Das Bachelorzeugnis liegt in deinem Briefkasten. Yesss! Vielleicht fühlst du dich so ausgelaugt wie ein Marathonläufer und sehnst dich nach einer Pause. Oder du bist gerade erst richtig in Fahrt gekommen, brennst für dein Fach und willst dein Wissen vertiefen. Oder du hast genug von der Uni und möchtest endlich arbeiten. Oder, oder, oder. Welche Möglichkeiten du nach dem Bachelor hast, haben wir hier zusammengefasst. Das Wichtigste dabei: Mach dich nicht verrückt!

Soll ich überhaupt einen Master machen?

82% der Studenten an Universitäten machen nach dem Bachelor weiter. An Fachhochschulen entscheidet sich jeder zweite dafür. Eigentlich wollte die Politik mit der Bologna-Reform von 1999 erreichen, dass Studenten nach dem Bachelor direkt ins Berufsleben starten. Der Master war nur für angehende Führungskräfte oder Wissenschaftler gedacht. Heute solltest du die Entscheidung für oder gegen einen Master von deinem Berufswunsch abhängig machen. Im Personalwesen oder Marketing reicht ein Bachelor meistens aus. In den Naturwissenschaften ist ein Master hingegen Pflicht.

Lohnt es sich, ein Gap-Year einzulegen?

Das Bachelorstudium ist meistens streng durchgetaktet. Seminar folgt auf Seminar, und sobald eine Klausur geschafft ist, musst du schon für die nächste lernen. Laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung verzichtet beinahe jeder zweite Student auf ein Auslandssemester, aus Sorge, das Studium könnte darunter leiden. "Immer mehr Studenten nutzen die Zeit nach dem Bachelor für einen Auslandsaufenthalt", sagt Regina Pfeifer, Projektkoordinatorin vom Informationsdienst Eurodesk. Das ergibt Sinn: Ein Gap-Year bietet die Chance, Auslandserfahrungen einzuschieben, ehe es im Master wieder zu stressig wird. Staatlich geförderte Programme wie Weltwärts, Kulturweit, der Internationale Jugendfreiwilligendienst oder der Europäische Freiwilligendienst verbinden den Auslandsaufenthalt mit sozialen Projekten. Noch relativ neu ist das Europäische Solidaritätskorps, mit dem du dich zwei bis zwölf Monate lang bei Hilfsprojekten im Ausland engagieren kannst. Wer lieber in Deutschland bleiben will, kann sich das Angebot des Bundesfreiwilligendienstes ansehen oder ein Freiwilliges Soziales Jahr einlegen (ausgenommen: Leute, die über 27 sind). Du kannst die Zeit auch für Praktika nutzen: Unternehmen wie Allianz und Bertelsmann bieten gemeinsam ein Gap-Year-Programm an. Wichtig: Du solltest das alles früh planen. Die Bewerbungsfristen enden oft bis zu einem Jahr im Voraus.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 2/2018.

Was bringt ein zweiter Bachelor?

Der Bachelor ist vorbei und damit manchmal auch die Begeisterung für das Studienfach. Wer dann auf seine Bewerbungen nur Absagen bekommt, zweifelt schnell an seinem Abschluss. Jetzt noch das Fach wechseln? Das ist nicht ganz einfach. Für einen fachfremden Master wird man selten zugelassen. Oft musst du dich stattdessen für einen zweiten Bachelor entscheiden und noch mal von vorne anfangen. Das kostet Zeit. Andererseits: Gerade aus der Kombination zweier Fächer kann ein ganz besonderer Lebenslauf entstehen. "Wer sein erstes Studium durchzieht und dann noch einmal etwas Neues anfängt, kann das bei der Bewerbung später mit Durchhaltevermögen begründen", sagt Rosmarie Schwartz-Jaroß vom Career-Center der Humboldt-Uni in Berlin. Ist der neue Bachelor zulassungsfrei, kannst du dich normal bewerben. Ist er zulassungsbeschränkt, giltst du als Zweitstudienbewerber, von denen in der Regel nur drei Prozent einen Platz bekommen. Übrigens: Für das Zweitstudium zählt meistens nicht die Abi-Note, sondern der Bachelorabschluss und ein Motivationsschreiben.

Was ist mit einem Volontariat oder Traineeprogramm?

In manchen Branchen gibt es eigene Programme für Berufseinsteiger: Im Medienbereich etwa beginnst du klassischerweise mit einem ein- bis zweijährigen Volontariat. In der Industrie bieten viele Unternehmen spezielle Traineeprogramme an. Als Trainee lernst du in ein bis zwei Jahren viele Bereiche des Unternehmens kennen, baust dir ein firmeninternes Netzwerk auf und kannst später entscheiden, wo du arbeiten möchtest. Häufig erleichtert dir ein erfahrener Kollege der Firma als Mentor den Einstieg. Übrigens: Auf den Abschluss kommt es gar nicht so an. Absolventen mit Bachelor nehmen oft an den gleichen Programmen teil wie die mit Masterabschluss, hat die Personalberatung Staufenbiel festgestellt.

Kann ich auch direkt in den Job einsteigen?

Ja! Je nach Branche hast du auch mit einem Bachelor ganz gute Chancen. Du kannst zum Beispiel über eine Junior-Stelle einsteigen und bekommst dann von Anfang an ein höheres Gehalt als ein Trainee. Laut der aktuellen Jobtrends-Studie von Staufenbiel will fast jeder zweite Arbeitgeber in diesem Jahr mehr Absolventen einstellen als im Vorjahr. Das erhöht die Chancen für Bachelorabsolventen.

Ähh ... wie soll ich mich denn jetzt entscheiden?

ZEIT CAMPUS: Herr Eimer, nach dem Bachelor gibt es so viele Möglichkeiten. Wie treffe ich die richtige Entscheidung?
Andreas Eimer: Manchmal hilft es, sich ein paar Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Warum hat mir die Projektarbeit mit Kommilitonen mehr Spaß gemacht, als allein eine Hausarbeit zu schreiben? Und was sagt das über mich als Person aus? Welche Themen im Studium haben mich besonders interessiert? Will ich hier weiter vertiefen oder Gelerntes im Beruf anwenden?
ZEIT CAMPUS: Und was bringt das?
Eimer: Um gute Entscheidungen zu treffen, muss man sich selbst kennen. Dann findet man auch passende Möglichkeiten für sich. Wer praktische Aufgaben lieber mag, für den ist ein Job vielleicht besser als ein Masterstudium. Und bei der Berufswahl sollte man wissen, ob man eher feste Strukturen oder viel Freiraum braucht.
ZEIT CAMPUS: Und wenn man nach dem Bachelor einfach ein Jahr lang chillt?
Eimer: Das ist okay, solange man es bewusst tut und nicht, weil man ratlos ist.
ZEIT CAMPUS: Wovon würden Sie abraten?
Eimer: Ein zweiter Bachelor ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Etwa wenn jemand merkt, dass sich sein fachliches Interesse verändert hat. Und Praktika sollte man besser während des Studiums machen, nicht danach.

Andreas Eimer, 55, leitet das Career Center an der Uni Münster. Nach dem Studium hat er zuerst im Medienbereich gearbeitet.