Klar sind korrekte Unterlagen wichtig. Personalverantwortliche hassen Rechtschreibfehler ebenso wie übergroße E-Mail-Anhänge und unvollständige Unterlagen. Noch wichtiger ist aber etwas anderes: sich vor der Bewerbung klarzumachen, was man kann und was man will. Wenn du das herausgefunden hast, weißt du, ob eine Stelle zu dir passt. Und kannst als Bewerber auch das Unternehmen davon überzeugen.

1. Wo finde ich Stellenangebote?

Vor allem auf den Unternehmenswebsites und in Online-Jobbörsen. Einer Studie zufolge schreiben große Unternehmen knapp drei Viertel ihrer Stellen in Jobbörsen aus. Einen ersten Überblick über die zahlreichen Angebote und ihre Schwerpunkte verschafft der Crosswater Jobguide. Es gibt auch Suchmaschinen, die Firmenwebsites und Jobbörsen nach Anzeigen durchkämmen, zum Beispiel kimeta. Weitere Quellen sind Businessnetzwerke wie Xing oder LinkedIn. Auf Facebook und Twitter veröffentlichen einige Unternehmen ebenfalls Anzeigen, die meisten nutzen diese Kanäle aber lieber für die Imagewerbung. Lohnend ist zudem der Blick in die Zeitung, vor allem, wenn man sich auch für kleinere Betriebe interessiert.

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2. Worauf muss ich beim Bewerbungsfoto achten?

Genau genommen musst du gar keines mitschicken. Das folgt aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz, das Bewerber vor Diskriminierung, etwa wegen des Alters oder der Herkunft, schützen soll. Benachteiligt werden darfst du wegen eines fehlenden Fotos nicht. So weit die Theorie. In der Praxis hängen hierzulande fast alle Bewerber ein Foto an. Im Internet gibt es zahlreiche Hinweise zu Kleidung, Haar und Haltung (zum Beispiel hier). Die einfachste Regel lautet: Kleide dich fürs Foto so, wie du zur Arbeit kommen würdest.

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3. Wie punkte ich im Anschreiben?

Indem du dir in Ruhe überlegst, warum du bei dem Unternehmen arbeiten möchtest. Dazu gehört auch, die Stellenanzeige genau zu lesen und dich über das Unternehmen zu informieren. Findest du keine gute Antwort, ist es vielleicht nicht die richtige Stelle für dich. Hast du eine, ist auch das Anschreiben schon halb geschafft. Denn Personaler wollen genau das wissen: Warum willst du ausgerechnet zu ihnen? Und warum glaubst du, dass du mit deinen Fähigkeiten dort hinpasst? Worauf du noch beim Anschreiben achten solltest, kannst du hier nachlesen.

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4. Geht bewerben nicht irgendwie bequemer?

Bewerben mit nur einem Klick, Algorithmen, die Kandidaten für einen Job identifizieren, Erstgespräche mit Chatbots – all das diskutieren Personaler intensiv, zum Teil wird es auch schon erprobt. "In fünf Jahren gibt es keine Bewerbungsschreiben mehr", prophezeit Daniel Schäfer, Geschäftsführer des Start-ups Instaffo, das sich auf neue Formen der Stellenvermittlung spezialisiert hat. Egal, ob man diese Prognose teilt oder nicht: Für die meisten, die jetzt ins Berufsleben starten, bleibt es anstrengend. Denn noch dominieren die E-Mail-Bewerbung mit Anschreiben und Anhang sowie die Formularbewerbung auf der Firmenwebsite. Beides kostet leicht ein paar Stunden, wenn man es sorgfältig macht.

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5. Welche Rolle spielen Beziehungen?

Eine große. Einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge kommen rund dreißig Prozent der Stellenbesetzungen über persönliche Kontakte zustande. Bei kleinen Betrieben waren es sogar knapp die Hälfte. Viele Unternehmen rufen ihre Mitarbeiter auf, Kandidaten zu empfehlen, und zahlen eine Prämie, wenn die Vermittlung erfolgreich war. Kontakte kannst du auch selbst aufbauen, zum Beispiel als Praktikant, Werkstudent oder indem du deine Abschlussarbeit im Betrieb schreibst.

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6. Wie wichtig sind gute Noten?

