Vor El Paso war Parkland. Nach dem Massaker protestierten 2018 viele junge Menschen für strenge Waffengesetze. Drei von ihnen berichten, was sich seitdem verändert hat.

Zwei Massaker an einem Tag. Mehr als 30 Menschen starben vergangene Woche in El Paso und Dayton. Viele sind noch nicht einmal mehr überrascht: Schon wieder schießt jemand um sich. 2018 gingen nach dem Amoklauf an einer Highschool in Parkland Hunderttausende Jugendliche für strengere Waffengesetze auf die Straße. Generation Parkland wurden sie häufig genannt. Was ist aus der Bewegung geworden? Und wie blicken sie auf die neuen Anschläge?

"In New York City leben wir schon längst mit Ernstfallübungen und Polizeikontrollen an Schulen"

Mimz Turnier ist 20 Jahre alt und lebt in New York. Der Student und Musiker hofft, dass die Präsidentschaftswahl 2020 eine Abstimmung gegen Waffengewalt wird. Dann darf die Generation Z zum ersten Mal wählen.

Die beiden Anschläge am gleichen Tag, El Paso und Dayton, haben mich wirklich mitgenommen. Die Tat in El Paso hatte einen so offensichtlich rassistischen, immigrationsfeindlichen Hintergrund. Das Amerika von Donald Trump weigert sich, über die Bedeutung dieses Terrorismus zu sprechen, der überwiegend von weißen Amerikanern begangen wird. Es ist ein hausgemachter, inländischer Terrorismus. Ich glaube, seine Ursache liegt nicht nur darin, dass irgendwelche Spinner eine Waffe in die Hand nehmen. Es sind vor allem die Dinge, die in bestimmten, rechtslastigen Medien verbreitet werden, und die von Politikern wiederholt werden. Die Trump-Regierung und die Republikanische Partei würden den Begriff White Supremacy niemals benutzen, doch ich denke, der Glaube an die Vorherrschaft der Weißen ist die Wurzel dieser Taten.

Ich war in meinem letzten High-School-Jahr, als das Parkland-Shooting passierte. Als eine der ersten High Schools in New York begannen wir die sogenannten Walk-Outs zu organisieren: Alle Schüler sind geschlossen aus den Klassenräumen aus die Straße gezogen, um zu demonstrieren. Als dann die große "March For Our Lives"-Demonstration stattfand, hatten wir bereits mehrere kleinere Märsche hinter uns und Shirts mit durchgestrichenen Schnellfeuergewehren für die gesamte Schule gemacht.

Als New Yorker sind wir privilegiert. Hier fanden bisher kaum Schulmassaker statt, denn die Schulen werden sehr stark bewacht. Das Sicherheitspersonal ist aber oft unfair zu nichtweißen Menschen. In New York City und in anderen Großstädten leben wir schon längst mit Ernstfallübungen, Metalldetektoren an Eingängen, Sicherheitsdiensten und Polizeikontrollen an Schulen. Es ist nervig und beruhigend zugleich.

Ich hoffe für die Zukunft, dass die Menschen wählen gehen. Und ich meine nicht unbedingt die Präsidentschaftswahl, sondern all die kleinen Wahlen in den Gemeinden. Die nächste Präsidentschaftswahl wird die erste sein, bei der ich wählen kann, und mit mir die Generation Z. Das sind auch die Parkland-Schüler und all die vielen anderen jungen Menschen, die im ganzen Land auf den Märschen gegen Waffengewalt demonstriert haben. Ich glaube, deshalb wird diese 2020er Wahl legendär.