Das Bafög wurde zwar gerade erst erhöht. Aber das bringt nichts, wenn die Mieten in Großstädten weiter steigen, wie aktuelle Zahlen zeigen. Die Lösung ist eine andere.

Bafög

Trotz Mietpreisbremse, trotz Mietendeckel und Enteignungsdiskussionen – die Mieten steigen unaufhaltsam weiter an. Studieren in Großstädten wird damit zum Luxus, studieren an ausgezeichneten Universitäten kann sich nur noch leisten, wer reiche Eltern hat oder öfter als einmal die Woche kellnern geht. Da hilft es auch nicht, dass seit August Studierende mehr Bafög erhalten. Der Höchstsatz liegt nun bei 853 Euro – unter anderem wegen steigender Mieten. Doch der am Mittwoch vorgestellte Studentenwohnreport der Finanz- und Immobilienberatung MLP zeigt: Die Erhöhung reicht bei Weitem nicht aus. 

Im Juli war der Jubel noch groß, als 13 deutsche Hochschulen zu "Exzellenzuniversitäten" ernannt wurden. Doch ausgerechnet hier, in Städten wie Berlin, Hamburg, München und Bonn, können Studierende kaum noch wohnen. Die ausgezeichneten Unis drohen zu dem zu werden, was sie eigentlich nicht sein wollen: zu einem Projekt von Eliten für Eliten. Der Rest darf weiter in überfüllten Hörsälen, schlecht ausgestatteten Seminarräumen und heruntergekommenen Gebäuden studieren.

Niemand muss in einer Großstadt studieren?

"Man muss ja nicht in die teuersten Städte gehen", sagte Bildungsministerin Anja Karliczek, als sie in einem Spiegel-Interview auf die hohen Mieten angesprochen wurde. Sie hat Recht. Niemand muss in der Großstadt studieren. Aber jeder sollte die Möglichkeit dazu haben. Wenn nur noch Studierende mit finanziell exzellent ausgestatteten Eltern an den ausgezeichneten Universitäten studieren können, sollte Karliczek lieber nicht mehr von "Bildungsgerechtigkeit" in ihren Reden sprechen.

Eine Wohnung in München kostet laut dem Report 717 Euro, in Berlin und Hamburg ist man auch mit 500 Euro dabei. Im Bafög-Satz sind ganze 325 Euro für Wohnen vorgesehen. Davon kann man weder in der Nähe der ausgezeichneten Unis noch in vielen anderen Großstädten leben.

Sollen die Studierenden doch nebenher arbeiten! Tun sie. Viele kellnern, unterrichten als Tutoren, schreiben während der Vorlesung Werbetexte. Doch ihre Löhne stagnieren, während die Mietpreise steigen, das zeigt der MLP-Studentenwohnreport.

Sollen sie sich doch helfen!

Sollen die Studierenden doch in günstige Wohnheime ziehen! Würden viele gerne. Doch die Zahl der Wohnheimplätze sinkt. Gab es 2001 noch Wohnheimplätze für 12,5 Prozent aller Studierenden, ist das heute nur noch für 8,6 Prozent der Fall.

Sollen die Studierenden doch Stipendien beantragen! Wer will eine Bildungslandschaft, die von Stiftungen abhängig ist? Das Bafög ist auch kein Geschenk, irgendwann muss ein Teil davon zurückgezahlt werden. Wer Zugang zu einer guten Ausbildung hat, wird das auch mit großer Wahrscheinlichkeit tun können.

Was es braucht: Günstigen Wohnraum, mehr Bafög, am besten sogar mit ortsabhängigen Zuschlägen. Stattdessen hat die Bundesregierung den Bildungsetat für den kommenden Haushalt gekürzt. Dazu fördert sie mit einem Wettbewerb einzelne Eliteunis. Sie sollte besser in studentischen Wohnraum investieren. Denn eine Exzellenzuniversität ohne Arbeiterkinder und Aufsteiger ist ihre Auszeichnung nicht wert.