Ausgangssperren, die Unis sind zu, die Flüge gestrichen: Die Corona-Krise stellt Studierende im Auslandssemester vor die Frage: gehen oder bleiben?

Auslandsstudium

Eigentlich wollten sie den Sommer in Italien, Spanien und Slowenien verbringen. Doch aufgrund der Corona-Krise kam alles anders. Drei gestrandete Erasmus-Studierende berichten.

"Der Ernst der Lage ist in Deutschland noch nicht angekommen"

Matti Helmrich, 24, musste sein Erasmussemester in Rom abbrechen

Am 1. März bin ich nach Rom geflogen. Meine Freunde haben schon Witze gemacht: "Bleib doch lieber hier, das ist sicherer." Es gab  Kontrollen am Flughafen, weil ich aus Deutschland kam – es wurde gemessen, ob ich Fieber habe. Aber zu diesem Zeitpunkt war noch gar nicht klar, wie krass sich die Lage in nur eineinhalb Wochen verändern würde. An einem Sonntag kam ich in meiner Vierer-WG in Rom an. Am Montag war Welcome Day für alle Erasmusstudierenden und zwei Tage später bekam ich schon die Nachricht: Die Uni muss schließen, alle Veranstaltungen wurden abgesagt.

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Von einem Tag auf den anderen waren alle Läden zu. Vor den Supermärkten bildeten sich lange Schlangen, weil die Leute nur in kleinen Gruppen reingelassen wurden.

Ich war ziemlich viel alleine in meinem Zimmer, habe gelesen und Filme geschaut. Bis auf meine Mitbewohner kannte ich noch keinen. Erst habe ich in den Nachrichten verfolgt, wie die Zahl der Infizierten in Norditalien explodiert ist. Dann wurde ganz Italien zum Gefahrengebiet erklärt. Das war der Punkt, an dem ich dachte: Vielleicht ist es besser, wenn ich nach Deutschland zurückfahre, bevor ich ganz alleine in einem fremden Land sitze und nicht mehr wegkomme.

Ich habe einen Flug nach Köln gebucht, der dann gestrichen wurde. Danach habe ich nur noch einen Flug nach Berlin bekommen. Das war einer der letzten, bevor auch der Flughafen in Rom geschlossen wurde. Jetzt bin ich bei meiner Schwester untergekommen, die in Berlin lebt. Hier verbringe ich meine zwei Wochen Isolation. Hin und wieder gehe ich mit meiner Schwester raus zum Spazieren oder Tischtennis spielen. Aber ich hänge nicht mit vielen Menschen rum und halte Abstand. Ich hab das Gefühl, dass der Ernst der  Lage in Deutschland noch nicht so richtig angekommen ist. Es ist noch richtig viel Leben auf der Straße.

"Ich bin nicht allein"

Teresa Sommer, 22 Jahre, macht derzeit ein Auslandssemester in Ljubljana, Slowenien

Es ist seltsam, in einem Land zu sein, dessen Sprache man nicht spricht, und in so eine Situation zu geraten. Als die Uni schloss, haben meine Kommilitonen und ich uns noch gedacht: Ach, dann machen wir einfach viele schöne Reisen in die Natur. Das hat sich jetzt geändert.

Teresa Sommer © privat

Bis Ende März wird es keine Veranstaltungen an der Uni mehr geben. Die Lage ist ernst. Wir sollen nicht reisen, größere Menschenmengen meiden und auf weitere Informationen warten. Die letzten Tage trieb mich vor allem eine Entscheidung um – bleiben oder gehen?

Der Flughafen hier in Ljubljana hat schon zugemacht, Flixbus fährt nicht mehr, die Bahn schien die letzte Möglichkeit, hier rauszukommen. Eigentlich wäre ich jetzt gerne bei meiner Familie. Gleichzeitig will ich aber meine Freunde nicht alleinlassen. Es schwirrten mir viele Gedanken im Kopf herum: In Slowenien gibt es weniger Fälle, wäre es sogar besser zu bleiben? Was passiert, wenn ich doch krank werde und alleine in meiner Wohnung bleiben muss? Gestern habe ich dann doch ein Zugticket gekauft, heute Morgen wurde klar: Es gibt keine Züge mehr, das war ein Fehler im Buchungssystem. Ich bleibe also erst mal hier. Es macht mir trotzdem keine Angst, ich fühle mich sicher und ich bin nicht allein.