Die Spitzenforschung in Deutschland wird in den kommenden sieben Jahren mit jährlich 385 Millionen Euro gefördert. Das Geld fließt ab Januar 2019 in 57 neu ausgewählte Exzellenz­cluster an deutschen Universitäten. And the winner is: die Spitzen­forschung! Jeder einzelne der 57 Exzellenz­cluster an den Universitäten wird mit Summen zwischen drei und zehn Millionen Euro pro Jahr aus der Exzellenz­strategie des Bundes und der Länder unter­stützt.

Über die Verteilung der Förderung hat ein inter­national hoch­karätig besetztes Experten­gremium mit unter anderem 39 Wissen­schaftler­innen und Wissen­schaftlern jetzt in einer Final­runde entschieden. 75 Prozent der Förderung zahlt der Bund, 25 Prozent müssen die jeweilig zuständigen Bundes­länder aufbringen.

Bevor ab dem 1. Januar 2019 die Fördergelder fließen, freuen sich zunächst Verantwortliche aus Politik und Hoch­schul­verwaltung über die Entscheidungen der Experten. Eine lange Phase der Anspannung ist vorbei, sind doch seit Beginn der Aus­schreibung zwei Jahre vergangen und insgesamt 195 Anträge bei der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG) eingegangen.

Universität Bonn erhält sechs Exzellenz­cluster – mehr als jede andere Uni

Von einem "außer­ordentlichen Erfolg in der Konkurrenz mit vielen heraus­ragenden Universitäten deutschland­weit" spricht zum Beispiel Nordrhein-Westfalens Wissen­schafts­ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Sie freut sich über 14 neue Exzellenz­cluster in ihrem Bundes­land, wo sich in der Nähe der Exzellenz-Unis Aachen und Köln mit der Universität Bonn eine neue Perle in der Spitzen­forschung bildet. Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität in der ehemaligen Bundes­haupt­stadt erhielt sechs Exzellenz­cluster, mehr als jede andere deutsche Universität. Sie sind in den Bereichen Mathe­matik, Immuno­logie, Abhängig­keits­forschung, Robotik, Wirtschafts­wissen­schaften und Quanten­physik angesiedelt, vier als alleinige Cluster der Antrag­stellerin, zwei weitere im Verbund mit Aachen und Köln.

Ein knappes Drittel – etwa 30 Prozent – aller Exzellenz­cluster wird ab Januar 2019 in Zweier- oder Dreier-Verbünden von Universitäten organisiert sein. Im Vergleich zu den früheren Exzellenz­initiativen 2006/2007 (24 Prozent) und 2012/2013 (28 Prozent) ist das eine weitere Steigerung, wie Marco Finetti, Presse­sprecher der Deutschen Forschungs­gemeinschaft (DFG), erläutert. Die Entwicklung zu hoch­schul­über­greifenden Kooperationen sei zwar keine strukturelle Besonder­heit, der steigende Anteil spreche aber für eine zunehmende Multi­disziplinarität der Forschung und eine abnehmende "Versäulung" der Universitäten.

Immer mehr außer­universitäre Institute beteiligt

Dies zeigt sich auch an einem weiteren Sachverhalt: In jedem der neuen Cluster sind außer­universitäre Forschungs­ein­richtungen beteiligt – also mindestens ein Institut von Max-Planck, Helmholtz, Leibniz oder Fraunhofer. Finetti verweist auch auf eine Steigerung der Beteiligung von forschenden Unter­nehmen an den Clustern. Im "Mikroversum"-Exzellenz­cluster an der Friedrich-Schiller-Universität Jena wirken partner­schaftlich acht außer­universitäre Institute und zwölf Unter­nehmen wie Zeiss und Jenoptik mit.

Stark kooperativ hat sich auch die Universität Hamburg auf­gestellt und in Zusammen­arbeit mit diversen Instituten, dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) und auch dem neuen Röntgen­laser European XFEL vier Exzellenz­cluster bilden können. Von einem "Riesen­erfolg" spricht daher Professor Dieter Lenzen, Präsident der in der Vergangen­heit beim Thema Exzellenz eher unter­repräsentierten Universität Hamburg. Die Hanse­städter haben ihre vier Anträge der Final­runde alle durch­bekommen: Es geht dabei um Klima, Materie und das Universum nach dem Urknall, aber auch um Manus­kript­forschung – von den Anfängen im alten Mesopotamien bis ins digitale Zeit­alter.

Als Erfolg der Zusammenarbeit zwischen Wissen­schaft und Politik wird auch die Vergabe zweier Exzellenz­cluster etwas weiter nördlich gefeiert, in Kiel. Die Anträge der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) zur Präzisions­medizin für chronische Entzündungs­erkrankungen und "ROOTS – Konnektivität von Gesell­schaft, Umwelt und Kultur in vergangenen Welten" werden gefördert, während der Cluster "Future Ocean Sustain­ability" es über­raschend nicht geschafft hat. Dafür freuen sich die Kolleginnen und Kollegen Ozean­forscher in Bremen über den Erfolg von "Der Ozean­boden – unerforschte Schnitt­stelle der Erde".

Berlin holt mehr Cluster als Bayern

Auch knapp 800 Kilometer weiter südlich dürfen sich Wissen­schaftler als Sieger fühlen. "Ich bin begeistert und gratuliere unseren exzellenten Forscherinnen und Forschern", sagt Professor Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Universität Freiburg. Dort geht es unter anderem darum, Material­systeme zu entwickeln, die ihre Eigen­schaften wie Lebe­wesen ihrer Umwelt anpassen können und ihre saubere Energie dazu aus der Umgebung ernten.

Etwas wehmütiger schaut die Forschung Bayerns aus der weiß-blauen Wäsche. Nur sechs Cluster gehen in den Frei­staat, davon vier gemeinsame an die Münchner Universitäten LMU und TU, ein absolutes Novum. Die Universität Bayreuth darf ihre inzwischen weltweit angesehene Afrika­forschung in einen Exzellenz­cluster über­führen, und in Würzburg wird gemeinsam in einem neuen Cluster mit der TU Dresden die Komplexität in Quanten­materialien erforscht.

Als Erfolgsmodell hat sich die Verbundstrategie der Berliner Universitäten erwiesen. Dort haben die Freie Universität Berlin, die TU und die Humboldt-Universität mit der Charité im Rücken sieben Cluster durch­bringen können – ein bisher nie erreichter Erfolg für die Haupt­stadt. Erforscht wird unter anderem, wie vor dem Hinter­grund immer größerer Datenmengen in den Lebens- und Material­wissen­schaften Mathe­matik die Zukunft gestaltet. Um Despoten und Rechts­populisten geht es in einem weiteren Forschungs­projekt, nämlich um die "weltweiten Heraus­forderungen für liberale Demokratie und Markt­wirtschaft als Ordnungs­modell" – wie die Frage­stellungen vieler anderer Projekte ein sehr spannendes Thema, zu dem man sich wünschte, die Forscherinnen und Forscher würden den Königsweg für die Zukunft unserer Gesellschaft finden – and the winner is: Democracy?


Zurück zur Übersicht.

Zur Startseite.