Ansehen und Millionen für wenige Spitzenunis: Nach einem monatelangen Prüf- und Auswahlverfahren stehen die deutschen Exzellenzuniversitäten fest.

Im Rahmen der Exzellenzstrategie sind zehn Universitäten und ein Verbund ausgewählt worden. Die zuständige Kommission nahm unter anderem die Universitäten Aachen, Bonn, Dresden, Hamburg, Heidelberg, Konstanz und Tübingen sowie das Karlsruher Institut für Technologie in die Förderung auf, wie Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bekannt gab. Zudem setzten sich die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Technische Universität München und der Berliner Verbund aus Freier Universität, Technischer Universität und Humboldt-Universität durch.

Für die sogenannte Exzellenzstrategie stellen Bund und Länder insgesamt jährlich etwa rund 533 Millionen Euro zur Verfügung. Davon gehen 385 Millionen Euro bereits seit Januar an sogenannte Exzellenzcluster, projektbezogene konkrete Forschungsfelder an Universitäten. Die nun ausgezeichneten Universitäten und Verbünde werden mit 148 Millionen Euro jährlich gefördert. Ziel der Förderung ist "die Stärkung der Universitäten durch die Förderung wissenschaftlicher Spitzenleistungen, Profilbildungen und Kooperationen im Wissenschaftssystem".

Die Entscheidung über die Sieger war den Angaben zufolge einstimmig. Berlins Bürgermeister und Forschungssenator Michael Müller (SPD) gratulierte dem Berliner Verbund. Für die Umsetzung der Strategie kann die Fördersumme in Berlin insgesamt bis zu 196 Millionen Euro betragen.

Auch die ausgezeichneten Universitäten reagierten erfreut. Kerstin Krieglstein, Rektorin der Uni Konstanz, sprach von einem "historischen Tag". Ihre Uni ist nach ihren Angaben eine von sechs Universitäten, die seit 2007 durchgängig Exzellenzstatus haben. Die Uni Hamburg freute sich darüber, "zum ersten Mal in ihrer Geschichte" nun auch "amtlich" Spitzenklasse zu sein.

Linke-Politikerin kritisiert "Zweiteilung der Hochschullandschaft"

Die Linke-Hochschulpolitikerin Nicole Gohlke kritisierte die Entscheidung als "weiteren Schritt zur Zweiteilung der deutschen Hochschullandschaft". Die Bundestagsabgeordnete bemängelte, dass weder die Beschäftigungsbedingungen der Lehrbeauftragten noch die Qualität der Betreuung der Studierenden in die Strategie eingegangen seien.

Der FDP-Bildungssprecher Thomas Sattelberger verwies zudem auf "das Problem des abgehängten Ostens", da die TU Dresden als einzige ostdeutsche Universität als Sieger aus dem Wettbewerb hervorging. "Wir müssen dringend in den Forschungs- und Innovationsaufbruch Ost investieren", sagte der Bundestagsabgeordnete. Die Anstrengungen der Bundesregierung in der Forschungsförderung reichen seiner Ansicht nach außerdem nicht aus: Unter den Top-50-Universitäten der Welt seien regelmäßig nur drei deutsche. "Die Bundesregierung muss endlich ranklotzen, damit es mehr international relevante Spitzenunis in Deutschland gibt." 

Der Sprecher der ostdeutschen SPD-Bundestagsabgeordneten Frank Junge kritisierte die Auswahlentscheidung der zuständigen Exzellenzkommission. Zwar sei es richtig, dass Leuchttürme in der Hochschullandschaft gefördert würden. Er bemängelt dabei aber eine "Bevorzugung ohnehin schon begünstigter Standorte". "Aus meiner Sicht wird das Bildungssystem damit deutlich ungleicher und elitärer."

Grüne: Andere Unis nicht vernachlässigen

Die Grünen fordern, dass neben den "Exzellenzunis" die anderen Hochschulen nicht vernachlässigt werden. Der Kreis der auserwählten Universitäten müsse offengehalten werden, forderte der forschungspolitische Sprecher Kai Gehring. "Eine dauerhaft zweigeteilte Hochschullandschaft mit exklusiver erster Klasse und unbequemer Holzklasse würde mehr schaden als nutzen." Es brauche an jeder Hochschule erstklassige Bedingungen und gute Chancen.

Die Exzellenzkommission, der Mitglieder eines Expertengremiums sowie die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern angehören, entschied über die Bewerbungen von insgesamt 17 Universitäten und zwei Verbünden. Die ausgewählten Universitäten erhalten die Förderung nun über mindestens sieben Jahre, erstmals ist auch eine dauerhafte Förderung möglich.

Die Förderung der Exzellenzcluster bildete die Grundlage für die Auswahl der Spitzenuniversitäten. Antragsberechtigt waren nur Universitäten, die über mindestens zwei Cluster verfügen. Bewarben sich Universitäten zusammen im Verbund, mussten es sogar drei sein. 

Gestartet wurde der Exzellenzwettbewerb vor mehr als zehn Jahren, unter anderem um den internationalen Ruf und das Image der deutschen Unis aufzupolieren. Inzwischen gab es mehrere Runden. Der Exzellenzstatus wurde den Hochschulen dabei jeweils befristet verliehen. Das ändert sich jetzt: Die gekürten Hochschulen können den Titel dauerhaft tragen, müssen aber alle sieben Jahre nachweisen, dass sie die entsprechenden Förderbedingungen noch erfüllen.