Sechs Techniken und was sie können.

1. Die Pro- und Contra-Liste

Bei diesem Klassiker listest du alle Argumente, die für eine Option sprechen, in einer Spalte auf. Argumente, die dagegen sprechen, kommen in die zweite. Das ist einfach und vermittelt das gute Gefühl, die Entscheidung systematisch anzugehen. Leider kann man an der Länge der Spalten kein Ergebnis ablesen, wichtige und unwichtige Argumente stehen gleichberechtigt zusammen. Trotzdem kann dich eine Pro- und Contra-Liste weiterbringen, denn so siehst du alle Argumente auf einen Blick und vergisst bei der Entscheidung nichts Wichtiges. Das ist immerhin ein Anfang.

2. Das Knock-out-Kriterium

Gibt es ein Kriterium, das alle anderen aussticht? Was ist mir wirklich wichtig? Diese Fragen stellst du dir bei der radikalen Knock-out-Strategie. Ein solches Kriterium kann zum Beispiel der Wunsch sein, beim Freund oder der Freundin in der Uni-Stadt zu bleiben. Bist du bereit, einem Ziel den Vorrang einzuräumen, fallen viele Möglichkeiten weg. Gut für Menschen, die den Mut haben, Prioritäten zu setzen.

3. Die Matrix

Zeichne eine Tabelle. Auf der linken Seite trägst du in jeder Zeile ein Kriterium ein, das du berücksichtigen möchtest, zum Beispiel "Gehalt", "Arbeitsort" und "Arbeitszeit". In die Spalten schreibst du die Jobs, die du vergleichen möchtest. Dann vergibst du Punkte. Job A bekommt zum Beispiel zwei Punkte fürs Gehalt, drei für den Arbeitsort und einen für die Arbeitszeit. Job B bekommt drei Punkte fürs Gehalt, aber nur je einen für Arbeitsort und Arbeitszeit. Wo stehen am Ende die meisten Punkte? Hilfreich, wenn einem alle Kriterien gleich wichtig sind.

4. Kopf oder Zahl

"Wenn ich nur wüsste, was ich will!" Der Münzwurf kann dir helfen, dir über deine Gefühle klar zu werden. Schon während die Münze durch die Luft fliegt, spürst du plötzlich, welche Seite oben landen soll. Oder du bist enttäuscht, wenn am Ende die "falsche" Seite nach oben zeigt. Das funktioniert nicht nur mit echtem Kleingeld, sondern auch im Internet mit einer virtuellen Münze unter: muenzewerfen.com.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 1/19. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

5. Die Zeitreise

Wenn du aus dem Grübeln nicht mehr herauskommst, kann dir ein Gedankenexperiment helfen. Stell dir vor, du bist gar nicht derjenige, der vor einer Entscheidung steht, sondern du sollst einen Freund in dieser Situation beraten. Was würdest du ihm sagen? Was sollte er bedenken? Dadurch schaffst du Abstand und kannst gelassener nachdenken. Eine Variante dieses Gedankenspiels ist die Zeitreise: Stell dir vor, es sind bereits einige Jahre vergangen. Wie würdest du deine Entscheidung in fünf, zehn oder fünfzig Jahren bewerten? Das ist natürlich spekulativ, aber diese Perspektive hilft dir, besser zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden. Wärst du froh, dieses Projekt gemacht zu haben? Hättest du es bereut, wenn du nicht in deine Heimatstadt zurückgezogen wärst? Auf welche Karriere möchtest du gern zurückblicken?

6. Die Maschine

Ein Professor der RWTH Aachen hat mit seinem Team ein Entscheidungs-Navi entwickelt. Das ist eine Website, die du kostenlos nutzen kannst. Zunächst wirst du aufgefordert zu überlegen, was du mit der Entscheidung erreichen willst und welche Ziele dahinterstecken, zum Beispiel "Ich will eigenverantwortlich arbeiten". Dann zählst du die Möglichkeiten auf, zwischen denen du entscheiden willst, etwa eine Traineestelle, der Einstieg im Start-up oder eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Anschließend identifizierst du Unsicherheitsfaktoren: das Start-up kann pleite gehen, das Betriebsklima beim Trainee-Job mies sein. Am Ende rankt das Navi die Optionen. Das Ganze ist harte Gedankenarbeit. Einige Stunden solltest du einplanen (entscheidungsnavi.de).