Baden-Württemberg, das zu den zehn wirtschaftsstärksten EU-Regionen zählt, ist europaweit die Region mit der höchsten Innovationsfähigkeit. Zudem steht das südwestliche Bundesland deutschlandweit nicht nur an der Spitze, was den Export betrifft, sondern auch in Hinsicht auf die Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Hinzu kommt ein großer Anteil an Hochschulabsolventen in den MINT-Fächern, der auch zu jenem Erfindungsreichtum beigetragen hat, mit dem Baden-Württemberg in eigener Sache wirbt. Der schwäbische Slogan "Wir können alles, außer Hochdeutsch" verweist nicht zuletzt auf die Tatsache, dass im bundesweiten Vergleich hier die meisten Patente angemeldet werden.

© iStockphoto (13), Deutsche Post DHL Group, DLR, Forschungszentrum Jülich, Wingbrush (2)

Dieses innovative Potenzial spiegelt sich in der Tatsache wider, dass mit den Universitäten Heidelberg, Konstanz und Tübingen drei der bundesweit elf Exzellenzuniversitäten in Baden-Württemberg liegen sowie sieben Exzellenzcluster und zwölf Graduiertenschulen der Exzellenzinitiative. Diese verteilen sich dezentral auf verschiedene Standorte und ergeben eine der forschungsintensivsten Regionen Europas: Unter den 200 Hochschulen, außeruniversitären und wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen finden sich neun Universitäten, sechs Pädagogische Hochschulen, 23 staatliche Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW), die Duale Hochschule Baden-Württemberg mit neun Standorten, acht Kunst- und Musikhochschulen – sowie drei Akademien für Film, Darstellende Kunst und Pop. Zu den weltweit renommierten nationalen und internationalen Zentren zählen zudem das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ), zwölf Einrichtungen der Max-Planck- Gesellschaft (MPG), 13 Institute der Fraunhofer-Gesellschaft (Fraunhofer) sowie sieben Institute der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (Leibniz-Gemeinschaft). Hinzu kommen die Heidelberger Akademie der Wissenschaften, sieben Institute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Max Rubner-Institut – das Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel.

PREMIERE: 2019 STARTET DAS ERSTE FELLOWSHIP- PROGRAMM IM RAHMEN DER DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN FORSCHUNGSKOOPERATION ZUR KÜNSTLICHEN INTELLIGENZ

Im Zentrum der landeseigenen Forschungspolitik, im Rahmen derer Baden-Württemberg rund 4,9 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts investiert, stehen nachhaltige Mobilität, erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz bei Umwelttechnologien, aber auch Gesundheit und Pflege, Informations- und Kommunikationstechnologien und nicht zuletzt die Digitalisierung und Industrie 4.0. Darunter fällt auch das 2016 mit maßgeblicher Unterstützung des Landes Baden-Württemberg gestartete Cyber Valley-Projekt, mit dem die Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft sowie kooperative Forschungsvorhaben rund um Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen gefördert werden. In diesem Verbund arbeiten die Universitäten in Stuttgart und Tübingen und das Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme mit Global Playern zusammen. Ziel ist der Aufbau eines Forschungs- und Entwicklungszentrums, in dem der Nachwuchs ausgebildet wird. Zugleich soll Cyber Valley in naher Zukunft zum bedeutenden Knotenpunkt in einem "europäischen Netzwerk der Spitzenforschungsverbünde" ausgebaut werden, kündigt Theresia Bauer an, Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Von besonderer Bedeutung sei die Implementierung einer dauerhaften deutsch-französischen Kooperation im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI), die 2019 mit einem ersten Fellowship-Programm startet. Als Produktions- und Automobilstandort sei man in Baden-Württemberg schon lange auf die Anforderungen der Digitalisierung eingestellt, betont die Ministerin. "Alle wissen, dass wir die Erneuerung an der Spitze voranbringen müssen, wenn wir auch in der kommenden Generation als Technologiestandort global eine Rolle spielen wollen."

"WIR HONORIEREN BESONDERE LEISTUNGEN JUNGER FORSCHENDER, DIE SICH FÜR EINEN WEG ABSEITS DES WISSENSCHAFTLICHEN MAINSTREAMS ENTSCHIEDEN HABEN."

Anlass für Optimismus biete nicht zuletzt eine weitverbreitete Risikobereitschaft an den Hochschulen des Landes. "Wir unterstützen den Impuls, sich auch wissenschaftlichen Fragen zu widmen, die keinen kurzfristigen Nutzen versprechen." Als Beispiel nennt Bauer die jüngst vorgenommene und bundesweit einmalige Erweiterung des Landesforschungspreises um die Kategorie "Mutige Wissenschaft". "Damit honorieren wir besondere Leistungen junger Forschender, die sich für einen Weg abseits des wissenschaftlichen Mainstreams entschieden haben." Pate steht dafür der rumäniendeutsche Physiker Stefan Walter Hell vom Heidelberger Max-Planck-Institut für medizinische Forschung, der 2014 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet wurde. Nur dank seiner Hartnäckigkeit sei einer neuen, spektakulären Generation von Mikroskopie der Weg geebnet worden. "Sein beharrlicher Weg macht deutlich, wie man mit einer mutigen Idee, an die niemand geglaubt hat, Wissenschaftsgeschichte schreiben kann."

DIALOG IM REALLABOR: WISSENSCHAFT UND GESELLSCHAFT DISKUTIEREN ÜBER ANGEWANDTE FORSCHUNG

Im Dienst einer besseren Kommunikation von Wissenschaftlern, Kommunen und der Zivilgesellschaft fördert Baden-Württemberg sogenannte "Reallabore": Hier arbeiten Gesellschaft und Wissenschaft zusammen und erproben zukunftsfähige und nachhaltige Lösungen. Eröffnet werden sollen dabei auch Dialog-Räume für offene Fragen im Kontext angewandter Forschung. Neue Erkenntnis sei schließlich genauso wichtig wie deren kritische Begleitung durch die Gesellschaft, die eigenständig entscheiden müsse, was sie fördert und wo sie Grenzen zieht, sagt Ministerin Bauer. "Innovation hat neben der technologischen immer auch eine soziale Dimension: Sie muss von Menschen gewollt, verstanden und gestaltet werden."


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