Ein Bier neben dem Laptop, ein paar Zeilen Code, der Mitbewohner kritzelt den Algorithmus ans Fenster, die Website geht durch die Decke, und es dauert nicht lange, da sitzt der junge Programmierer in Kalifornien, trinkt mit ein paar Freunden weiter Bier und schreibt immer noch Code, bis ein smarter Mentor einen Investor anschleppt und sagt: "Eine Million Dollar ist nicht cool. Weißt du, was cool ist? Eine Milliarde!"

So einfach sieht es in dem Film The Social Network aus, ein erfolgreiches Start-up zu gründen. Der Film erzählt zugespitzt die Geschichte von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Er transportiert eine weit verbreitete Vorstellung, nämlich die, dass eine geniale Idee entscheidend fürs erfolgreiche Gründen ist. Diese Vorstellung wird auch im Slogan zur fünften Staffel der TV-Gründershow Die Höhle der Löwen bei Vox bedient: #nursoneidee steht auf den Plakaten.

Leider stimmt diese schöne Vorstellung nicht mit der Wirklichkeit überein. Abseits von Hollywoodfilmen und Fernsehshows braucht man mehr als eine gute Idee für einen gelungenen Start des eigenen Unternehmens. Vieles muss zusammenspielen, und ein Patentrezept gibt es nicht. Aber auf jeden Fall drei wichtige Zutaten: ein gutes Team, die passende Finanzierung und das richtige Timing.

1. Das Team

Tanja Emmerling ist Investmentmanagerin beim High-Tech-Gründerfonds (HTGF). Wenn sie prüft, ob der Fonds in ein junges Unternehmen investieren soll, achtet sie darauf, wie innovativ die Technik ist, ob das Produkt ein Problem löst und wie solide der Businessplan wirkt, sagt sie. "Aber ebenso wichtig ist, wer die Teammitglieder sind und wie gut sie zusammenarbeiten."

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber Magazin 1/19. Das aktuelle Heft können Sie am Kiosk oder hier erwerben.

Laut deutschem Start-up-Monitor werden gut zwei Drittel aller Start-ups im Team gegründet. Meist besteht es aus zwei oder drei Personen. Die sollten möglichst nicht alle BWL, alle Informatik oder alle Design studiert haben, sondern unterschiedliches Fachwissen und verschiedene Sichtweisen mitbringen. Allerdings sollten sich die Gründer schon etwas zu sagen haben, findet Axel von Leitner. Von Leitner ist Mitgründer und CEO des Kölner Software-Unternehmens 42he, das kleine Unternehmen und Freelancer mit Geschäftssoftware beliefert. "Ich bin bei uns der BWLer, aber wenn ich nicht als Jugendlicher ein bisschen programmiert hätte, hätte es keine Anknüpfungspunkte mit meinem Partner Moritz gegeben", sagt er. "Ohne IT-Verständnis könnte ich unsere Produkte auch kaum managen."

Bei jungen Start-ups komme es recht häufig vor, dass es irgendwann nötig werde, den Unternehmensschwerpunkt zu verschieben, sagt die Investmentmanagerin Tanja Emmerling. Mit der neu entwickelten Technologie wird dann zum Beispiel ein anderes Produkt angeboten als geplant. Ein gutes Gründungsteam müsse offen dafür sein, von der Anfangsidee abzurücken, betont sie. "Wichtig ist, dass die Teammitglieder bereit sind, Beratung anzunehmen." In der Wachstumsphase müssten sie außerdem ein Gespür dafür haben, die richtigen Leute an Bord zu holen, und in der Lage sein, Aufgaben zu delegieren.

2. Die Finanzierung

Gestartet sind die beiden 42he-Gründer im Wohnzimmer von von Leitners Gründungspartner, der damals noch studierte. Als der erste Mitarbeiter dazukam, arbeiteten sie in von Leitners Wohnung. Drei Jahre nach dem Start reichte der Umsatz, um die ersten Büroräume zu mieten. "Wir geben nur das Geld aus, das wir auch haben", sagt von Leitner. Heute hat ihr Unternehmen 15 Mitarbeiter und mehr als 10.000 Kunden.

"Bootstrapping" heißt es in der Gründerszene, wenn man versucht, kaum Schulden zu machen, und extrem sparsam wirtschaftet. Der Begriff stammt von der englischen Redewendung für "sich an den Stiefelriemen über den Zaun zu ziehen" ( "pull oneself over a fence by one’s bootstraps" ). Wer diese Finanzierungsart wählt, schafft also das Kunststück, aus eigener Kraft weiterzukommen. Das Geld kommt aus den eigenen Ersparnissen, manchmal auch von der Familie und Freunden oder kleinen Krediten bei der Hausbank, aus Gründerstipendien und den ersten Erträgen. Günstig kommt man auch weg, wenn man einen Platz in einem sogenannten Hochschul-Inkubator ergattert. Diese Programme bieten Gründern für die erste Zeit neben Beratung teils kostenlose oder günstige, voll ausgestattete Büro-Arbeitsplätze.