Der Wettbewerb um Stellen in der Forschung ist hart. Wer sie anbietet – und worauf es ankommt

Was muss ich tun, wenn ich in der Forschung arbeiten will?

Wissenschaftliche Karrieren enden ganz unterschiedlich, manche mit Weltruhm und dem Nobelpreis, andere in der Bedeutungslosigkeit. Doch begonnen haben sie alle gleich: mit einer Promotion. "Das ist der Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere", sagt Anjana Buckow, die bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für die Nachwuchsförderung zuständig ist.

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, zu promovieren: An der Universität, in einem Unternehmen oder in einem Forschungsinstitut. Welchen dieser Wege man wählt, hat einen Einfluss auf die spätere Laufbahn. Du solltest deshalb früh überlegen, ob dich die Grundlagenforschung reizt, die an Unis betrieben wird, oder eher die anwendungsorientierte Forschung, für die Unternehmen stehen und Einrichtungen wie die Max-Planck-Institute.

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Soll ich in einem Unternehmen promovieren?

Die meisten, nämlich drei von vier Promovenden, schreiben ihre Doktorarbeit ganz klassisch an einer Universität. Das steht im Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs, der im vergangenen Jahr vom Bildungsministerium veröffentlicht wurde. Nur sechs Prozent gehen demnach in ein Unternehmen.

Silke Schnurbusch ist die stellvertretende Leiterin des Graduiertenzentrums der Uni Nürnberg. Sie sagt: "Im Unternehmen kann man zwar mit mehr Geld rechnen, aber der Stresslevel kann hoch werden." Denn dort promoviert man parallel zur Tätigkeit als Mitarbeiter. Nach einer erfolgreichen Promotion hat man oft gute Karten, im Unternehmen zu bleiben. Die Rückkehr an die Uni ist dann hingegen oft eher schwierig.

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Gibt es genug Jobs für alle, die forschen wollen?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 2/19. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

Leider nein. Rund 30.000 Menschen bestehen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr ihre Promotion. Etwa die Hälfte möchte danach weiterforschen, heißt es im Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs. Doch an der Uni gibt es ein Missverhältnis zwischen dem Nachwuchs, der auf den Arbeitsmarkt kommt, und den verfügbaren Spitzenpositionen. In Stellenportalen werden jedes Jahr nur ein paar Hundert Professorenstellen ausgeschrieben. Kein Wunder, es gibt nur rund 47.000 Professuren.

Natürlich muss man kein Professor werden, um an der Uni forschen zu können, doch viele Stellen für Postdocs und im sogenannten akademischen Mittelbau sind befristet. Wer an den Hochschulen Karriere machen will, sollte sich darauf einstellen, sich immer wieder neu bewerben und beweisen zu müssen. Der Weg zur Professur ist weit und der Wettbewerb hart. Achtung: Wer zwölf Jahre lang befristet an der Uni gearbeitet hat, darf nicht weiter befristet werden. So steht es im Wissenschaftszeitvertragsgesetz. Eigentlich soll es junge Forscher schützen, doch für manche beendet es die Laufbahn.

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Wo gibt es Stellen für Forscher in der Wirtschaft?

Besser als an den Universitäten sind die Jobchancen in der Wirtschaft und in der Industrie: Dort gibt es immerhin 432.000 feste Stellen im Bereich Forschung und Entwicklung, die meisten davon in der Autobranche. Das hat der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft herausgefunden. Mehr als die Hälfte der Ausgaben im Bereich Forschung und Entwicklung werden demnach in den Wirtschaftszweigen Kfz-Industrie, Elektroindustrie und Maschinenbau investiert.

Trotzdem reicht ein Doktortitel allein nicht aus, um anschließend in der Forschung zu arbeiten. Im Jahr 2017 bekam nur jeder Sechste nach seiner Doktorarbeit einen Job im Bereich Forschung und Entwicklung.

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Wie qualifiziere ich mich für eine Forscherkarriere?

Anjana Buckow von der DFG empfiehlt, schon während der Promotion möglichst viel zu publizieren. Außerdem rät sie dazu, während der Promotion Praktika in Laboren zu machen, Konferenzen zu besuchen und dabei erfahrenere Wissenschaftler anzusprechen. Denn dort kann man Kontakte zu anderen Promovierenden und etablierten Wissenschaftlern knüpfen. Ein solches Netzwerk hilft dabei, nach Abschluss der Doktorarbeit von freien Stellen zu erfahren und Empfehlungen zu bekommen. Buckow rät außerdem, auch Stellen im Ausland in Betracht zu ziehen: "Wer vorweisen kann, in einem renommierten Labor im Ausland geforscht zu haben, hat es später in der Regel leichter, einen guten Job zu bekommen", sagt sie.

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In welchen Bereichen entstehen in Zukunft neue Jobs?

Die meisten Bundesmittel für Wissenschaft und Forschung gehen laut Bundesbericht Forschung und Innovation 2018 in die Bereiche Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft sowie Luft- und Raumfahrt. Mit der im Sommer beschlossenen "High Tech Strategie 2025" will das Bundesministerium für Bildung und Forschung nun insbesondere Projekte in den Bereichen Digitalisierung, nachhaltige Energie, innovative Arbeitswelt, Gesundheitswesen, Elektromobilität und IT-Sicherheit fördern. Allein in Entwicklungsprojekte zu Künstlicher Intelligenz sollen bis 2025 drei Milliarden Euro investiert werden. Hier werden voraussichtlich auch zahlreiche neue Jobs für Forscher entstehen.

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Wie finde ich eine Stelle, die zu  meinen Werten passt?

Ob Tierversuche oder Rüstungsforschung: Im Vorfeld ist nicht immer zu klären, ob ein Forschungsjob zu den eigenen Werten passt. "Was genau in den Laboren passiert, erfährt man erst, wenn man anfängt, dort zu arbeiten", sagt Nick Lin-Hi, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Netzwerks Wirtschaftsethik. "Die allgemeine Reputation des Unternehmens gibt höchstens einen ersten Hinweis."

Auch in der universitären Forschung kann man oft nicht ausschließen, dass die eigene Arbeit zu Zwecken genutzt wird, die man selbst nicht unterstützen möchte. An einigen Hochschulen gibt es aber sogenannte Zivilklauseln, die Rüstungsforschung verbieten.Wer in der Wirtschaft mit bestimmten Forschungszwecken oder -methoden nicht leben könne, müsse sich gut überlegen, ob er sich dagegen auflehne, warnt Nick Lin-Hi: "Einem Einsteiger fehlt das Standing, sich gegen eine Firma zu stellen und tatsächlich was zu erreichen." Wer mit seiner Kritik intern nichts bewirken könne, dem bleibe im schlechtesten Fall nur die Kündigung.

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