Ausgerechnet bei den Jungen hat die Thüringer AfD gewonnen. Vier erzählen, warum sie die Partei gewählt haben: nicht trotz, sondern wegen ihrer rechten Positionen.

Landtagswahl

Was habt ihr gewählt? Grüne, sagt einer. In einer Berufsschule nahe der Erfurter Altstadt unterhalten sich zwei Tage nach der Thüringen-Wahl zehn Schüler in der 11-Uhr-Pause. Angehende Kauffrauen und -männer zwischen 20 und 30, einige mit Zigaretten in der Hand. Die Linke, sagt ein anderer, die Bürgerinitiative für ein Grundeinkommen, sagt eine Dritte. Jeremy sagt: die AfD.

Wer glaubt, junge Menschen seien per se eher politisch links und ältere Menschen eher rechts, liegt falsch. In Thüringen haben Wähler über 60 am Sonntag mit großer Mehrheit die Linke gewählt und so verhindert, dass die AfD stärkste Kraft wird. Bei den unter 30-Jährigen hingegen wurde die AfD mit 24 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Auch in Sachsen und Brandenburg war die AfD bei den jungen Wählerinnen und Wählern besonders stark.

Nicht trotz, sondern wegen

Jeremy Kühnholt ist 24 Jahre alt. Um ihn herum haben fast alle die AfD gewählt, sagt er. Seine Freundin, mit der er zusammenlebt, sein Vater, der selbstständig ist und kleine Modellautos nach Kundenwunsch baut, seine Mutter, sein Opa. "Bei uns ist das halt so", sagt er. Kühnholt ist ein zurückhaltender Typ. Er trägt schwarze, wetterfeste Kleidung und seine dunklen Haare sind kurz geschnitten. Er wirkt wie einer, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht. Er wird zum Groß- und Außenhandelskaufmann ausgebildet und kommt aus Nohra, einem Ort mit 1.600 Einwohnern 20 Kilometer östlich von Erfurt. In Nohra wurde die AfD mit 25,6 Prozent zweitstärkste Kraft, hauchdünn hinter den Linken.

Niedrige Löhne, steigende Mieten in den Städten und wenig Busse – das sind für Kühnholt die drängendsten Probleme in Thüringen. Aber nicht deshalb habe er die AfD gewählt, betont er, sondern vor allem wegen der Ausländer. Auf Nachfrage spricht er davon, dass die meisten Asylbewerber nicht arbeiten wollen würden. Gut, er habe selbst noch keine negativen Erfahrungen mit Asylbewerbern gemacht, aber man höre ja so viel, lese viel in den Medien. 

Den Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke bezeichnet er als "eindrucksvollen" Mann mit selbstsicherem Auftreten. Für ihn ist er einer, zu dem man aufschauen kann, den man sich zum Vorbild nehmen kann. Er glaube auch nicht, dass er "extremistisch" sei, sagt Kühnholt. Nicht trotz ihrer rechten Positionen hat Kühnholt die AfD gewählt, sondern wegen dieser.

Alle jungen AfD-Wähler, die an diesem Tag bereit sind, über ihre Wahlentscheidung zu sprechen, sagen das. Dieser Tag in Erfurt ist eine vom Zufall bestimmte Erkundung. Es ist ein Versuch, mit jungen Menschen über die Landtagswahl zu sprechen: vor der Berufsschule, auf der Straße, vor einem Supermarkt. Warum ist die AfD bei den Jungen so erfolgreich?