Vier Singles treffen sich in einer Bar und reden über ihren Schmerz: ob Tinder gegen Liebeskummer hilft, es mit dem Alter leichter wird und was man mit den Chats macht.

Vier Singles treffen sich in einer Bar. Alle haben gerade Liebeskummer: Liese wollte nach sieben Jahren Beziehung ein anderes Leben, Anna hat auf Tinder einen Mann kennengelernt, der plötzlich doch nur noch mit ihr befreundet sein wollte. Bei Martin und seiner Freundin geht es seit sieben Jahren auf und ab. Im Moment sind sie nicht richtig zusammen, aber auch nicht richtig getrennt. Und Shannon hat ihren Freund letzte Woche verlassen.Wir sprechen mit ihnen über Einsamkeit und Schuldgefühle. Darüber, wie Social Media Liebeskummer verändert und warum reden hilft.

ZEIT Campus ONLINE: Was habt ihr am Valentinstag vor?



Liese: Rosen, ne, das geht für mich nicht. Ich finde das ehrlich gesagt total kitschig. (Die anderen nicken.) Also wenn spontan ein Besäufnis stattfindet, dann bin ich am Start. Ich muss sagen: Viel schlimmer sind Sonntage.

ZEIT Campus ONLINE: Wieso?

Liese: Sonntage sind die Tage, an denen man zusammen chillt und sich einen Film anguckt, zusammen kocht oder spazieren geht. Jetzt sind Sonntage ein bisschen einsam. Vor allem, weil es in meinem Freundeskreis mittlerweile nur wenig Singles gibt.



Shannon: Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie das für dich ist. Du warst ja sieben Jahre mit deinem Freund zusammen. Meine längste Beziehung dauerte nur eineinhalb Jahre. In meinem Freundeskreis sind auch fast alle wieder Single.

Martin: Mir geht es ähnlich, am Wochenende habe ich das Gefühl, jemanden bei mir haben zu wollen. Ich glaube, das kommt auch aus meiner Familie: Unter der Woche hat jeder immer sein Ding gemacht und am Wochenende waren wir zusammen.

ZEIT Campus ONLINE: Was macht ihr stattdessen? Habt ihr ein Sonntagsgegenprogramm?

Liese: Ich gucke alleine einen Film.

Anna: Ich versuche, produktiv zu sein. Ich mache etwas für die Uni oder treffe mich mit Freundinnen. Für mich ist der Montagabend am schwierigsten. Da haben mein Ex-Freund und ich uns immer getroffen. Ich versuche jetzt, montags erst spät zu Hause zu sein, damit ich direkt ins Bett gehen kann und abends keinen Leerlauf habe und ins Grübeln komme.

Martin: Was vermisst ihr genau? Wie fühlt sich Liebeskummer für euch an? Liebeskummer ist ja ein sehr unspezifischer Begriff.

Shannon: Manchmal bin ich sauer und habe das Gefühl, gescheitert zu sein. Ich habe es so lange versucht und Energie in die Beziehung gesteckt – und dann hat es trotzdem nicht geklappt. Und ich vermisse natürlich die körperliche Nähe und bin traurig, wenn ich im Bett liege und an ihn denke.

ZEIT Campus ONLINE: Wie ist es bei euch anderen?

Anna: Die ersten Tage nach der Trennung hatte ich richtig physische Schmerzen. Mir lag tatsächlich eine Schwere auf der Brust. Das hat mit der Zeit nachgelassen, seitdem überstrahlt das Vermissen alles. Vor allem abends im Bett, wenn ich mir vorstelle, wie es wäre, in den Arm genommen zu werden.

Liese: Auf der einen Seite habe ich Schuldgefühle, weil ich die Beziehung beendet habe. Auf der anderen Seite fühle ich eine Unfähigkeit. Irgendwie denke ich, dass ich nicht kompatibel bin. Das tut mir am meisten weh.

Martin: Ich konnte am Anfang gar nicht richtig definieren, was ich eigentlich fühle. Bei mir war es auch ein starker physischer Schmerz, ein Gefühl von Verzweiflung, von Hilflosigkeit. Jetzt von Alleinsein. Es ist ein Gefühl von Trauer und von Desillusion. Das Gefühl, gescheitert zu sein, beschreibt das ganz gut. Das Gefühl, mit einer Person, die mir so viel bedeutet hat und so nahestand, nicht mehr klarzukommen.

ZEIT Campus ONLINE: Und was hilft euch dann?

Shannon: Ich versuche das alles immer relativ nüchtern zu sehen. Ich denke immer: Liebe wirkt im menschlichen Gehirn wie Drogen, und wenn man sich trennt, dann ist das wie ein kalter Entzug. Man ist dann in einem total emotional angreifbaren Zustand und muss echt aufpassen, was man macht. Deshalb habe ich mir zum Beispiel nach meiner Trennung Tinder-Verbot gegeben. Ich will mein Selbstwertgefühl auch nicht von dieser Art von Aufmerksamkeit abhängig machen.

Anna: Mir hilft die Ablenkung durch Tinder. Ich treffe mich zwar nicht direkt wieder mit jemandem, aber es gibt mir Selbstbestätigung zurück.