oft nehmen Unternehmen nur Praktikanten, die bereits Berufserfahrungen vorweisen können. Das ist frustrierend: Man will Berufserfahrungen sammeln. Und braucht dafür Berufserfahrungen. Deine Bewerbung hat jedoch nicht unbedingt schlechtere Chancen, wenn du bisher kaum Praktika gemacht hast. Die Karriereberaterin Rehfeld sagt: "Das kann man durch eine ehrenamtliche Tätigkeit wettmachen. Oder wenn man im Anschreiben seine Motivation für das Praktikum authentisch darlegen kann." Wie viele Wochen oder Monate vorher du dich bewerben musst, kommt auf das Unternehmen an. Oft setzen große Firmen die Bewerbungsfrist und das Auswahlverfahren einige Monate vor Praktikumsbeginn an. Der Versicherungskonzern Axa rät, sich drei bis vier Monate vorher zu bewerben. Bei Daimler werden Stellen bis zu sechs Monate vorher ausgeschrieben. Was bei der Bewerbung noch wichtig ist: Lebenslauf, Anschreiben, Zeugnisse und Arbeitsproben.

4. Lohnt sich ein Urlaubssemester für Praktika?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2018.

Viele freiwillige Praktika im Studium können drei bis sechs Monate dauern. "Bleibt man kürzer, ist es unwahrscheinlicher, dass man eigene Projekte betreuen kann", sagt Rehfeld. Unter welchen Voraussetzungen du dafür ein Urlaubssemester beantragen kannst, erfährst du auf der Website deiner Uni. Das Gute ist: Währenddessen pausiert die Regelstudienzeit. Das heißt aber auch, dass du im Urlaubssemester kein Bafög kriegst (Ausnahme: Auslands-Bafög). Und wer zum Beispiel einen Studienkredit bei der KfW-Bank bezieht, bekommt im Urlaubssemester auch kein Geld. Wenn du trotzdem ein Semester freimachen willst, um dich auf Praktika zu konzentrieren, dann ruf vorher bei deiner Krankenkasse an, vielleicht fallen im Urlaubssemester höhere Beiträge an. Rechne dir dann am Ende aus, ob du genügend Geld für das Semester hast und sich der Einsatz lohnt (vor allem wenn du im Praktikum nur 400 Euro im Monat kriegst).

5. Null Euro, nix zu tun: Welche Bedingungen sind okay?

Pflichtpraktika müssen nicht bezahlt werden. Bei freiwilligen Praktika, die bis zu drei Monate dauern, sieht es ähnlich aus. Bist du länger im Unternehmen, hast du Anspruch auf den Mindestlohn. In jedem Fall lohnt es sich, nach Zusatzleistungen zu fragen, etwa nach kostenlosen Kantinenkarten oder der Erstattung für das Monatsticket. Zeigt sich beim Praktikum, dass deine oder die Erwartungen des Arbeitgebers nicht erfüllt werden können, rede mit dem Chef. Du schaust jeden Tag vor Langeweile Fotos von Kim Kardashian auf Instagram an, weil du nichts zu tun hast? Dann erzähl Kollegen beim Mittagessen, womit du dich auskennst und ihnen helfen kannst. Wenn du im Gegenteil nächtelang an Abgaben sitzt, besprich mit deinem Chef, wie du den Workload reduzieren kannst.

6. "Tschüß dann!" Was gehört ins Praktikumszeugnis?

Am Ende des Praktikums hast du Anspruch auf ein Zeugnis, das wohlwollend formuliert ist. Frag unbedingt bei der Personalabteilung des Unternehmens nach, falls du keins bekommen hast. Die Formulierungen in den Zeugnissen klingen oft so lieb und kuschelig wie die Bewertungen aus der Grundschulzeit, haben es aber manchmal in sich. Zum Beispiel die Aussage, dass du Aufgaben "stets zur Zufriedenheit" erfüllt hast. Klingt okay, oder? Entspricht aber eher einer Note 4. Hast du deine Aufgaben "stets zur vollsten Zufriedenheit" erledigt, bedeutet das eine Note 1, bei "stets zur vollen Zufriedenheit" eine 2. Auch andere Sätze, die erst mal nett klingen, können das Gegenteil bedeuten. Auf Seiten wie praktikum.info oder karrierebibel.de findest du weitere Beispielsätze mit Übersetzungen.