Vor 150 Jahren begann die Geschichte der RWTH Aachen. Die Vermittlung des eigenen Handelns in die Gesellschaft ist wichtiger denn je.

150 Jahre RWTH, das bedeutet 150 Jahre »Lernen. Forschen. Machen.« und dabei immer wieder auch zu überraschen. Gerade wenn es darum geht, das gewonnene Wissen in die Gesellschaft zu tragen. © RWTH Aachen/​ Peter Winandy

Als 1870 die Königliche Rheinisch-Westphälische Polytechnische Schule gegründet wurde, da sollte sie die Schaffenskraft der Wirtschaft in der Region stärken. Heute würden wir sagen: die Innovationskraft. Die Entscheidung wurde in der Bürgerschaft hitzig diskutiert. Auf der einen Seite standen die Fürsprecher, allen voran der Aachener Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit und die Verantwortlichen der Aachener  und Münchener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft, die sich auch finanziell einbrachten. Auf der anderen Seite standen die Zweifler, die Skeptiker, die Gegner der Wissenschaft. Die Fürsprecher obsiegten. Es war der 10. Oktober 1870, also mitten im deutsch-französischen Krieg, als die erste Vorlesung an der späteren RWTH gehalten wurde.

Die Universität – zehn Jahre nach der Gründung folgte die Umwidmung zur Technischen Hochschule, inklusive einer Rektoratsverfassung und dem Habilitationsrecht – mag sich binnen 150 Jahren kolossal verändert haben. Der Anspruch, der mit der Gründung formuliert wurde, ist geblieben. "Dieses Ziel ist 150 Jahre später aktueller denn je", sagt der Rektor der RWTH Aachen Professor Dr. Ulrich Rüdiger im Jubiläumsjahr, welches die Exzellenzuniversität unter dem Motto "Lernen. Forschen. Machen." feiert.

Aus dem Labor zu den Menschen: Der gesellschaftliche Impact steht an der RWTH immer im Fokus. © RWTH Aachen/​ Peter Winandy

Der Weg, den die Gründerväter damals beschritten haben, ist zweifellos mit ständig neuen Herausforderungen gepflastert und wird dies bleiben: Energiewende, neue Mobilität, Künstliche Intelligenz, ganz konkret der Strukturwandel im Rheinischen Revier im Zuge des Kohleausstiegs – direkt vor der Haustür. Da stecken ganz viele Themen drin, in denen sich die RWTH zuhause fühlt und bei denen sie den gesellschaftlichen Fortschritt prägen kann und will: Bioökonomie, Wasserstoff, autonomes Fahren, aber auch neue Mobilitäts- und Antriebskonzepte; der Einsatz von KI in Produktion, Energieversorgung und nicht zuletzt Medizin.

Dies sind typische Beispiele, bei denen sich die RWTH verantwortlich fühlt, Wissen zu generieren und dieses mit starken Partnern in erlebbare Innovationen zu transferieren. "Für den Strukturwandel ist das Profil der RWTH Aachen besonders hilfreich, denn alles passiert nach dem Prinzip: von den Grundlagen in die Anwendung und dies auf Basis eines starken Netzwerks hervorragender Partner", erläutert Rüdiger.

Der erfolgreiche Antrag der RWTH in der jüngsten Runde der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern war folgerichtig mit der Begriffstrias "Knowledge. Impact. Networks." untertitelt. Und in diesem Impact steckt das Machergen, welches die Hochschule in ihrem Jubiläumsmotto aufgreift. "Das Machen in unserem Motto ist bezeichnend für das Wesen dieser Hochschule, es wird überall mitgedacht und gehört zu unserer DNA. Lernen. Forschen. Machen. steht dabei aber nicht isoliert. Dieses Dreieck ist als Einheit zu verstehen, die sich in allen Facetten der Hochschule widerspiegelt. Ich glaube, dieses Motto steht der RWTH richtig gut", unterstreicht der Rektor.

Es sind schwierige Zeiten geworden, um den Impact der Gesellschaft glaubhaft zu machen. Die Zahl der Informationsquellen ist unübersichtlich geworden. "Wissenschaftsvermittlung muss sich dem stellen", erklärt der Prorektor für Forschung der RWTH, Professor Dr. Matthias Wessling. Klimawandelskeptiker etwa finden bei YouTube ausreichend Futter, das ihre Skepsis belegt, zu jeder neuen These gibt es eine Antithese, in Sozialen Medien und Blogs lässt sich mit sogenannten Forschungsergebnissen ungefiltert eine interessierte Öffentlichkeit manipulieren. "Dem müssen wir offensiv begegnen", sagt RWTH-Rektor Rüdiger.

Brückenbauer in die Bevölkerung: Forschung braucht gesellschaftlichen Rückhalt. Transparent und anschaulich kann sie die Menschen begeistern. © RWTH Aachen/​ Peter Winandy

Um den Wissenstransfer in die Gesellschaft zu erleichtern, wird der Knowledge Hub das neue Instrument für eine wechselseitige Kommunikation zwischen den RWTH-Forschenden, der breiten Öffentlichkeit und weiteren Zielgruppen wie Medien, Bildungseinrichtungen und politischen Entscheidungsträgern sein. "Der Knowledge Hub wird ein wesentlicher Bestandteil einer offenen Wissenschafts- und Netzwerkkultur an der RWTH sein, die einen kontinuierlichen Austausch mit bürgerwissenschaftlichen Projekten ermöglicht", erläutert Wessling.

Es ist die Formel für einen offensiven Umgang mit den eigenen Themen und vor allem mit den Lösungsansätzen, um die Herausforderungen vor der Haustür im Rheinischen Revier ebenso wie überall sonst in der Welt zu meistern. "Die Idee ist, den Knowledge Hub zu nutzen, um aktuelle, strategisch bedeutsame Themen der RWTH in der hochschulinternen wie externen Öffentlichkeit zu platzieren", sagt Rektor Rüdiger. Die RWTH muss für die Menschen greifbar sein. So wie es in den Anfangsjahren stetige Überzeugungsarbeit brauchte, so gilt immer noch: Die Gesellschaft muss für das eigene Tun begeistert werden. Das Hochschuljubiläum ist da natürlich ein idealer Anlass. "Mit unseren Lehrenden, Beschäftigten und Studierenden, mit unseren Freunden und allen, die neugierig auf uns sind, wollen wir natürlich feiern, aber eben nicht nur das. Wir wollen gleichermaßen zurückschauen und den Blick in die Zukunft richten. Denn die nächsten 150 Jahre versprechen genauso spannend zu werden wie die vergangenen 150. Und unsere Innovationskraft ist und bleibt ungebrochen", betont der Rektor.

Eine Möglichkeit, die Neugier zu stillen, besteht am 20. Juni. Dann wird sich die RWTH bei "Lernen. Forschen. Machen. Das Fest." auf den Campusflächen in der Aachener City der Öffentlichkeit zeigen, aktuelle Forschung anschau-, anhör-, greif-, fühl- und in jedem Fall erlebbar machen. Wissenschaft hautnah. Innovationskraft zum Anfassen. Genau die hatte man sich doch bei der Gründung vor 150 Jahren schon gewünscht.


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