Nur eine Minderheit der Unternehmen erwartet von Berufseinsteigern exzellente Abschlüsse. Das hat die Jobbörse Stepstone bei einer Befragung von rund 4000 Personalverantwortlichen herausgefunden. Lediglich acht Prozent gaben an, dass sie von Bewerbern Noten zwischen 1 und 1,5 verlangen. Wichtiger war ihnen Praxiserfahrung. Die Hälfte möchte, dass Bewerber Praktika gemacht oder als Werkstudent gearbeitet haben. Viele wollten sogar, dass die Kandidaten mehr als ein halbes Jahr Praxiserfahrung mitbringen.

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7. Wie originell muss die Bewerbung sein?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 1/19. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

ZEIT Campus: Frau Schweizer, sogenannte Guerilla-Bewerbungen sollen Aufmerksamkeit erregen. Die Bewerber verschicken ihre Unterlagen etwa in einem Paket voller Heu. Sie sind Recruitingchefin in der Kreativbranche. Gewinnt man Sie so für sich?

Julia Schweizer: Zumindest weckt man mein Interesse. Ein Kandidat hat mal meine Durchwahl herausgefunden, angerufen und gesagt: "Geben Sie mir eine Minute Ihrer Zeit, und ich sage Ihnen, warum Sie mich einstellen sollten." So etwas macht mich neugierig.

ZEIT Campus: Arbeitet er jetzt für Sie?

Schweizer: Nein. Am Ende haben beide Seiten gemerkt, dass es nicht so recht passte. Aber nach dem Anruf haben wir ihn zu uns eingeladen, er hat also durch seine Aktion einen Fuß in die Tür bekommen.

ZEIT Campus: Durch Guerilla-Taktiken bekommt man also zumindest eine Einladung?

Schweizer: Ja, aber nur, wenn die Idee zur Stelle und zur Person passt.

ZEIT Campus: Wie meinen Sie das?

Schweizer: Der Anrufer spielte darauf an, dass man in unserer Branche eine Idee in einer Minute auf den Punkt bringen muss. Wir nennen das einen "Elevator Pitch". Es gab also einen Bezug zu uns. Und seine Vorstellung war locker, überzeugend und authentisch.

ZEIT Campus: Haben ganz normale Bewerbungen dann überhaupt eine Chance?

Schweizer: Natürlich. Das Wichtigste ist, dass die Kandidaten ihre Stärken und ihre Motivation klar herausstellen. Wie sie das machen, darin sind sie ganz frei. Sich von anderen abheben kann man übrigens nicht nur durch Originalität.

ZEIT Campus: Wie denn noch?

Schweizer: Etwa, indem man recherchiert und den richtigen Ansprechpartner für die Bewerbung herausfindet. Das ist nur eine Kleinigkeit, aber auch so etwas bleibt uns positiv im Gedächtnis und zeigt, dass man sich mit uns auseinandergesetzt hat.

Julia Schweizer, 40, ist Recruitingchefin bei der Agenturgruppe Serviceplan, bei der mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigt sind.

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8. Wie läuft eigentlich ein Online-Assessment ab?

ZEIT Campus: Frau Brunelle, der Weg zu Procter & Gamble führt bei Bewerbern mit Hochschulabschluss über ein Online-Assessment. Was passiert da?

Angélique Brunelle: Das AC kann man vom eigenen Rechner aus machen, die Zugangsdaten bekommt man von uns. Zuerst gibt es einen Multiple-Choice-Teil, der die kognitiven Fähigkeiten testet. Man muss etwa eine Folge von Figuren passend fortführen. Im zweiten Teil stellen wir dem Bewerber Fragen zu Arbeitssituationen, zum Beispiel, welche Mitglieder er für ein Team auswählen würde.

ZEIT Campus: Gibt es eine Vorauswahl anhand der Bewerbungsunterlagen?

Brunelle: Nein, das machen wir ganz bewusst nicht. Wir prüfen nur die Formalien, zum Beispiel ob eine Arbeitserlaubnis vorliegt.

ZEIT Campus: Warum?

Brunelle: Damit wollen wir Diskriminierung vorbeugen. Alle haben die gleichen Chancen, zu bestehen und den nächsten Schritt im Bewerbungsprozess zu erreichen.

