An der Hochschule Stralsund wird erforscht, welche Ansprüche an neue Gesundheitstechnologien gestellt werden und welche Bedarfe Patienten und Ärzte zukünftig haben werden.

Visualisierung von Hirnoberfläche und Faserbahnen für die neurochirurgische Planung mit Virtual Reality.

Um die medizinische Behandlung und Prozesse zu verbessern, erforschen die Wissenschaftler am Stralsunder Campus die Anwendbarkeit von Künstlicher Intelligenz, der Robotik, der autonomen Transport- und Handlingsysteme zur Unterstützung des Klinik-, Ambulanz- und Pflegepersonals und zur Interaktion zwischen Benutzern und digitaler Technologie. Das Ziel ist es, die Lebens- und Behandlungsqualität zu steigern und eine individuelle Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

Deshalb richten die Stralsunder Wissenschaftler ihre Forschungsaktivitäten sowohl am Menschen als auch an den Technologien aus. Wie müssen Materialien beschaffen sein, um sie nachhaltig für den Einsatz als Stents oder Prothesen nutzbar zu machen? Die Erforschung zum Korrosionsverhalten, der Freisetzung von Medikamenten und Benetzung in biologischen Medien ermöglicht neue Therapieformen. Hierzu kommen neue und modifizierte biokompatible Materialien zum Einsatz, die in selbst abbauenden Implantaten, Orthesen und Prothesen ihren Einsatz finden sollen. Die Prototypen von patientenindividuellen Implantaten, Orthesen und Prothesen werden am Campus im 3D-Druck-Verfahren hergestellt.

 

"Technologie und Organismus rücken enger zusammen"

Prof. Dr.-Ing. Petra Maier

 

Eine Arbeitsgruppe berechnet mit Computermodellen die Krankheitsentstehung und -entwicklung in Zellkernen bei Leukämie und analysiert die Wirksamkeit von Therapieformen bei der Krebsbehandlung im Hinblick auf die Streuung von Metastasen. Damit haben Ärzte die Möglichkeit, Behandlungsalternativen zu vergleichen, und gewinnen eine zusätzliche Entscheidungsgrundlage für die Wahl einer individualisierten Therapie, welche auch in der Medikation und Patientenberatung zum Tragen kommen kann. Ähnliche Anwendungsfelder ergeben sich aus den Forschungen der Arbeitsgruppe "Clinical Decision Making", die auf selbstlernende Machine-Learning-Algorithmen setzt, um große Datenmengen für die medizinische Diagnostik auszuwerten. Hierbei geht es um die Lebenserwartung von Menschen, um Krankheitsrisiken und um Heilungschancen. Zukünftig wird wichtiger werden, die von Algorithmen getroffenen Entscheidungen auch für Nichtexperten nachvollziehbar zu gestalten.

 

"Daten und Ethik müssen in der Diagnostik mit KI zusammen gedacht werden"

Prof. Dr. Thomas Mayrhofer

 

Die AG Human Brain Modelling konzentriert sich auf die Entwicklung von zielorientierten Lernregeln für gepulste neuronale Netze zur Abbildung von Lernprozessen, angenähert den Lernprozessen im menschlichen Gehirn.

In der Arbeitsgruppe Health Informatics werden radiologische Bilddaten mit Methoden der Mustererkennung analysiert. Dabei werden feingewebliche Strukturen wie z.B. Nervenfasern erkannt, dreidimensional visualisiert und so für Diagnostik und Therapieplanung zugänglich gemacht. Ab 2010 wurde von der Hochschule das landesweite teleradiologische Netzwerk MV aufgebaut. Daran angeschlossen sind aktuell 19 medizinische Einrichtungen des Landes Mecklenburg- Vorpommern, die den telemedizinischen Austausch intensiv nutzen.

 

"Wir sind vom Mehrwert dieser Technologien für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum überzeugt"

Prof. Dr. Ivonne Honekamp

 

Die Möglichkeiten von eHealth, der Telemedizin und des Active Assisted Livings werden an der Hochschule erforscht. Das Forscherteam sieht in der sektorübergreifenden Informationsbereitstellung (stationär, ambulant, häuslich) und in der Unterstützung von Patienten im häuslichen Umfeld einen wesentlichen Beitrag für eine dauerhaft hohe medizinische Versorgungsqualität sowie eine Optimierung der Strukturen und Prozesse im Gesundheitswesen. So trägt auch der entwickelte Prototyp eines telemedizinischen Systems für einen medizinischen Fernbefund signifikant zur Versorgungssicherheit von Patienten bei. Mit den empirischen Untersuchungen zur Akzeptanz der Telemedizin bei Ärzten, Patienten und Pflegekräften lenken die Forscher den Blick auf den Anwender, sowohl im Bereich des technologieunterstützten Lebens in der individuellen Häuslichkeit sowie in der stationären Versorgung als auch bei neuen digitalen Anwendungen wie der Videosprechstunde.


Mit dem Schwerpunkt Gesundheitstechnik gestaltet die Hochschule Stralsund den wissenschaftlichen Diskurs auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene mit. Indem die Forschungsgruppen den Bogen von der Technologie zum Menschen spannen, eröffnen sie zeitgemäße Anwendungspotenziale für die Zukunft unserer Gesellschaft.




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