Die Familienministerin soll in ihrer Dissertation zahlreiche Zitate ungeprüft übernommen haben. Die Plattform VroniPlag spricht von einem "mittelschweren Fall".

In der Doktorarbeit von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) soll es mehr abgeschriebene Textstellen und Fehler geben als bislang vermutet. Auf 76 von 205 Seiten sei Plagiatstext gefunden worden, heißt es auf der Plattform VroniPlag. Auf einer Seite ihrer Arbeit habe Giffey sogar mehr als drei Viertel aus fremden Texten übernommen. Wie der Spiegel berichtet, hat VroniPlag die Prüfung der Dissertation abgeschlossen.

In der Arbeit fänden sich demnach zahlreiche "Blind- und Fehlzitate", bei denen Belege in Fußnoten ungeprüft übernommen worden seien. VroniPlag-Vertreter Gerhard Dannemann sprach laut Spiegel von einem eher mittelschweren Fall. Die beanstandeten Mängel seien vor allem gefährlich, weil sich so Fehler weiterverbreiten könnten.

Auch die Freie Universität Berlin (FU) prüft Giffeys Doktorarbeit seit Februar wegen Plagiatsverdachts. Die SPD-Politikerin hatte die Hochschule selbst darum gebeten, nachdem VroniPlag erstmals mehrere Stellen beanstandet hatte. Zugleich betonte sie, sie habe die Arbeit "nach bestem Wissen und Gewissen verfasst". Ein Ergebnis der Untersuchung steht noch aus.

Giffey promovierte von 2005 bis 2009 im Bereich Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU. Ihre Dissertation verfasste sie zum Thema "Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft".

In den vergangenen Jahren hat es in der deutschen Politik mehrere Plagiatsvergehen gegeben. Auch der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) waren betroffen. Sie verloren ihre Doktortitel oder gaben sie freiwillig ab.