"Plastikfasten braucht gute Planung"

Ümmü Selime Türe (33) ist während des Ramadan besonders streng zu sich selbst: Sie verbraucht kein Plastik. Das bedeutet auch, nicht essen zu gehen.

Mein Ramadan war green. Ich habe nicht nur auf Essen und Trinken, sondern auch komplett auf Plastik verzichtet. Nicht nur am Tag, sondern den ganzen Monat über. Nachhaltigkeit ist für mich immer ein wichtiges Thema, aber im Ramadan besonders. Ist es doch der Monat des Verzichts und gleichzeitig der spirituellen Bereicherung. Verzichten, um zu heilen. Und genau das braucht unsere Umwelt.

Plastik zu fasten war schwieriger als gedacht und ich konnte es nicht immer hundertprozentig einhalten. Ein Muss im Ramadan ist die Dattel. Schon der Prophet Mohammed hat sein Fasten mit einer Dattel gebrochen, ihn nachzuahmen ist eine Tradition der Muslime. Heute sind Datteln aber oft in Plastik eingeschweißt. Im Tiefkühlfach lagere ich frische Datteln, die mir Freunde oder Familie aus Ländern mitgebracht haben, wo man sie so kaufen kann. Plastikfasten braucht gute Planung. 

Weil ich nicht sicher sein kann, ob andere kein Plastik verwenden, habe ich auf Großveranstaltungen verzichtet. Zu Hause haben mein Ehemann und ich unser Fastenbrechen minimal gehalten. Suppe, Salat, Gemüseeintopf. Wasser aus dem Wasserhahn und Datteln aus dem Tiefkühlfach.

"Man kann auch in der Gemeinschaft nachhaltig und grün das Fasten brechen."

Natürlich hört das Plastikfasten nicht in der Küche auf. Ich versuche auch, Cremes, Spülmittel und Waschmittel selbst herzustellen. Klappt das nicht, suche ich nach plastikfreien Alternativen. Ich habe angefangen, meine Erfahrungen unter dem Hashtag #greenramadan zu teilen und andere zu animieren, mitzumachen. Man kann auch in der Gemeinschaft nachhaltig und grün das Fasten brechen.

Gemeinschaftlichkeit im Ramadan ist wichtig, aber sie erschöpft mich. Ich ziehe mich gerne zurück und kehre in mich. Ich werde mir meiner Rolle in dieser Welt bewusst. Eine Welt, die wir durch unseren Konsum zerstören.

"Wie so oft im Ramadan wurde die Nacht zum Tag"

Maysarat Onashokun (26) engagiert sich während des Ramadan ehrenamtlich, auch wenn sie vom Fastenbrechen oft müde ist.

Der Ramadan ist für mich der Monat der Gemeinschaft. Eine Zeit für ehrenamtliches Engagement. Das macht das Fasten sogar einfacher. In der Gemeinschaft vergisst man manchmal, wie schnell die Zeit vergeht, und der Verzicht auf Essen und Trinken wird sekundär.

Ich war drei Jahre lang im Vorstand der Islamischen Hochschulvereinigung in Köln. Anfang des Jahres habe ich mich zurückgezogen, das Masterstudium schlaucht. Trotzdem konnte ich der Organisation des traditionsreichen Fastenbrechens nicht fernbleiben. 300 Pappkaabas – sie sehen aus wie das quaderförmige Haus in Mekka – haben wir dieses Jahr mit Goldbändern beklebt, sie mit den Initialen der Hochschulgemeinde beschriftet und 900 Datteln darin verpackt. Ein kleines Geschenk für die Gäste, die zum interkulturellen Fastenbrechen der Hochschulgruppe kommen.

Während der Vorbereitungen war ich müde. In der Nacht davor war ich bei einer Freundin, wir haben gemeinsam das Fasten gebrochen. Es gab Linsensuppe, Reis, Salat und Eintopf. Zum Nachtisch Trauben unter Schnee. Ein Schichtdessert im Glas mit Trauben, gekrümelten Keksen und Sahne. Wie so oft im Ramadan wurde die Nacht zum Tag und ich bin erst gegen sechs eingeschlafen.

Fast jeder Tag im Ramadan hat bei mir so ausgesehen. Wenn ich nicht an der Uni ehrenamtlich geholfen habe, dann in unserer örtlichen Bilal-Moschee in Aachen. Nachts habe ich dann das Fasten gebrochen. Mal mit meinen Eltern, mal bei anderen muslimischen Hochschulgruppen, bei Freunden oder beim Benefizfastenbrechen in der Bilal-Moschee.