Wer sich mit künstlicher Intelligenz auskennt, ist auf dem Arbeitsmarkt gefragt. Jobs gibt es nicht nur für Informatiker.

Nimmt die künstliche Intelligenz uns Jobs weg?

Maschinen können dank künstlicher Intelligenz Bewerbungsgespräche führen, Parfums komponieren oder Hautkrebs erkennen. Das klingt beeindruckend, nur was passiert mit den Personalern, den Parfümeuren und den Hautärzten? In der Diskussion darüber, wie KI die Arbeitswelt verändern wird, ist die Angst groß, dass viele Jobs verschwinden werden. Zu Recht?

Eine neue Studie des Weltwirtschaftsforums schätzt, dass die Digitalisierung bis 2025 weltweit rund 75 Millionen Jobs vernichten könnte, vor allem Routinearbeiten wie die in der Buchhaltung, in Fabriken oder am Bankschalter. Die Studie ergab aber auch, dass gleichzeitig 133 Millionen neue Jobs entstehen. In Deutschland vor allem für Software- und Datenspezialisten, aber auch für Marketing- und Vertriebsprofis oder Finanzanalysten. Aljoscha Burchardt vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz sagt: "Die Studien zum Thema sind alle sehr spekulativ."

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Welche neuen Berufe entstehen durch künstliche Intelligenz?

Rund um die intelligenten Maschinen dürften sich ganz neue Berufsbilder etablieren, glauben Experten des Digitalverbandes Bitkom. In einer Studie beschreiben sie bereits Profile: KI-Trainer und KI-Trainerinnen zum Beispiel. Sie haben die Aufgabe, eine neue künstliche Intelligenz im Betrieb anzulernen. Denn das, was wir Menschen leicht und beiläufig können, etwa zu erkennen, was auf einem Foto abgebildet ist, muss der Software oder dem Roboter anhand großer Datensätze erst mühsam antrainiert werden. KI-Übersetzer werden zwischen Mensch und Maschine vermitteln. Wenn eine Software große Datenmengen auswerten soll, programmieren sie diese so, dass sie genau das analysiert, was die menschlichen Kollegen von ihr wissen wollen. Und den Menschen wiederum erläutern sie, wie die Ergebnisse der Maschine zu verstehen sind.

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Wie viel verdient man im Bereich der künstlichen Intelligenz?

Weil die Gruppe der KI-Experten im Moment noch verhältnismäßig klein ist, sind verlässliche Zahlen für Einstiegsgehälter in diesem Bereich rar. Auszahlen würde sich eine Spezialisierung in jedem Fall, sagt Artur Jagiello, der Sprecher der Gehaltsdatenbank Gehalt.de: "KI-Spezialisten verdienen viel, weil es zu wenige auf dem Markt gibt." Laut Gehalt.de verdienen KI-Entwickler zurzeit im Schnitt 69.285 Euro. Die Schätzung beruht allerdings auf einer sehr kleinen Stichprobe von 35 Gehältern.

Verlässlicher sind die Schätzungen für Informatiker generell. Im Schnitt verdienen Berufseinsteiger laut Gehalt.de aktuell um die 50.000 Euro, in Großunternehmen mehr als in kleineren Betrieben. Am meisten verdienen können IT-Experten, die in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen anheuern. Hier liegen die Einstiegsgehälter laut Gehalt.de im Schnitt bei 58.401 Euro.

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Braucht man für KI auch Nicht-Informatiker?

Künstliche Intelligenz umfasst, wie der Name schon sagt, zwei Aspekte: Für das Künstliche braucht es Leute, die eine Welt aus Codes erschaffen können. Für das Intelligente ist wiederum oft die Hilfe von Experten aus anderen Fachbereichen gefragt. In der Entwicklung von Spracherkennungssoftware werden etwa Linguisten gebraucht. Psychologen oder Kommunikationswissenschaftler können helfen, einen Chat-Bot so angenehm zu gestalten, dass Menschen sich gerne mit ihm unterhalten wollen. Jobs entstehen auch in Unternehmensberatungen, die potenzielle Einsatzbereiche für künstliche Intelligenz identifizieren sollen. Hier bieten sich zum Beispiel für Ökonomen gute Einstiegsmöglichkeiten.

Auch eine Studie von Bitkom kommt zu der Einschätzung, dass es für viele Berufe gar nicht unbedingt einer speziellen technischen Ausbildung im Bereich IT bedarf. Oft gehe es in den neuen Jobs schließlich darum, "maschinelle Intelligenz zum Beispiel um 'gesunden Menschenverstand' zu ergänzen".

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Soll ich lieber ins Ausland gehen, um im Bereich KI zu arbeiten?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 3/19. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

Die Bundesregierung hat beschlossen, bis 2023 fünfhundert Millionen Euro in KI zu stecken. Im Vergleich zu den USA oder China ist das nicht viel. Allein die chinesische Hafenstadt Tianjin hat im vergangenen Jahr angekündigt, KI mit umgerechnet 14 Milliarden Euro zu fördern. Auch wenn die Investitionen der Bundesregierung im Vergleich gering wirken, hat Deutschland durchaus Stärken. Das zeigt die Studie des Bundeswirtschaftsministeriums, für die KI-Experten und Industrieunternehmen befragt wurden. Demnach ist Deutschland im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt, was die Entwicklung intelligenter Sensoren betrifft. Forscher im Bereich der Spracherkennung sind hier führend, auch wenn die Anwendungen eher im Ausland entwickelt werden. Die USA liegen in anderen Bereichen vorn: beim maschinellen Lernen, also wenn eine Software automatisch in großen Datenmengen Muster erkennt.

Grundsätzlich, so die Studie, würden deutsche Industrieunternehmen gern auf heimische KI zurückgreifen: 73 Prozent der Firmen würden einer deutschen oder europäischen Firma den Vorzug vor einer amerikanischen oder asiatischen geben. Doch nur die wenigsten KI-Anbieter seien sich dieses Standortvorteils bewusst. Das heißt also: Für KI made in Germany gibt es durchaus einen Markt. Wohl auch, weil die amerikanischen Digitalgiganten wie Facebook zuletzt eher mit Datenskandalen aufgefallen sind. "In den USA mag man als KI-Experte sicher mehr verdienen können", sagt Kristin Strauch, KI-Referentin bei Bitkom. "Wem aber bestimmte ethische Standards im Umgang mit den Daten der Nutzer wichtig sind, der ist vielleicht besser in Europa aufgehoben."

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Wo kann ich mich auf KI spezialisieren?

Der klassische Weg zu einem KI-Beruf ist das Informatikstudium. "An den meisten Technischen Universitäten gibt es spätestens im Master Schwerpunkte oder Vorlesungen zur KI und zum Deep Learning", sagt Strauch. Daneben legen einige Hochschulen spezialisierte Programme auf. Die TH Deggendorf plant für Oktober 2019 den Studiengang Künstliche Intelligenz. An der Beuth-Hochschule in Berlin startete im Wintersemester der Bachelorstudiengang Humanoide Robotik. Dort lernt man nicht nur, wie man Robotern menschliches Verhalten beibringt, sondern auch, wie man ihn baut. Löten und fräsen stehen im Curriculum. Ein ganz anderer Ansatz also, als man ihn wählen würde, um Sprachassistenten zu programmieren.

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