Die Junge Union schweigt zum angekündigten Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer. Das ist töricht, denn jetzt wird die CDU-Politik der Zukunft gestaltet.

Generation Y

Eigentlich wäre das jetzt die Stunde der jungen Aufstrebenden in der Union. Die Zeit für frische, abseitige, vielleicht sogar etwas verrückte Ideen, die die alteingesessenen Politikerinnen aufwecken, zum Nachdenken anregen, mitunter sogar empören könnten. Eigentlich ist der Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer von der CDU-Spitze und ihr Verzicht auf die Kanzlerkandidatur eine Chance für die Parteijugend.

Eigentlich. Bisher verhält sich die Junge Union (JU) nach dem Rückzug Kramp-Karrenbauers auffallend still. Nur wenige Jungpolitikerinnen haben sich seit ihrer überraschenden Ankündigung am Montag überhaupt geäußert. JU-Chef Tilman Kuban arbeitet sich in Gabor Steingarts Morning Briefing weiter an Thüringen ab, seine wichtigste Botschaft ist, dass ein linker Ministerpräsident nicht von CDU-Abgeordneten mitgewählt werden dürfe. In der vergangenen Woche hatte er Annegret Kramp-Karrenbauer in der Thüringen-Krise Führungsschwäche vorgeworfen, nun sagt er bloß, die Partei dürfe nicht in eine Schockstarre verfallen. Wie brav. Wie erwartbar. Wie langweilig.

Seit der Rücktrittsankündigung Kramp-Karrenbauers ist erst ein Tag vergangen. Sicher, man kann von der Jungen Union kaum erwarten, dass sie jetzt vorgibt, wie es in der Partei weitergehen soll. Doch das Problem besteht nicht darin, dass sie keinen fertigen Plan aus dem Hut zaubert. Sondern, dass ihr generell die Vision für eine konservative Politik der Zukunft zu fehlen scheint.

Wenn Mitglieder der Jungen Union dieser Tage nach vorn schauen, klingen sie zahm statt visionär. Christian Doleschal, Landesvorsitzender der JU Bayern, fordert bei jetzt "zügige Entscheidungen" und "viele frische junge Köpfe" in der Union. Wiebke Winter, Vorsitzende der JU Bremen, spricht sich bei bento erst gegen Friedrich Merz als neuen Parteichef aus, um dann schnell hinterherzuschieben, sie würde natürlich jeden Kandidaten mittragen, hinter dem sich die Junge Union versammelt. Selbst die für mutige, für Unionsverhältnisse fast schon krawallige Positionen bekannte Diana Kinnert stellt sich im Interview mit der taz bloß einen neuen Parteichef vor, "der sich in der Partei schon als Ministerpräsident oder Ähnliches verdient gemacht hat". 

Akzente, Ideen, wie es jetzt weitergehen könnte? Fehlanzeige.

Akzente, Ideen, wie es jetzt weitergehen könnte, welche Punkte jetzt unbedingt auf der Agenda der Union stehen sollten? Wer sie sind, diese "frischen jungen Köpfe", und welche Themen sie vertreten? Fehlanzeige.

Dabei ist es doch gar nicht so schwer für eine Parteijugend, eine Krise der Alten für sich zu nutzen. Juso-Chef Kevin Kühnert hat es vorgemacht. Wann immer die SPD-Spitze in den vergangenen Jahren am tiefsten in der Krise saß, und das war bekanntermaßen dauernd, war Kühnert am stärksten. Der jetzige Linkskurs der SPD und die Abwahl des Establishments an der Parteispitze sind auch das Werk der Jusos. Kühnert hat sich von Anfang an für das Duo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans starkgemacht. Ob die neue Führung und die Rückbesinnung auf linke Themen die SPD langfristig retten, sei mal dahingestellt. Aber der Impuls Kühnerts war wichtig, um überhaupt wieder Bewegung in die Partei zu bringen, um zu definieren, was das mantrahaft wiederholte "Kein Weiter so" eigentlich bedeuten könnte.