Feldroboter weiterentwickeln oder die Digitalisierung in der Pflege mitgestalten: Zukunftsweisende, gesellschaftlich relevante Themen prägen die Forschung der Hochschule Osnabrück. Hochinnovative Forschungszentren, die derzeit entstehen, verleihen dem Standort für die regionale und überregionale Wirtschaft noch mehr Gewicht. Mittendrin: die Studierenden an Niedersachsens größter Fachhochschule.

Absolvent Jan Roters steht neben dem Feldroboter BoniRob auf dem Campus Westerberg der Hochschule Osnabrück. Seine Abschlussarbeit im Bereich der Agrartechnik erhielt in der Branche große Anerkennung, der Berufseinstieg gelang ihm problemlos. © Hochschule Osnabrück | O. Pracht

Der erste Roboter fährt vor und untersucht, welche Maispflanzen Wasser benötigen. Das teilt er einem zweiten Roboter mit, der auf dem Feld unterwegs ist. Dieser zweite Roboter fährt nur die Pflanzen an, die Bedarf haben, und bewässert sie. Vereinfacht dargestellt, ist dieser hochkomplexe Arbeitsablauf das Thema der Masterarbeit von Jan Roters. Dafür erhielt der Absolvent der Hochschule Osnabrück Mitte 2019 den in der Branche viel beachteten Max-Eyth-Nachwuchsförderungspreis für herausragende agrartechnische Abschlussarbeiten. "Im ersten Abschnitt der Arbeit ging es darum, mithilfe einer Kamera, die in unseren autonom fahrenden Feldroboter BoniRob eingesetzt wurde, den Wassergehalt der Pflanzen zu bestimmen", erklärt der Absolvent des Masters MechatronicSystemsEngineering. Die Pflanzen werden dabei im sogenannten hyperspektralen Bereich vermessen. "In den Bereichen, in denen die Pflanze einen höheren Wassergehalt hat, wird mehr Licht absorbiert. So können wir den Wassergehalt bestimmen."

 

Türöffner für den Berufseinstieg

 

Den Wassergehalt der Pflanzen und ihre jeweilige GPS-Position speichert der erste BoniRob und gibt die Informationen per WLAN an den zweiten weiter. Dieser ist mit Wassertank und Pumpe ausgestattet und fährt die Pflanzen an, die zu trocken sind. Nach einer ersten Simulationsphase am PC und Versuchen im Labor hat Roters das System im Vorjahr auf einem landwirtschaftlichen Betrieb erfolgreich getestet.

Praxis- und forschungsnahes Studieren: Jan Roters Weg ist beispielhaft für das, was die Hochschule Osnabrück Studierenden bietet. "Das Studium hat mir Spaß gemacht, vor allem, weil man maximal flexibel ist. Ich habe die Wahlmodule genutzt, um in andere Studiengänge hineinzuschauen, etwa in den Maschinenbau, oder Sprachkurse belegt", schildert der 27-Jährige. "Und es gab sehr viele Praxisangebote. Ich habe im Labor für Mikro-und Optoelektronik gearbeitet und war an Projekten mit Praxispartnern aus der Agrartechnikbranche beteiligt." Mittlerweile ist Roters Software-Entwickler bei einem Hersteller von Sattelaufliegern, Aufbauten und Anhängern. Das Studium war der Türöffner für den Berufseinstieg: "In den Bewerbungsgesprächen wurde stark auf meine praktischen Erfahrungen geschaut. Einige Software-Tools hatte ich dank der Hochschule und ihren Partnern bereits anwenden können. Das war sehr gefragt."

Gefragt ist auch insgesamt der Studienort Hochschule Osnabrück. Im Wintersemester 2019/2020 studierten hier 14.302 Personen und damit etwa doppelt so viele wie noch 2006/2007. "Trotzdem hat unsere Hochschule ihren Wesenskern als vertrauter Lern- und Lehrort erhalten", sagt Hochschulpräsident Prof. Dr. Andreas Bertram. Dazu trägt eine besondere Infrastruktur bei. Die vielen modernen Neubauten fügen sich harmonisch in historische Gebäude-Ensemble ein und schaffen so an den Standorten in Osnabrück und Lingen eine besondere Campus-Atmosphäre.

