Ökologisch und bezahlbar: Das Modell e.go Life, das seit März produziert wird, vereint 4.0-Technologie mit italienischem Design. (Foto: e.GO Mobile AG)

Auf dem Markt der Elektrofahrzeuge gilt er als Pionier: Günther Schuh beweist mit seinem Start-up e.GO, wie erfolgreich die Synthese von Unternehmergeist, wissenschaftlicher Expertise und Beharrlichkeit sein kann.

Auf dem Automobil-Salon in Genf präsentierte Günther Schuh neben drei neuen Modellen auch den Elektroflitzer e.GO Life, einen Verkaufshit, der dank neuer 4.0-Technologie nur knapp 16.000 Euro kostet und im Mai ausgeliefert wird. Zeitgleich gab Volkswagen bekannt, dass e.GO Mobile aus Aachen als erster externer Industriepartner den neuen Modularen Elektrifizierungs-Baukasten (MEB) nutzen darf. Ein großer Erfolg für den 60-jährigen Wirtschaftsingenieur, Maschinenbauer und Betriebswirt aus Köln, dessen automobile Erfindungen aus Forschungsprojekten hervorgingen – und anfangs kaum Resonanz fanden.

Forschung gegen Widerstände

Wissenschaftliche Neugier und unternehmerischer Geist prägen den gebürtigen Kölner. Der Professor am Lehrstuhl für Produktionssystematik an der Technischen Hochschule Aachen (RWTH), der zahlreiche akademische Leitungsfunktionen innehat, gilt seit 2014 als Pionier: Damals verkaufte er seine Firma Streetscooter GmbH zum Bau von Elektrotransportern an die Post und gründete 2015 die e.GO Mobile AG. Seine Forschungshypothese, dass sich mithilfe eines speziellen Rahmens aus Alu-Profilen und einer Kunststoffhaut auch in Hochlohnländern bezahlbare Elektrofahrzeuge produzieren lassen, stieß auf Skepsis. Von sich aus hätte die Branche dieses Segment links liegen gelassen, meint Schuh. Aus Mangel an Mut und weil die Produktion von E-Autos in der herkömmlichen Form nicht rentabel gewesen wäre. "Tapfer, wie sich das für Wissenschaftler gehört,
sind wir − entgegen aller Vorbehalte der Industrie, die unsere Forschung zum Teil finanziert hat − ins Feld gezogen."

Maßgeblich für die spätere Erfolgsgeschichte sei die enge Verknüpfung des Unternehmens mit zahlreichen wissenschaftlichen Projekten. Schließlich gelte das Interesse der deutschen Ingenieurwissenschaften seit jeher nicht nur der Grundlagenforschung, so Schuh.

Mobilität – bezahlbar für alle

"Wir haben uns der Aufgabe verschrieben, etwas gesellschaftlich Nützliches zu entwickeln." Auch sein eigenes Engagement reagiere auf eine Nachfrage in der Bevölkerung: "Mein Anspruch lautet, dass Mobilität für alle bezahlbar sein soll." Produktiv wirke sich dabei seine große Gestaltungsmacht aus, die sich einer Ausnahmegenehmigung der Hochschule verdankt: Sie ermöglicht es Schuh, als CEO und Professor in einer Person zu agieren. Würde diese Chance auch anderen eröffnet werden, prophezeit Schuh einen "Boost an Innovationskraft." Denn dadurch habe er Finanzierungslücken im Forschungssystem durch das Einwerben von Kapital schließen können, ohne auf die defensiv agierende Industrie angewiesen zu sein. Jetzt, da e.GO Mobile AG mit einer Milliarde Euro bewertet ist, sei man endlich autonom: "Heute können wir unabhängig von Förderanträgen zu jedem Thema unserer Wahl forschen – davon habe ich immer geträumt!"

Dass seine jüngsten Pläne für ein geräuschloses Flug-Taxi erneut belächelt werden, bestärkt Schuh umso mehr. "Nachdem wir als Forscher früher dachten, für die Umsetzung sind andere zuständig, fragen wir heute nicht lange nach – und machen es selber!"

Von Kristina v. Klot

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