Grünes Fasten oder eine Ein-Teller-Challenge. Für drei junge Frauen hat der Ramadan in diesem Jahr mehr bedeutet, als tagsüber auf Essen und Trinken zu verzichten.

Heute endet das Fastenbrechfest Eid al-Fitr, einer der wichtigsten muslimischen Feiertage. Die vier Wochen davor haben viele Muslime in der ganzen Welt gefastet. Haben tagsüber nichts gegessen oder getrunken und abends das Fasten gebrochen. Manche haben den Monat auch zur Selbstoptimierung und Reflexion genutzt. Was das für sie bedeutet hat, erzählen drei junge Frauen.

"Das Gebet wird in Windeseile verrichtet, weil die Fleischspieße noch mariniert werden müssen"

Elif Zehra Kandemir (29 Jahre alt) hatte dieses Jahr während des Ramadan zum ersten Mal Zeit, gemütlich auf dem Sofa zu sitzen. Statt stundenlang zu kochen, servierte sie ihren Freundinnen Suppe und Lasagne zum Fastenbrechen.

"Nicht mal Salat? Sie sollten gar nicht fasten und sich schämen. Sie wollen uns den Ramadan wegnehmen!!!!!" Solche und ähnliche Kommentare musste ich in letzter Zeit häufig lesen, weil ich über Instagram eine #EinTellerChallenge gestartet habe. Bedeutet, dass ich im Ramadan meinen Gästen eine Suppe und ein Gericht serviert habe. Dazu noch Wasser und Datteln. Nicht mehr. Das hört sich vielleicht nicht revolutionär an, ist es aber. Am ersten Tag meiner Challenge habe ich mich schlecht gefühlt, sie hat mir Mut abverlangt.

Es ist Tradition, dass man im Ramadan Gäste zum gemeinsamen Fastenbrechen einlädt. Das ist schön, doch der ganze Stress und Druck, der damit verbunden war, ist weniger schön. Die letzten Jahre habe ich schon zwei Tage vorher angefangen zu planen. Eine Suppe, gefüllte Weinblätter und Börek, Kartoffelpüree und ein Fleischgericht. Dann noch Joghurt und andere Dips, Fladenbrot, Salate und natürlich noch ein Dessert. Drei verschiedene Softdrinks. Am Tag des gemeinsamen Fastenbrechens bin ich so früh wie möglich aufgestanden, habe die Wohnung blitzblank sauber gemacht und stand stundenlang in der Küche.

"Je umständlicher das Essen, desto größer die Wertschätzung."

Alles für den Gast. Das hat in der Türkei Tradition. Dieser gut gemeinte Gedanke hat in der Social-Media-Welt perverse Züge angenommen. Es gilt: Je umständlicher das Essen, desto größer die Wertschätzung. Je mehr Auswahl, desto größer die Zufriedenheit. Man versucht, sich gegenseitig zu toppen. Alles wird auf Instagram und Co. gepostet und verliert sich in einem toxischen Teufelskreis.

Eigentlich sollten wir während des Ramandan unsere Bedürfnisse minimieren und unsere Zeit mit Gebeten und Reflexion verbringen. Doch das Gebet wird in Windeseile verrichtet, weil die Fleischspieße noch mariniert werden müssen. Das freiwillige Nachtgebet wird nahezu nie verrichtet, weil der Körper nach dem stundenlangem Kochmarathon einfach schlapp ist. Wir fasten den ganzen Tag, um abends vor Massen an Essen zu sitzen, wovon das meiste wieder weggeschmissen wird.