ZEIT Campus: Was mache ich, wenn der Computer abstürzt?

Brunelle: Das ist kein Problem. Die Antworten werden gespeichert, man kann sie jederzeit wieder aufrufen und weitermachen.

ZEIT Campus: Und wenn ich einen Kommilitonen den Test machen lasse?

Brunelle: Im weiteren Bewerbungsverlauf würde uns das auffallen. Von vornherein alle Bewerber zu kontrollieren passt nicht zu unseren Werten. Vertrauen ist uns wichtig.

ZEIT Campus: Wie geht es nach dem Online-AC weiter?

Brunelle: Bei allen Kandidaten, die eine bestimmte Punktzahl erreicht haben, schauen wir uns die Unterlagen an. Wenn das Profil unseren Anforderungen entspricht, folgen ein weiterer Test vor Ort und drei einstündige Interviews mit den Fachabteilungen. Diese entscheiden dann auch, ob der Bewerber von uns ein Angebot erhält.

Angélique Brunelle, 30, arbeitet beim Konsumgüterkonzern Procter & Gamble als Talent Manager für den deutschsprachigen Raum.

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9. Und wie ein klassisches Assessment-Center?

Manche Unternehmen laden Bewerber zu einem Assessment-Center (AC) ein. Dabei bewerten mehrere Beobachter die Kandidaten. In aller Regel gibt es ein Vorstellungsgespräch inklusive Selbstpräsentation. Verschiedene andere Elemente wie Tests, Gruppendiskussionen, Fallstudien oder Rollenspiele können ebenfalls vorkommen, ebenso wie Kurzvorträge zu einem Thema, das erst vor Ort gestellt wird. ACs für Berufsanfänger dauern in der Regel einen Tag. Allein schon um dich mit der Art der Fragestellung in ACs vertraut zu machen, solltest du vorher typische Aufgaben üben. Beispiele findest du im Internet, etwa hier. Einige Universitäten bieten auch günstige AC-Trainings an.

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10. Googeln die mich?

Die meisten Personaler haben Besseres zu tun, als jeden Bewerbernamen sofort in die Suchmaske einzugeben. Wenn man aber erst einmal in die engere Auswahl gekommen ist, holen viele das Googeln nach. Dass man keine Sauf-Fotos ins Netz stellen sollte, ist klar. Aber genauso wichtig ist es, dass die Personaler nicht auf Widersprüche stoßen. Zum Beispiel sollte der Lebenslauf bei Xing zu dem passen, den man mit der Bewerbung verschickt hat. Online-Profile am besten regelmäßig prüfen!

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11. Ich soll probearbeiten. Ist das Ausbeutung?

Einige Unternehmen laden Bewerber zum Probearbeiten ein. Der Vorteil: Man lernt den Job und die künftigen Kollegen kennen und kann so besser entscheiden, ob die Stelle zu einem passt. Es kann aber auch passieren, dass Firmen Bewerber unter dem Vorwand der Probearbeit ausnutzen. Das ist nicht erlaubt. "Es muss sich um ein sogenanntes Einfühlungsverhältnis ohne Arbeitspflicht handeln", sagt Jens Schubert, Rechtsexperte bei der Gewerkschaft ver.di. "Der Bewerber darf nicht weisungsgebunden sein, und er darf auch keine Aufträge erledigen." Ein Beispiel: Jemand soll vor Ort zeigen, dass er mit einem bestimmten Computerprogramm umgehen kann. Das könnte gerade noch durchgehen. Aufträge des Chefs mit dem Programm abzuarbeiten sei dagegen ein Arbeitsverhältnis, für das man eine Vergütung einklagen könne, so Schubert.

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12. Darf ich nachhaken, wenn ich lange nichts höre?

Habe ich es in die nächste Runde geschafft? Spätestens nach zehn Tagen werden die meisten Bewerber ungeduldig, wenn sie außer der elektronischen Eingangsbestätigung keine Nachricht vom Unternehmen bekommen. Per Telefon oder Mail nachzuhaken ist dann völlig in Ordnung. Als unhöflich gilt es dagegen, schon wenige Tage nach dem Absenden der Unterlagen nachzufragen. Viele Personalverantwortliche empfinden das als Drängelei.

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