Heiligabend muss nicht jedes Jahr gleich sein: Auch in Vegas, allein oder mit einem Fremden wird es besinnlich. Sieben Ideen, wie Weihnachten auch schön werden kann.

Generation Y

Wenn man erwachsen wird, ist Weihnachten das Fest der Entscheidungen. Dann ist man oft nicht mehr nur Kind der eigenen Eltern. Man ist auch Lebenspartner, beste Freundin oder selbst Elternteil und muss sich fragen: Wo will ich eigentlich Weihnachten feiern? Oder man ist einfach groß genug, um zu sagen: Dieses Jahr fahr ich allein in den Urlaub. Es gibt so viele Wege, an Weihnachten glücklich zu werden – sieben Berichte aus der ZEIT-ONLINE-Redaktion.

Vegas, Santa Baby! – Weihnachten unterwegs

Ob der Weihnachtsmann auch zum Roulettetisch kommt? Ich werde es in diesem Jahr herausfinden, denn ich feiere Weihnachten in Las Vegas. Nennt es eine spätpubertäre Minirebellion gegen bürgerliche Konventionen, aber des Erlösers Geburtstag mit seinen überkommenen Bräuchen hat in mir schon lange nicht mehr das Wohlgefühl ausgelöst, das die TV-Familien in der Pralinenwerbung offenkundig überkommt. Ist es nicht viel aufregender, am Heiligen Abend wegen betrunkener Zwischenrufe aus der Nachmittagsvorstellung der Blue Man Group im Luxor Hotel geworfen zu werden? Oder mit Zigarre im Mund den Weihnachtsbonus am Blackjack-Tisch zu verscherbeln?

Außerdem muss man in Vegas auf keine Weihnachtsattraktion verzichten. Auch Santa Claus ist zum Beispiel in der Stadt. Aber er verteilt eben keine Geschenke, sondern taucht durch das Aquarium des Mandalay-Bay-Hotels – umschwirrt von Riffhaien und Sägerochen. Und statt Weihnachtsbäumen gibt es festlich beleuchtete Wüstenkakteen. Nicht zuletzt finde ich Weihnachten in Vegas – als Journalist – auch ethnografisch interessant. Ich möchte herausfinden: Wer um alles in der Welt verbringt Weihnachten in Vegas? Einen kenne ich schon.

Jörg Wimalasena berichtet für ZEIT ONLINE aus New York.

Urlaub fürs Ego – Weihnachten allein

Vor ein paar Jahren wohnte ich in Berlin und musste kurz vor und nach Weihnachten arbeiten. Dazwischen in die Heimat nach Nordrhein-Westfalen fahren, in völlig überfüllten Zügen? Ohne mich. Ich kaufte Wein, Schnaps und die Zutaten für ein enorm fettiges Gericht namens Wurstspätzle. Vorbereitung erledigt. Noch kurz vor Heiligabend die Fußgängerzone nach Geschenken bejagen? Nicht nötig. Einen Baum in den dritten Stock schleppen? Doch nicht für eine Person.

Einem Weihnachtsabend, den man allein verbringt, hängt eine Batterie negativer Assoziationen an: Einsamkeit. Verzweiflung. Eigenbrötlerei. Als jemand, der zumindest Heiligabend mehrfach für sich war, weiß ich: Nichts davon stimmt. Es kann die angenehmste, die friedlichste Weihnachtserfahrung von allen sein – vorausgesetzt, man entscheidet sich aus freien Stücken dafür. Tatsächlich ist es, als hätte jemand das Fest von allen nervigen Begleiterscheinungen befreit – von der Hektik, dem Geschenkestress und auch von den Leuten, auf deren Gesellschaft man einfach keinen Wert legt, auch nicht nur einmal im Jahr.

Soloweihnachten ist ein Urlaub fürs Ego. Am Nachmittag ging ich damals zu einer Massage. Entspannt war ich bereits, weil ich wusste: Wenn etwas schiefgeht, ist das kein Problem. Zum Beispiel so: Schon deutlich angeheitert ließ ich am Abend den Bodensatz der Wurstspätzlemasse auf dem Herd anbrennen, der Rest wurde irgendwie viel zu labbrig. Egal! Es folgte ein Filmabend, statt Kevin allein zu Haus lief der Horrofilmklassiker The Shining.

Natürlich, gemeinsam mit anderen feiern zu wollen, aber nicht zu können, ist etwas völlig anderes. So herum aber ist es eine wohltuende Reduktion auf das Wesentliche, entfesselt von allen Ritualen. Gedichte, Singen oder gar ein Kirchenbesuch – auf einmal fehlt nichts davon. Und man fragt sich, ob Weihnachten in der Familie unbedingt mit all diesen Bräuchen belastet werden muss. Wir praktizieren seit Langem nichts mehr davon.

Der Heiligabend in Berlin endete in einer Kiezkneipe. Es war Betrieb wie an einem Wochenende. Bierseligkeit und gute Laune – eine Stimmung, wie sie einem Familienweihnachten nicht unähnlich ist. Alle Gäste waren allein gekommen. Unglücklich schien keiner zu sein. Und einsam erst recht nicht.

Tom Sundermann ist Redakteur im Ressort Investigativ der ZEIT und ZEIT ONLINE.