Wie bringt man einem Auto bei, von allein abzubiegen? Wie erkennt künstliche Intelligenz Unfälle in der Wohnung? Absolventen berichten von ihrer Arbeit.

Freihändig Fahren in der Firmen-Tiefgarage

"Während meiner Masterarbeit habe ich an selbstfahrenden Robotern getüftelt, die Hindernisse zur Seite schieben können. Inzwischen ist mein Spielzeug um einiges größer und teurer geworden: Ich entwickle bei BMW Autos, die sich bald selbstständig und sicher im Stadtverkehr bewegen können.

Gemeinsam mit acht weiteren Entwicklern arbeite ich daran, dass das Auto seine Umgebung jederzeit erkennt. Wenn man einem Kleinkind zehnmal das Bild einer Banane zeigt, erkennt es eine Banane irgendwann von selbst. Ähnlich trainieren wir ein künstliches neuronales Netzwerk, nur nicht mit Bananen, sondern mit Millionen Szenarien aus dem Straßenverkehr: roten Ampeln, Fahrradfahrern oder Linksabbiegern. Um diese Daten zu sammeln, fahren regelmäßig Mitarbeiter durch die Stadt. Mit Autos, die rundum mit Kameras sowie Radar- und Ultraschallsensoren an Motorhaube, Stoßdämpfern oder Seitenwänden ausgestattet sind.

In zwei Jahren soll das erste BMW-Serienfahrzeug auf den Markt kommen, das autonom fahren kann. Der Fahrer muss aber noch hinter dem Steuer sitzen, um etwa bei einer Baustelle eingreifen zu können. Damit unsere Software die unterschiedlichsten Verkehrsszenarien erkennt, haben wir uns viele kleine Etappen gesteckt: Zwei Wochen lang arbeiten wir zum Beispiel nur daran, das Linksabbiegen zu verbessern. Wenn wir merken, dass das neuronale Netz beim Linksabbiegen noch nicht so gut funktioniert, schicken wir die Fahrer raus, damit sie noch mehr Bilder und Daten sammeln.

Das Schönste an meinem Job ist, dass ich das, was ich programmiert habe, sofort ausprobieren kann. Dafür ziehe ich die Software einfach auf eine Festplatte und fahre mit dem Fahrstuhl runter in die Garage im Erdgeschoss. Dort stehen bis zu zwanzig spezielle 7er BMWs mit Desktop-Computern im Kofferraum. Ich verbinde die Festplatte, setze mich auf den Fahrersitz und teste, wie das Auto in bestimmten Situationen reagiert. Als ich das erste Mal meine Hände vom Steuer genommen habe und das Auto von alleine abgebogen ist, war ich total überrascht, dass das so gut funktioniert hat. Ich bin optimistisch, dass wir unser Ziel erreichen. Die Technik ist wirklich weit."

Qing Rao, 30, hat Informations- und Elektrotechnik in Shanghai und München studiert. Seit 2018 arbeitet er auf dem Autonomous Driving Campus der BMW Group.

Sauberes Motoröl für Bagger und Walzen

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 3/19. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

"Bei Mathe und Physik denken viele Leute an nervige komplexe Aufgaben, aber für mich sind Gleichungen und physikalische Gesetze eine riesige Spielwiese. Es gibt ein Problem? Super, ich suche eine Lösung. Normalerweise beschäftigen sich Astrophysiker mit Galaxien, Sternen oder dunkler Materie. Ich kümmere mich in meinen Projekten um Bagger und Walzen.

Ich arbeite bei Zeppelin, dem Vertriebspartner des Baumaschinenherstellers Caterpillar. Dort forsche ich momentan an der Automatisierung von Ölanalysen. Ähnlich wie ein Arzt, der Blutproben untersucht, ist das Ziel einer Ölanalyse, Krankheiten in Maschinen festzustellen. Dafür werden Ölproben aus dem Getriebe oder den Bremsen von Baumaschinen genommen, und die Sauberkeit wird gemessen. Befindet sich zum Beispiel zu viel Eisen im Motoröl, deutet das auf einen zu hohen Abrieb im Motor hin.