Die 16-Jährige wird als eine von vier Preisträgern ausgezeichnet. Der Right Livelihood Stiftung gilt sie als eine der weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten.

Auf der Straße für das Klima

Vor einem Jahr kannte fast niemand ihren Namen. Heute ist Greta Thunberg das Gesicht einer weltweiten Klimabewegung. Sie hat mit Politikern über die Erderwärmung diskutiert, auf Konferenzen gesprochen und ist dafür zuletzt bis nach New York gesegelt. Sie wird kritisiert und gefeiert. Nun erhält die 16-jährige Schwedin einen von vier Alternativen Nobelpreisen. Dies hat die schwedische Right Livelihood Award Stiftung bekannt gegeben.

"Mit Greta Thunberg ehren wir eine der einflussreichsten Vertreterinnen der Zivilgesellschaft weltweit und weisen gleichzeitig auf die Kraft eines jeden Menschen hin, politisch etwas zu verändern", begründete Ole von Uexküll, Direktor der Stiftung, die Entscheidung. Sie verschaffe der politischen Forderung nach dringenden Klimaschutzmaßnahmen Gehör und sage den Mächtigen der Welt kompromisslos die Wahrheit.

Erst vor ein paar Tagen hatte Thunberg auf dem Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York Politikern aus aller Welt Untätigkeit vorgeworfen. "Wir befinden uns am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, woran ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum", sagte sie. "Wie könnt ihr es wagen!"

"Eine riesige Anerkennung für Fridays for Future und die Klimastreikbewegung."
Greta Thunberg

In einer ersten Reaktion spielte Thunberg die eigene Bedeutung herunter. "Ich bin Teil einer weltweiten Bewegung von Schulkindern, Jugendlichen und Erwachsenen jeden Alters, die sich entschieden haben, unseren lebenden Planeten zu verteidigen", heißt es in einer Erklärung. "Mit ihnen allen teile ich diese Ehrung. Der Right Livelihood Award ist eine riesige Anerkennung für Fridays for Future und die Klimastreikbewegung."

Die drei weiteren Preisträgerinnen

Insgesamt wählte die internationale Jury aus 142 Nominierungen vier Preisträgerinnen und Preisträger aus. Nach Angaben der Stiftung ermögliche ihr Engagement Million Menschen, ihre grundlegenden Rechte zu verteidigen und für eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten zu kämpfen.

Eine der Auszeichnungen geht demnach an Davi Kopenawa, dem Sprecher der Yanomami, einem indigenen Volk in Brasilien, und Mitbegründer der Hutukara Associação Yanomami. Er setzt sich seit Jahren für den Umweltschutz ein. Die Stiftung ehrte seine Organisation "für ihre mutige Entschlossenheit, die Wälder und die Artenvielfalt des Amazonas sowie das Land und die Kultur seiner Ureinwohner zu schützen", wie es in der Erklärung heißt.

Ein weiterer Preis geht an Aminatou Haidar. Seit mehr als dreißig Jahren setzt sich die Menschenrechtsaktivistin für die Unabhängigkeit ihres Heimatlandes ein. Immer wieder haben die Vereinten Nationen den Sahrauis, dem indigenen Volk der Westsahara, die Selbstbestimmung versprochen, doch bis heute ist nichts passiert. Im Gegenteil: Die internationale Gemeinschaft duldet die Besetzung durch Marokko. Seit ihrer Jugend ist Haidar Aktivistin, wurde dafür inhaftiert und gefoltert und blieb dennoch beharrlich. Das wird nun ausgezeichnet: "Mit dem Preis an Aminatou Haidar wollen wir zeigen, dass gewaltloser Widerstand funktioniert, und allen Mut machen, die für eine gerechte Lösung des Konflikts eintreten", schreibt die Right Livelihood Award Stiftung dazu.

Die Stiftung zeichnet außerdem die chinesische Frauenrechtsanwältin Guo Jianmei aus. Sie setzt sich in China – einem Land, in dem jede vierte verheiratete Frau häusliche Gewalt erfährt und am Arbeitsplatz aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert wird – für die Rechte der Frauen ein und verschaffte Tausenden von benachteiligten Frauen Zugang zur Justiz.

"Wer den Nobelpreis erhält, wird gehört."
Jakob von Uexküll

Der Alternative Nobelpreis ist mit einem Preisgeld in Höhe von jeweils einer Million schwedischen Kronen (93.500 Euro) verbunden und wird in diesem Jahr zum 40. Mal in Stockholm verliehen. Bekannte Preisträger sind zum Beispiel der Whistleblower Edward Snowden, die Schriftstellerin Astrid Lindgren oder die türkische Zeitung Cumhuriyet.

Der schwedisch-deutsche Philanthrop Jakob von Uexküll hatte den Preis 1979 ins Leben gerufen. "Wer den Nobelpreis erhält, wird gehört", begründete er seinen Vorstoß und schlug der Nobelstiftung vor, in Zukunft nicht nur Schriftsteller oder Physiker auszuzeichnen, sondern zwei neue Nobelpreise einzuführen. Einen Umweltpreis und einen Preis zur Förderung der Perspektiven von Menschen in armen Ländern. Die Nobelstiftung lehnte ab – und so erfand Uexküll seinen eigenen Preis.