"Und nun: Die Präpositionen beim Akkusativ!" Im Übungsraum erklingen Gitarre und Keyboard. Es ist früher Nachmittag, zwanzig Studenten beginnen durch den Übungsraum zu tanzen. Laut singen sie zu "54-74-90-2010" der Sportfreunde Stiller. "Ad: zu, an und apud: bei- ante: vor- post: nach- per: durch- fordern alle den vierten Fall", hallt es durch den Raum. Studenten lernen Latein. Seit vier Jahren leitet der pensionierte Lateinlehrer Günter Kaßner in Altenberge bei Münster Lateinkurse in den Semesterferien. Mit unkonventionellen Methoden: "Durch Singen und Tanzen prägen sich die Formen besser ein. Wir setzen hier auf ein Wechselspiel aus konzentrierter Übersetzung und Lockerungsübungen für alle Sinne."Das ungewöhnliche Konzept stammt von Karl-Heinz Graf von Rothenburg, der auch schon Cäsars "Gallischen Krieg" in lateinische Comics verwandelt hat. "Ich habe seit den 80er Jahren Kontakt zu ihm." Im Schulunterricht hatte Günter Kaßner das Konzept zwar nicht oft anwenden können: "Jugendliche schämen sich da immer schnell." Dafür sind die Studenten umso wilder auf den außergewöhnlichen Latein-Kurs.Jeder Kurstag in Altenberge beginnt mit einer meditativen Übung zur Einstimmung und Konzentration. Vor der Mittagspause tragen die Studenten beim "Lernkonzert" zu klassischer Musik noch einmal die neue Grammatik vor und nachmittags werden mit Tanz und Gesang Verben und Formen eingeübt.Die Methode scheint zu funktionieren: "Durch den Tanz konnte ich mir die Formen viel besser einprägen", sagt Katja Schmieden, eine ehemalige Teilnehmerin. Sieben Wochen dauert der Kurs. Danach muss alles sitzen - und in den meisten Fällen tut es das auch. Neben Günter Kaßners "Fundamentum Latinum" bietet noch das Collegium Germanicum in Bochum den Tanz ins Latinum an. Von dort stammen auch der Altenberger Lehrplan und die Materialien für die Studenten. "Vieles habe ich im Laufe der Zeit noch selbst hinzugefügt und ergänzt", erklärt Kaßner. Zum Beispiel eine selbst produzierte Stammformen- CD, unterlegt mit klassischer Musik. "Die können die Studenten dann während der Autofahrt hören. Oder zum Einschlafen. Vieles prägt sich schließlich unbewusst ein." In Münster, Osnabrück und Umgebung hat sich der Kurs inzwischen herumgesprochen. Sogar Studenten aus Dresden und München waren da. "Früher habe ich zwölf Teilnehmer gehabt. Inzwischen sind die zwanzig Plätze pro Kurs schon weit im Voraus belegt." Und das, obwohl der Lehrgang nicht ganz billig ist: Immerhin kostet er 1.000 Euro. "Dafür ist die Quote von denen, die durchkommen, im Vergleich zur Uni wirklich gut", weiß Kaßner.Vorsicht jedoch, wer bei dem Konzept auf den mühelosen Königspfad zum Latinum hofft: Erkaufen kann man sich nichts. Günter Kaßner: "Jeden Samstag kommen meine Studenten zum Klausurenschreiben vorbei, jeden Tag gibt es einen kleinen Test. Übersetzen und lernen müssen wir natürlich trotzdem." Vor dem Prüfungsamt sind schließlich alle Latinums-Kandidaten gleich. Auch wenn einige von ihnen vielleicht kurz die Sportfreunde Stiller summen.Mehr zum Thema :
www.fundamentum-latinum.de
www.germanicum.de