Arlene und Conor sind ein Paar. Sie lebt in Irland, er in Nordirland, jede Woche fahren sie über die Grenze. Beim Brexit geht es auch um ihre Zukunft.

Brexit

Das Brexit-Referendum war gerade etwas mehr als ein halbes Jahr her, als sich Arlene Walsh-Wallace und Conor McArdle auf einer Konferenz im irischen Limerick ineinander verliebten. Arlene studierte in Dublin, der Hauptstadt der Republik Irland, Conor in Belfast in Nordirland. Die beiden wurden ein Paar, in den folgenden Jahren fuhren sie Dutzende Male über die irische Grenze.

Die Grenze, die bei den Brexit-Verhandlungen zum entscheidenden Streitpunkt wurde. Am Donnerstag einigten sich die Europäische Union und die britische Regierung auf einen Kompromiss – 64 Seiten, mit denen endlich geregelt werden soll, wie es in Irland weitergeht, wenn Großbritannien aus der EU austritt. Ob das britische Parlament diesem Kompromiss zustimmt, ist noch unklar.

Wenn in diesen Tagen um den Brexit gerungen wird, dann geht es auch um Conors und Arlenes Zukunft.

Arlene: Als Conor und ich uns im Januar 2017 kennenlernten, dachte ich nicht darüber nach, dass er in Großbritannien lebt und das möglicherweise ein Problem sein könnte. Damals hatten die Brexit-Verhandlungen noch nicht begonnen. Das Referendum war vorbei. Aber es zeichnete sich noch nicht ab, was für ein Problem die Grenze werden würde.

Conor: Obwohl Arlene in Dublin lebt und ich in Belfast, hat sich unsere Beziehung für mich nie wirklich wie eine Fernbeziehung angefühlt. Anfang des Jahres habe ich sogar zwei Tage in der Woche in Dublin gearbeitet, ich war Praktikant bei Senator Neale Richmond, dem Sprecher der irischen Regierung für EU-Angelegenheiten und Vorsitzenden des Brexit-Ausschusses. Dienstagmorgen ging ich in meinen Kurs, stieg dann in den Bus und war wenig später in Dublin bei der Arbeit. Abends blieb ich bei Arlene.

Arlene: Der Bus braucht nur zwei Stunden, es gibt jede Stunde eine Verbindung und die einfache Fahrt kostet gerade mal zehn Euro. Conor und ich haben im Bachelor beide Jura studiert. Wenn wir keine Kurse hatten, konnten wir uns sogar während der Woche sehen. Momentan habe ich von Montag bis Freitag Unterricht, deshalb besuchen wir uns meistens an den Wochenenden.

Conor: Es ist unmöglich, sich vorzustellen, wie sich eine harte Grenze auf jeden Teil unseres Lebens auswirken würde. Würde der Bus zwischen Belfast und Dublin weiterhin fahren? Würde ich jedes Mal an der Grenze angehalten und durchsucht werden, wenn ich Arlene besuche? Und wenn ich ihr eine Packung Kaffee als Geschenk mitbringen wollte, müsste ich das dann beim Zoll anmelden? Der Brexit ist für so viele Menschen eine persönliche Angelegenheit.

Arlene: Wir haben keine Ahnung, für wie viel Verspätung eine harte Grenze sorgen würde. Für ein Wochenende zwei Stunden im Bus zu sitzen, ist vertretbar. Aber wenn daraus vier oder fünf Stunden werden … Ich würde nicht sagen, dass es dadurch für Conor und mich schwieriger werden würde, uns zu sehen. Aber es wäre eine größere Belastung.

Eine harte Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland – die EU will das unbedingt vermeiden. Denn mit der Grenze könnte die Gewalt zurückkommen.