Wie wichtig gute Körpersprache und Selbstreflektion bei der Bewerbung sind, erklärt Job-Coach Katrin Baum im Interview.

Katrin Baum mit vielen Tipps zur Stressprävention. Die Diplom-Psychologin leitet den TK-Workshop »Bewerbung: So erkenne ich meine Stärken und bleibe gelassen« © ZEIT Campus Andreas Henn


Laut einer aktuellen Studie der TK ist bereits jede/r vierte Studierende gestresst?

Neben den Herausforderungen innerhalb des Studiums stresst junge Menschen vor allem auch die Frage: Wo gehöre ich hin, und wie bekomme ich den Job, der zu mir passt? Viele wissen nicht, ob sie von der Uni auf das vorbereitet wurden, was sie im Berufsleben erwartet. Tolle Noten alleine stellen ja nicht sicher, dass ich entspannt in diesen neuen Lebensabschnitt starte. Hinzu kommt die Befürchtung, den Ansprüchen von Arbeitgebern nicht genügen zu können.

Warum so wenig Selbstbewusstsein?

Oft fragen die Studierenden: Wie soll ich einen Job bekommen, wenn immer Berufserfahrung gefordert wird? Das kann Stress verursachen, wenn man sich dem Wunschbild einer Stellenausschreibung nicht gewachsen fühlt. Ich ermutige dann, sich trotzdem zu bewerben – selbst wenn von fünf Punkten nur drei zutreffen sollten.

Sollte man eigene Stärken stärker betonen?

In den Workshops erlebe ich, dass Studierende dazu neigen, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Deshalb ist "Selbstermutigung" ein ganz zentraler Inhalt. Es ist wichtig, eine positive Selbstbeziehung aufzubauen, ganz bewusst den Blick auf die eigenen Stärken zu lenken und nicht immer darauf zu fokussieren, was ich alles nicht kann. Und überdies muss man lernen, seine Stärken anderen gegenüber zu thematisieren. Das fällt vielen sogar noch schwerer.

Kann man das trainieren?

Ich arbeite viel mit Rückmeldungen der Teilnehmer/innen untereinander. Im Alltag hat man wenig Gelegenheiten, Fremde zu befragen: "Welche Stärken vermuten Sie bei mir?" Dabei kann man einen Abgleich zwischen seiner Wirkung auf andere und der eigenen Selbsteinschätzung herstellen. Das wird in Workshops als besonders positiv erlebt, weil sich die Situation im Bewerbungsgespräch ähnlich darstellt – da beurteilen einen ja auch fremde Menschen. Sehr hilfreich ist es außerdem, wenn man sich jeden Abend konsequent fragt: Was ist mir heute gut gelungen? Und dann, wie in einem Lerntagebuch, drei Dinge notiert. Das stärkt auf Dauer unglaublich!

Auf was kommt es im Bewerbungsgespräch an?

Es lohnt sich, über die eigene Körpersprache nachzudenken: Sitze ich aufrecht? Spreche ich auf Augenhöhe mit meinem Gegenüber? Suche ich den Blickkontakt, und setze ich meine Hände gezielt ein, um Gesagtes zu unterstreichen? Eine sichere Körperhaltung wirkt nicht nur nach außen hin souveräner, sondern gibt einem auch selbst Halt (siehe Übung 2 rechts).

"EINE PRISE HUMOR KANN IM BEWERBUNGSGESPRÄCH NICHT SCHADEN"

Auf was sollte man inhaltlich achten?

Es wird wie vor 20 Jahren nach den Stärken und Schwächen gefragt, auch wenn letztere mittlerweile "Entwicklungsfelder" genannt werden. Studierende finden das oft merkwürdig, dass sie sich darüber auslassen sollen, was sie noch nicht so gut können, aber Personaler stellen diese Frage ganz bewusst, um zu sehen, wie selbstreflektiert man ist.

Auch bei der Stressprävention wird oft empfohlen, mehr auf seine eigenen "Baustellen" zu achten.

Sich selber gut reflektieren zu können ist generell die Basis, um gelassen im Job agieren zu können. Dass ich nicht immer nur in der Mühle funktioniere, sondern auch in der Lage bin, zu erkennen, wenn mich etwas an den Rand meiner Belastung bringt. Manchmal hilft es, in Krisenzeiten auch das Gespräch zu suchen. Mit dem Partner, einem Kollegen, einem Vertrauten. Nicht, um sich reinzusteigern, sondern eher, um zu einer Neubewertung der Situation zu gelangen.

Gibt es Menschen, die besonders empfänglich für Stress sind?

Perfektionisten achten oft zu wenig auf sich selbst. Andererseits ist dieser Charakterzug auch eine Stärke: nämlich sich anstrengen zu wollen. Ideal für einen stressfreien Berufseinstieg ist es, wenn ich diese Leistungsbereitschaft mitbringe und Leidenschaft für das, was ich tue. Auf der anderen Seite aber auch ein bisschen gnädig mit mir bin und nicht erwarte, dass ich schon alles so perfekt kann wie ein/e erfahrene/r Mitarbeiter/in.

Stress ist vielschichtig: vom Geräuschpegel im Großraumbüro über Termindruck bis hin zu komplizierten Aufgaben. Wie geht man am besten damit um?

Unsere Vorfahren konnten in Situationen, die Angst und Schrecken hervorgerufen haben, die Flucht einleiten. Wenn wir heute einen Adrenalinschub bekommen, brauchen wir andere Step-out-Techniken, um die Gefühle gezielt in eine konstruktive Bahn zu lenken. Die angewendete Technik sollte zur Situation und zur Persönlichkeit passen. Nicht jeder will zehn Kilometer laufen. Oft hilft eine bestimmte Atemtechnik: bis vier zählen und einatmen, vier Sekunden ausatmen und vier Sekunden lang die Luft anhalten. Allein das Zählen beruhigt schon den Herzschlag.

Haben Sie noch einen persönlichen Tipp?

Vor dem Bewerbungsgespräch sollte man sich überlegen: Welche Stärken möchte ich rüberbringen? Da lohnt es sich, wenn man diese nicht nur benennt, sondern auch mit Anekdoten oder Beispielen untermauern kann. Eine Prise Humor kann dabei nicht schaden. Das lockert das Gespräch auf und wirkt insgesamt überzeugender.


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