Jolie, 7, will eine Welt ohne Autos. Karl-Friedrich, 16, sagt: Sozialismus ist Mord. Alle reden über die Jugend, hier redet sie selbst – ungefiltert, per Sprachnachricht.

Dieser Artikel ist Teil des ZEIT-ONLINE-Schwerpunktes "Jung und Alt" aus unserem neuen Ressort X. Eine Auswahl weiterer Schwerpunkte finden Sie hier.

Was ist deine Nachricht an die Welt?

Das fragten wir vor einigen Wochen auf ZEIT ONLINE. Wir wollten wissen, was junge Menschen bewegt. Aber wir wollten nicht über sie schreiben. Wir wollten ihr nichts zuschreiben und sie nicht pauschal zusammenfassen. 

Wir wollten hören, was sie selbst zu sagen haben. Darum schalteten wir eine Handynummer frei und baten um Sprachnachrichten. Die einzigen Vorgaben: Nenn uns deinen Vornamen, dein Alter und deine Botschaft an die Welt. 123 haben geantwortet.

Wir haben uns entschieden, alle Einsendungen zu veröffentlichen, ungekürzt und ungefiltert. Nur Nachnamen und Wohnorte haben wir rausgeschnitten, um die Privatsphäre zu schützen. Es ist ein Selbstporträt zum Hören: rauschend und unvollständig, genuschelt, lustig, ernst, verwirrt und schlau.

Wer ihr seid

© Sharon McCutcheon, Spring Fed Images/​unsplash.com

Einige wollten vor allem eins: das öffentliche Bild geraderücken. Jana, 21 Jahre alt, findet: Es gibt nicht "die Jugend". Alle seien anders aufgewachsen und wollten nicht alle das Gleiche. Sonia, 20, sagt: Sie lebt gern in Sachsen. Und sie sei genervt vom einseitigen Image ihres Bundeslandes. Auch Ibrahim, 21, kennt pauschale Vorurteile: Er kam 2015 aus Syrien nach Deutschland und wünscht sich mehr Kontakt zwischen Flüchtlingen und Deutschen.


Was euch bewegt

© Honey Yanibel Minaya Cruz, Nick Fewings/​unsplash.com

Das Thema Umwelt bewegt schon die Kleinsten. Die jüngste Teilnehmerin heißt Jolie. Sie ist sieben Jahre alt, und sie sei "sehr traurig", dass die Welt voller Autos und Stau und Mülltonnen auf der Straße ist. Jonas, 23, will keine politischen Parolen von sich geben. Seine Botschaft: "Es gibt einen Gott, der euch liebt." Philipp, 25, erzählt von seinen Depressionen. Anna, 23, leidet unter dem chronischen Erschöpfungssyndrom, und Milena, 18, erzählt, wie sie wegen Mobbing die Schule wechseln musste.

Was euch ärgert

© Oleg Laptev/​unsplash.com

Ist die Jugend links? Manche ärgern sich über diese Wahrnehmung: Nicholas, 16, hat das Gefühl, man werde ausgegrenzt, wenn man nicht die Grünen wähle. Karl-Friedrich, ebenfalls 16, sagt: "Sozialismus ist Mord." Maximilian sieht Seenotrettung als Schlepperei, für ihn gehört die Sea-Watch 3-Kapitänin Carola Rackete "in Gefangenschaft". Dagegen findet Leonie, 18, die Lage auf dem Mittelmeer "unglaublich beschissen". Sie sagt, sie fühle sich machtlos, das Elend zu beenden. Jorinde, 24, macht es "unfassbar wütend", dass wir heute noch Schwangerschaftsabbrüche diskutieren. Und Sina, 23, hat nach einem Burn-out ihre Ausbildung in der Pflege abgebrochen. Sie fühlt sich von der Politik nicht ernst genommen.

Was ihr euch wünscht

© Henry Be/​unsplash.com

Manche wünschen sich einen digitalen Impfpass oder das bedingungslose Grundeinkommen. Andere fordern, mehr über Privilegien nachzudenken. Uns haben viele konkrete Ideen für eine bessere Zukunft erreicht. Robin, 18, verbringt zum Beispiel viel Zeit im Hambacher Forst und möchte mehr zivilen Ungehorsam, weil sich durch die Politik allein nichts zu ändern scheint. Hannah, 20, boykottiert Avocados. Während ihres Freiwilligendienstes in Chile habe das Dorf eines ihrer Freunde kein Wasser mehr gehabt. Wegen der Avocado-Produktion.

Und sonst so?

© Nadja Rehumäki-Naber/​EyeEm/​GettyImages, Fred Kearney/​unsplash.com

Nicht alle Antworten passten in eine Kategorie: Es kamen auch Gedichte, ein Plädoyer für die Landwirtschaft, Motivationssprüche. Und eine Anregung zum Zweifeln und Zögern: André, 21, sagt in seiner Botschaft: "Wir sollten uns öfter einfach mal hinsetzen und über alles nachdenken."

Dieser Artikel ist Teil des ZEIT-ONLINE-Schwerpunktes "Jung und Alt" aus unserem neuen Ressort X. Eine Auswahl weiterer Schwerpunkte finden Sie hier.

Text und Audio: Hannes Schrader, Vanessa Vu
Redigatur: David Hugendick
Bildredaktion: Andreas Prost
Visuelles Konzept & technische Umsetzung: Paul Blickle, Flavio Gortana, Christoph Rauscher, Julian Stahnke, Julius Tröger