Bewerbung, Finanzierung, Sprachkurs: Was du wann planen musst

Ort wählen

Je nach Reiseziel 18 bis 12 Monate vor der Abreise

Erasmus in Sofia, mit dem DAAD nach Bangkok oder alles selbst organisieren und nach Wellington: Die Möglichkeiten, im Ausland zu studieren, sind unendlich. Die meisten deutschen Studierenden, knapp 40.000 pro Jahr, entscheiden sich für Erasmus, das Programm der Europäischen Union. Jede Hochschule hat andere Erasmus-Partner-Unis. Infos über mögliche Reiseziele erhältst du im International Office. Wenn du einen anderen Kontinent erkunden möchtest, kannst du dich beim akademischen Austauschdienst über Partner-Unis weltweit informieren. Ist die Wunsch-Uni in Neuseeland nicht dabei? Dann muss der Traum nicht platzen. Du kannst den Aufenthalt auch allein planen. Bei der Bewerbung können dir dann Organisationen helfen, für Neuseeland und Australien zum Beispiel GoZealand! oder GOstralia! Der Aufenthalt kann dann allerdings teurer werden, denn der Vorteil einer Partner-Uni ist, dass die Studiengebühren zum Teil oder vollständig wegfallen. Bei einem Semester in Washington oder Vancouver kann das schnell teuer werden und rund 10.000 Euro kosten. Um dich für ein Reiseziel zu entscheiden, frage dich, warum es dich ins Ausland zieht: Willst du eine bestimmte Uni in den Lebenslauf schreiben? Dein Spanisch auffrischen? Oder nach der Vorlesung surfen gehen? Auf mystipendium.de findest du einen Überblick über die Vorzüge verschiedener Länder wie Sonnenstunden, Flirtpotenziale und Anwesenheitspflichten. Und wenn du dich gar nicht entscheiden kannst: Kneipen-Preise checken! Günstig ist das Bier in Prag (1,20 Euro), Lissabon (1,80 Euro) oder Mexiko-Stadt (2,40 Euro).

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Bewerbung

Je nach Uni 14 bis 8 Monate vor der Abreise

Eine gute Bewerbung muss vor allem eins sein: vollständig. Klingt logisch, trotzdem erhält Tina Grummel, Beraterin des International Student Office der Uni Oldenburg, immer wieder lückenhafte Bewerbungen. Lies dir die Ausschreibung also gründlich durch. Die meisten Unis verlangen neben dem Lebenslauf auch eine Notenübersicht, das sogenannte Transcript of Records, und ein Motivationsschreiben. "Die fachliche Motivation sollte darin zentral sein", sagt Grummel. Gutachter wollen sehen, dass man sich damit auseinandergesetzt hat, welchen akademischen Vorteil ein Auslandssemester bringt. Informiere dich also über das Kursangebot oder welche renommierten Professoren am Institut lehren. Persönliche Gründe für den Auslandsaufenthalt, wie der Wunsch, die Sprache und die Kultur kennenzulernen, sollten im Motivationsschreiben auch auftauchen.

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Finanzierung

Ab 10 Monate vor der Abreise

War die Erasmus-Bewerbung erfolgreich, bekommst du je nach Land zwischen 330 und 450 Euro im Monat. Diese Beträge ändern sich eventuell von Jahr zu Jahr. Doch es geht noch mehr: Wenn du knapp am Inlands-Bafög vorbeigeschlittert bist, könnte es sein, dass du trotzdem Auslands-Bafög bekommst. Die Studiengebühren werden dann mit bis zu 4600 Euro bezuschusst, und das Amt übernimmt einen Teil der Reisekosten. Außerdem kannst du dich nach einem passenden Stipendium umschauen, um die Reisekasse aufzufüllen, etwa beim DAAD. Die Programme findest du in der Stipendiendatenbank. Für ein Semester in den USA kannst du von der Fulbright Commission Voll- und Teilzeitstipendien bis zu 34.500 Euro bekommen. Um dich zu bewerben, musst du jedoch schon eine selbst organisierte Studienzulassung haben. Auch die Studienstiftung des deutschen Volkes hat Förderprogramme für ein Studium in den USA, einen Auslandsaufenthalt in China oder in Japan.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 3/19. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

