Die Worte "am Ende des Studiums" hatten lange Zeit einen süßen Klang für mich. Fünf lange Studienjahre, um genau zu sein. Nie mehr Seminare auf der Fensterbank verfolgen müssen, weil der Raum zu klein oder die Zahl der Studenten darin zu groß war. Nie mehr um 12 Uhr vor dem verschlossenen Sekretariat stehen, obwohl ich nur einen Schein abholen wollte. Nie mehr die Furcht vorm Exmatrikulationsbescheid, weil der PC des Prüfungsamts auch im zweiten Anlauf meine Anmeldung zur Zwischenprüfung einfach gefressen hat. "Am Ende des Studiums" würde einfach wunderbar sein. Ein Moment wie das Klingeln der Glocke an Heiligabend. Ein neues Kapitel in meinem Leben. Das ist aufregend - und beängstigend.

Doch ganz heimlich hat sich in letzter Zeit ein kleiner Teufel namens Wankelmut in mein Leben geschlichen. Das Leiden auf dem Campus hat bald ein Ende. Und dennoch: Ich werde so einiges vermissen. Gemeinsam mit Freunden den Stundenplan für das kommende Semester festlegen, Nachmittage lang im Café sitzen, Wochenendausflüge von Donnerstag bis Dienstag. Und was erwartet mich stattdessen? Kein kleiner, mintgrüner Studentenausweis mehr in meinem Briefkasten. Nicht mehr billiger ins Kino oder ins Museum gehen, kein vergünstigtes Zeitungsabo. Kein Semester-Ticket mehr und statt teurer U-Bahn-Karte Radfahren und lange Märsche auch im Schneesturm.

Und vor ein paar Tagen dann das: "Ihr ganz persönliches Einzelangebot für Berufsunfähigkeitsversicherung". Berufsunfähigkeit? Ich habe ja noch nicht mal einen Beruf. Doch die harte Realität der Arbeitswelt rückt unerbittlich näher. Bald bin ich nicht mehr bei meinen Eltern mitversichert, bald habe ich keine bequeme private Krankenversicherung mehr, mit der ich beim Arzt immer als erstes drankomme. Auf meinem Kontoauszug sehe ich stattdessen schon jetzt Posten wie "Lebensversicherung" und "Haftpflichtversicherung".

Und so sitzt der Wankelmut, dieser kleine Teufel, seit einigen Wochen auf meiner Schulter und erinnert mich an all die nicht-mehr-Uniparties, nicht-mehr-Semesterferien, nicht-mehr-Studentenjobs. Ich trotze ihm: Endlich darf ich dann machen, was ich will! Noch nicht, grinst er mich an, noch nicht eigenes Geld verdienen, noch nicht die eigene Wohnung einrichten, noch nicht die rasende Reporterin sein. Er lacht auf und verschwindet.

So ist es also "am Ende des Studiums". Ein Zustand des seltsamen Dazwischen, der sich nur für einen Augenblick gut anfühlt. Ja, ich werde sie vermissen, die Uni. Doch jetzt bringe ich den Rest hinter mir. Und dann geht es richtig los.