Elf Universitäten und Verbünde dürfen sich jetzt exzellent nennen und erhalten Millionenbeträge. Das liegt nicht nur an ihrer guten Forschung.

Was ist eine exzellente Universität? Dafür gibt es ein Siegel, jedenfalls in Deutschland. Es erhalten jene Universitäten, die in einem mehrjährigen Wettbewerb gegeneinander angetreten sind. Die in bücherlangen Anträgen zeigen mussten, wer sie sind und was sie können. Ein internationales Expertengremium sowie Vertreter von Bund und Ländern haben jetzt, nach Monaten der Begutachtung und Analyse, abgestimmt, wer diese elf Exzellenz-Unis sind: Das sind im Süden die LMU München und TU München sowie die Universitäten Heidelberg, Tübingen, Konstanz, Karlsruhe. Im Westen die RWTH Aachen und die Uni Bonn; im Norden nur die Uni Hamburg; im Osten die TU Dresden sowie der Verbund der drei Berliner Universitäten (HU, FU, TU plus Charité).


Der Exzellenzwettbewerb aber verrät nicht nur etwas über die Qualität dieser Universitäten. Er wirft auch die Frage auf: Wer gestaltet eigentlich die Universitätslandschaft in Deutschland? Wer ist verantwortlich für Erfolg und Misserfolg deutscher Wissenschaft?


Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und der Wissenschaftsrat, die das Auswahlverfahren leiteten, haben immer wieder betont, dass es ausschließlich um wissenschaftliche Kriterien geht. Das stimmt aber nur halb. Tatsächlich ist der Exzellenzwettbewerb ein genuin politisches Projekt. Nicht nur, weil er Anfang des Jahrtausends von Edelgard Bulmahn erdacht wurde, der Bundesforschungsministerin im Kabinett Schröder. Sondern weil das heutige Ergebnis zeigt, dass wissenschaftspolitisches Engagement den Erfolg der Universitäten sichtbar beeinflusst hat. 


Universitäten sind die Herzkammern einer Stadt.

Gewonnen haben die Standorte mit einer selbstbewussten Wissenschaftspolitik. Bundesländer, deren Wissenschaftsminister das Exzellenz-Projekt ausdauernd begleitet, die mit den Forscherinnen mitgefiebert und die Strategien ihrer Universitäten unterstützt haben, finanziell wie persönlich: Theresia Bauer (Grüne) in Baden-Württemberg – vier Exzellenz-Unis, mehr als jedes andere Bundesland. Katharina Fegebank (Grüne) in Hamburg – eine Universität, die lange als mittelmäßig galt, was der Wissenschaftssenatorin nicht ausreichte. Und dann ist da noch Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, der den Verbundantrag der Berliner Unis mit der Charité zur Chefsache erklärt hat. Kein anderes Bundesland hat zuletzt so viel Geld in Wissenschaft und Forschung investiert wie Berlin, hat so dafür gekämpft, die Universitäten als das sichtbar zu machen, was sie sind, dort wie überall: Herzkammern einer Stadt. Nordrhein-Westfalen, das Bundesland mit den meisten Hochschulen und – eigentlich – so viel intellektueller Kraft, fällt dagegen ab. Fünf Bewerbungen gab es, nur zwei Unis waren erfolgreich.


Die Themen Bildung und Wissenschaft sind wunderbar sonntagsredentauglich. Im harten politischen Geschäft aber gelten diese Ressorts oft wenig. Zu viele Wissenschaftsministerien geben sich damit zufrieden, statt das große Rad zu drehen. Die ambitionierten Regionen haben die Exzellenzidee genutzt, all die Spannung und das Konfetti dieses Wettbewerbs – um eines zu beweisen: dass Wissenschaftspolitik harte Zukunftspolitik ist.