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Sprachkurs

Ab 6 Monate vor der Abreise

Wenn die Vorlesungen auf Mandarin sind und du keine Lust hast, dich mit den Kommilitonen mit Händen und Füßen zu verständigen, wird es Zeit für einen Sprachkurs. In einer Fremdsprache zu studieren ist anspruchsvoll: Die Fachvokabeln kennst du vielleicht noch nicht, die Profs sprechen zu schnell. Um dich darauf vorzubereiten, lohnt sich ein fachspezifischer Sprachkurs wie Englisch für Juristen oder Fachsprachen für Medizin. Infos über Angebote und Preise findest du an den Sprachzentren der Unis. Wer verpasst hat, sich für einen Sprachkurs anzumelden und sowieso lieber zu Hause am Handy hängt, kann Apps wie "Duolingo" und "Babbel" ausprobieren. Für Small Talk, Restaurantbesuche und um Fremde nach dem Weg zu fragen, reicht das. Praktisch, weil du keine nervigen Blockseminare belegen musst und deinen Sprachkurs immer in der Hosentasche hast. Du kannst in der App auch deine Freunde zu einem Fortschritt-Battle herausfordern. Vor Ort ist ein Sprachtandem zu empfehlen. Das bewahrt dich nicht nur davor, versehentlich geröstete Vogelspinnen statt Nudelsuppe zu bestellen, sondern du lernst auch Leute vor Ort kennen, die dir die besten Plätze der Stadt zeigen. Unis vermitteln dafür Partner. Wenn du Glück hast, gibt es für die Teilnahme am Tandem sogar Leistungspunkte.

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Wohnung

5 Monate vor der Abreise

Einige Unis organisieren Zimmer oder Wohnungen für ihre Internationals. Die Universität in Rotterdam zum Beispiel hat für Austauschstudierende rund 800 möblierte Zimmer reserviert. Um eins davon zu ergattern, musst du dich im Voraus online registrieren. Falls deine Gast-Uni keine Wohnmöglichkeiten anbietet, suchst du am besten über die lokalen Online-Portale. In Spanien sind das zum Beispiel die Websites idealista oder fotocasa. In den USA unterscheidet man zwischen On-Campus, mittendrin und Off-Campus, etwas außerhalb und etwas günstiger. Vielleicht käme sogar ein "Homestay" in einer amerikanischen Gastfamilie infrage, die findest du zum Beispiel auf homestaynetwork.com. Nicht vergessen: das eigene Zimmer in Deutschland rechtzeitig zur Zwischenmiete anbieten.

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Visum beantragen

4 Monate vor der Abreise

Wenn du ein Visum brauchst, erkundige dich bei der Botschaft deines Gastlandes nach den Bearbeitungszeiten. Für manche Länder brauchst du eine Studienzulassung der Gasthochschule, um das Visum zu beantragen. In Kanada wird eine Einreise- und eine Studienerlaubnis verlangt. Beides kannst du online oder bei Visa-Stellen beantragen. In China wiederum reicht das Studentenvisum.

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Verträge kündigen

3 Monate vor der Abreise

Das Fitnessstudio und den deutschen Handyvertrag brauchst du in Peking nicht. Beides kann man normalerweise für ein paar Monate pausieren lassen. Im Ausland kannst du dir eine SIM-Karte besorgen, bei Bedarf auch ein Fitnessstudio. Wenn du wichtige Briefe erwartest, kannst du einen Nachsendeantrag stellen. Für sechs Monate kostet der 20 Euro, die ausländische Post verlangt zusätzliche Gebühren.

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Anreise buchen

2 Monate vor der Abreise

Fliegen ist zwar in den meisten Fällen die bequemste Art, an deine Wunsch-Uni zu kommen, aber in jedem Fall die klimaschädlichste. In unsere Nachbarländer kannst du auch mit der Bahn fahren. Das dauert oft nicht länger, wenn man die Wartezeit am Flughafen mitrechnet. Auf GoEuro findest du Angebote, die sich mit den Preisen von Ryanair messen können: zum Beispiel von Köln nach Prag für 30 Euro, von Koblenz nach Lyon für 50 Euro. Falls für deine Anreise nur ein Flug infrage kommt, lohnt sich ein Blick auf die Website STA Travel. Für Inhaber eines internationalen Studierendenausweises (kostet 15 Euro) gibt es dort vergünstigte Angebote. Reise ein paar Tage vor deiner ersten Vorlesung an, viele Unis organisieren eine Orientierungswoche. Da lernst du neue Kommilitonen kennen.

