Der Branchenjournalist

Herrnewstime (378.942 Abonnenten @youtube)

"So, moin moin", begrüßt Herrnewstime seine Zuschauer in der Regel. Kurz nachdem die EU-Urheberrechtsreform beschlossen wurde, veröffentlichte er ein Interview mit dem Europa-Abgeordneten Axel Voss. Weniger Interview als hitzige Diskussion, in der YouTuber und Politiker einander ständig ins Wort fielen. Dass Voss am Anfang des Gesprächs noch sagte, "Bitte regen Sie sich nicht zu sehr auf", half wohl nicht. Später sagte Herrnewstime der VICE: "Das war Interview-technisch keine Meisterleistung von mir." Wenn man durch Herrnewstimes Upload-Feed scrollt, muss man sehr genau hinschauen, um Videos zu finden, in denen es nicht um Artikel 13 geht. Angefangen hat Herrnewstime 2014, vor allem mit Nachrichten aus der Internetvideo-Szene. Mit der EU-Urheberrechtsreform wurden die Nachrichten eher zu Anti-Artikel-13-Videos. Nach Rezos CDU-Kritik, hat auch Herrnewstime Videos zu der Partei veröffentlicht und darin klargemacht, was er von ihr hält: ziemlich wenig. Zwischenzeitlich wird er richtig laut.

Der Naive

Tilo Jung (241.570 Abonnenten @youtube)

Bevor Tilo Jung Onlinejournalist wurde, hat er es mit BWL und Jura versucht, aber beides abgebrochen. Seit 2013 veröffentlicht er seine Interview-Serie "Jung & Naiv – Politics for the Indifferent". In den Interviews gibt er sich gegenüber seinen Gesprächspartnern aus der Politik – er hat schon mit Sigmar Gabriel von der SPD und Beatrix von Storch von der AfD gesprochen – als jung und naiv. Jung ist er mit 33 Jahren auch, naiv keineswegs. Der Interviewte wird immer geduzt, das Interview in voller Länge veröffentlicht, die Sprache einfach gehalten. Er will erklären, wie Politik funktioniert, weil das die Massenmedien nicht mehr machen, sagt er in einem Interview mit dem Blog selbstdarstellungsucht.de. Auch in der Bundespressekonferenz stellt er deshalb "naive Fragen", die er dann auf jungundnaiv.de und YouTube mit dem Titel "Bundesregierung für Desinteressierte" veröffentlicht. Zum Stellen von naiven Fragen war Tilo Jung auch schon in der Ukraine, Israel und Palästina.

Die Anti-Influencer

Spaceradio (1.143.846 Abonnenten @youtube)

Fabian Rieck und Steven Schuto sollte man lieber nicht als Influencer bezeichnen – ein Video von Spaceradio heißt "Wir sind KEINE INFLUENCER". Was sie stört: Der Begriff ist zu allgemein. "Als würden alle Menschen im Internet dasselbe machen." Was sie machen: Videos zu tagesaktuellen Themen, zur Diskussion ums Rezo-Video zum Beispiel. Ihre persönliche Meinung lässt das Duo in vielen Videos durchklingen. Zur CDU und Artikel 13 sagen sie: "Wir sind einfach n‘ bisschen pissed." Über Ursula von der Leyen und ihre Berater: "Kein Plan von Nichts". Aber nicht nur die CDU wird bearbeitet, Videos drehen sie zum Beispiel auch über die Fridays-for-Future-Bewegung oder das Anti-Kinderkriegen-Manifest von Verena Braunschweiger. Das findet das Duo auch nicht gut: "Das, was die liebe Verena da redet, ist absolut zum Speien!" Auf ihrem Comedy-Kanal "Spacefrogs" gibt es außerdem Sketche, auf "Space Gaming" zum Beispiel Videos zu virtueller Realität. Sehr flott und abgespaced.