Woran du eine falsche Entscheidung erkennst

"Der Stoff überfordert mich"

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2018.

Wenn es wirklich am Studium liegt, wenn du viel lernst und trotzdem immer wieder durch die Prüfungen fällst, wenn Stresssymptome wie Schlafstörungen oder psychosomatische Leiden dazukommen, dann gilt: besser aufhören. Den Schritt solltest du aber erst gehen, nachdem du die Angebote der Uni wie Tutorien, Lerngruppen oder Coachings ausprobiert hast. Vielleicht quält dich nur ein einzelnes Fach? Dann kann es helfen, dich an das eigentliche Ziel des Studiums zu erinnern: deinen Traumberuf. Wer später als Psychologe arbeiten will, muss eben erst einmal schwierige Statistikprüfungen bestehen.

"Ich habe andere Sorgen"

Der Nebenjob stresst, Liebeskummer kommt dazu, und dann auch noch zur Uni gehen? Bevor du deinen Master deswegen abbrichst, sei ehrlich zu dir: Liegt es wirklich am Studium oder doch eher an anderen Umständen? Für vieles gibt es Hilfe. Bei privaten Problemen zum Beispiel von der psychosozialen Beratung der Studentenwerke. Manchmal hilft auch einfach ein Kurs in Zeitmanagement, wie ihn viele Unis anbieten. Mangelt es dagegen an Geld, kannst du zum Beispiel über einen Studienkredit, Bafög, Stipendien oder Hilfe aus der eigenen Familie nachdenken.

"Ein anderer Master passt besser"

Klingt vernünftig, doch ein Abbruch will gut überlegt sein. Wichtig ist, dass der neue Studiengang auch wirklich besser passt. Dass sich aus einem Wechsel neue Berufsfelder erschließen, ist manchmal ein Trugschluss. Gerade bei Geistes- und Sozialwissenschaftlern legen spätere Arbeitgeber auf die fachliche Ausrichtung des Masters oft gar nicht so viel Wert. Ob der Wechsel sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie viel du schon in das laufende Studium investiert hast. Und wie viele ECTS-Punkte im neuen Master anerkannt werden. Innerhalb der eigenen Hochschule ist das häufig einfacher als an einer anderen Uni.

"Mir fehlt die Motivation"

Wenn du keine Lust mehr auf die Uni hast, liegt es nahe, den Master zu schmeißen. Bevor du dich vorschnell dazu entscheidest, solltest du nach den Gründen für dein Motivationstief suchen. Vielleicht siehst du keinen Sinn in deinem Studium, weil dir ein klares Berufsziel fehlt? Es kann helfen, mit Absolventen zu sprechen, die schon im Berufsleben stehen, um eigene Ideen und Ziele zu entwickeln. Berufsberater bei der Agentur für Arbeit können dir weitere Berufsfelder aufzeigen. Manchmal hilft auch ein Praktikum, um herauszufinden, warum man das alles eigentlich macht. Und es kommt auf den Zeitpunkt an: Wer schon im ersten Semester merkt, dass er lieber arbeiten oder reisen will, der sollte das tun. Wenn du dagegen schon kurz vor dem Abschluss stehst, hast du mehr davon, wenn du dich durchbeißt.

"Ich werde schlecht betreut"

Ob Hausarbeit, Referat oder Masterarbeit: Schlechte Betreuung demotiviert, klar, aber du musst sie nicht hinnehmen. Besuche die Professoren in ihren Sprechstunden, kontaktiere Beratungsstellen der Uni, tausche dich auf Foren im Internet aus, oder suche dir Leute für Lerngruppen. Notfalls helfen externe Tutorien oder ein Hochschulwechsel. Und was, wenn sich ausgerechnet der Betreuer der Masterarbeit nicht richtig kümmert? Lieber einen neuen suchen und damit ein paar Wochen mehr Zeit in Kauf nehmen, als jetzt alles hinzuschmeißen.