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Versicherungen abschließen

2 Monate vor der Abreise

Eine Auslandskrankenversicherung ist ein Muss. Frag bei deiner Krankenkasse nach, ob du ein Zusatzpaket buchen kannst. Falls sie nichts Passendes anbietet, schau dir das Angebot vom ADAC an. Für Nichtmitglieder kostet eine Auslandsversicherung für sechs Monate 189 Euro. Wenn du Angst hast, vor der Abreise noch krank zu werden, kannst du über eine Reiserücktrittversicherung nachdenken. Weitere Infos zum Thema Versicherungen findest du ab Seite 110.

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Learning Agreement

8 bis 4 Wochen vor der Abreise

Leider geht es im Auslandssemester auch um Leistungspunkte. Im "Learning Agreement" hältst du vor Abflug fest, welche Kurse du im Ausland belegen wirst. Durchstöbere dafür den Seminarplan deiner Gast-Uni, und besprich mit deinem Betreuer, welche Kurse du dir in Deutschland anrechnen lassen kannst. Für die Erasmus-Förderung müssen mindestens 15 ECTS pro Semester an der Heimat-Uni angerechnet werden. Wenn du selbstorganisiert im Ausland bist und kein "Learning Agreement" hast, solltest du trotzdem zusammen mit deiner Heimat-Uni eine Tabelle mit Kursen erarbeiten, die dir angerechnet werden können. Wie viele ECTS man für ein Stipendium braucht, hängt ganz vom Förderprogramm ab. Die Fulbright Commission verlangt zum Beispiel meistens 9 bis 12 ECTS.

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Impfungen

Spätestens 5 Wochen vor der Abreise

Es zieht dich nach Neu-Delhi? Bangkok? Kampala? Dann hol vorher noch mal den Impfpass aus der Schublade. Das Auswärtige Amt gibt online Auskunft über empfohlene Reiseimpfungen. Für Asien, Afrika oder Mittel- und Südamerika sind das häufig Hepatitis A und B, Typhus, Tollwut und Gelbfieber. Wichtig: Bei einigen Impfungen bekommt man mehrere Spritzen im Abstand von ein paar Wochen. Bei Hepatitis B und Tollwut musst du spätestens fünf Wochen vor Abreise mit der ersten anfangen. Die meisten Impfungen bekommst du beim Hausarzt. Für Gelbfieber musst du zu einem Tropeninstitut. Damit du nicht auf den Kosten sitzen bleibst, frag bei deiner Krankenkasse, ob sie die Kosten voll oder zum Teil übernimmt. Seit diesem Jahr zahlt die Barmer zum Beispiel alle Reiseimpfungen für Studierende.

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Bargeld

4 Wochen vor der Abreise

Selbst wenn du in der Euro-Zone bleibst, könnte es sein, dass du beim Geldabheben Gebühren zahlen musst. Besonders bei fremden Währungen solltest du bei deiner Bank noch mal nach deinen Konditionen fragen. Meistens ist es im Ausland günstiger, alles mit einer Kreditkarte zu machen. Mit der von der DKB kannst du im Euro-Raum kostenlos zahlen und Geld abheben. Die Sparkasse hat dafür eine silberne Mastercard, die kostet 25 Euro im Jahr. Die Barclaycard Visa wirbt mit weltweiter Gebührenfreiheit.

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Packen

Wenn möglich nicht am Abend vor der Abreise

Hast du alle Dokumente beisammen? Visum, Impfpass, Flugticket, Versicherungskarte, Wegbeschreibung zum Wohnheim? Dann noch schnell die Zahnbürste und frische Socken in den Rucksack stecken.

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Buddy finden

3 Wochen vor der Abreise

Einige International Offices bieten an, einen Buddy für dich zu finden, also einen Studierenden vor Ort, der dich beim Start an der Gast-Uni unterstützt. Dein Buddy erledigt zum Beispiel die wichtigsten bürokratischen Gänge mit dir, er begleitet dich bei der Anmeldung im Austauschbüro und hilft dir dabei, dich für Kurse einzuschreiben. In vielen Städten gibt es auch Erasmus-Netzwerke, dort organisieren ehemalige und aktuelle Erasmus-Studierende gemeinsame Treffen. Wenn du das Auslandssemester selbst organisiert hast, kannst du bei deiner Gast-Uni herausfinden, ob es Tutoren gibt, die dir helfen können, wenn du mit einer Hausarbeit mal überfordert bist.

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Abschiedsparty

Farewell! Bon voyage! Buon viaggio!

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