Derzeit entsteht am Campus Westerberg, Heimat der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik, das Agro-Technicum. Hier werden sich verschiedene Fachgebiete Fragen der digitalen Transformation im Agrarsektor widmen. Wenige Kilometer weiter nördlich, an der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur, entsteht in den kommenden Jahren eine Indoorfarm mit Dachgewächshaus. Das Forschungszentrum "Agrarsysteme der Zukunft" soll seinen Beitrag dazu leisten, ressourceneffiziente und nachhaltige Lösungen für die Agrar- und Gartenbaubranche zu finden.

Beide Gebäude stehen für zukunftsweisende Themen, die die Forschung an der Hochschule prägen. Dazu passt, dass sie bei der Initiative des Landes Niedersachsen, Digitalisierungsprofessuren einzurichten, außerordentlich erfolgreich war. Fünf Professuren wird sie in den kommenden Jahren einrichten. Bei den noch jungen sechs Zukunftslaboren zur Digitalisierungsforschung im Land ist die Hochschule viermal vertreten: in den Bereichen Agrar, Gesellschaft und Arbeit, Mobilität sowie Gesundheit.

Denn auch im Themenfeld Gesundheit ist die Expertise an der Hochschule Osnabrück groß. Die deutschlandweit erste Professur für Pflege und die erste Professur für Hebammenwissenschaften wurden an der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften geschaffen. In den Bereichen Management und Informatik im Gesundheitswesen zählt die Hochschule ebenfalls zu den ersten Adressen in Lehre und Forschung.

Wie sehr Forschungs- und Praxisnähe auch hier das Studium prägen, zeigt die Abschlussarbeit von Anne Schindler, die Ende 2018 den Master Management im Gesundheitswesen abgeschlossen hat. Die Arbeit befasst sich mit der "Evaluation von Gesundheits-IT für die Pflege im Krankenhaus". Auf Europas größter Healthcare IT-Messe DMEA (Digital Medical Expertise & Applications) erhielt Schindler in diesem Jahr den Sonderpreis des Bundesverbands Gesundheits-IT. Für ihre Arbeit hat sie über einen längeren Zeitraum das Pflegepersonal in einer Klinik begleitet, die kurz vor der Digitalisierung steht. Die Absolventin macht anschaulich, worin Potenziale der Digitalisierung liegen. "Es wird zum Beispiel sehr viel doppelt dokumentiert. Körpergewicht und -größe etwa werden bei der Aufnahme erhoben, dann noch mal von verschiedenen Ärzten und vom Pflegepersonal. Es wäre natürlich sinnvoll, wenn das einmal erfasst würde und allen zur Verfügung stünde." Auch das Problem, dass Daten zu Patienten auf zum Teil schwer leserlichen Notizzetteln stehen oder in den Köpfen einzelner sind, weil die Akte gerade nicht greifbar ist, könnte durch eine digitalisierte Dokumentation gelöst werden.

Die Abschlussarbeit im Bereich der Agrartechnik von Jan Roters (Foto oben) erhielt in der Branche große Anerkennung, der Berufseinstieg gelang ihm problemlos. Das gilt auch für Anne Schindler, die sich in ihrer Masterarbeit mit der Digitalisierung im Krankenhaus befasste. Auch sie erhielt für ihre Arbeit einen renommierten Branchenpreis und arbeitet nun im Bereich der Medizintechnik und IT. © Hochschule Osnabrück | A. Rogge


"Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass es eine große Motivation gibt, fast sogar Freude, den Schritt der Digitalisierung zu gehen", bilanziert Schindler. "Die Beschäftigten müssen aber durch gute Aufklärungsarbeit mitgenommen und der Prozess muss vorgelebt werden."

Heute arbeitet Schindler in einem Klinik-Verbund im Bereich Medizintechnik und IT. Dort betreut sie die Pflegedokumentation. Inwiefern das Studium der Wegbereiter für den Berufseinstieg war? "Zu 100 Prozent." Ihre Erfahrungen mit den Berufsgruppen, das im Studium sehr zentrale teamorientierte Arbeiten sowie das vielseitige, auch branchenübergreifende Denken im Projektmanagement "helfen mir im Beruf jeden Tag".


Zurück zur Übersicht.

Zur Startseite.