Inge Kutter verlässt Paris, ihr Erasmusjahr ist zu Ende. Mit schwerem Herzen sagt die Münchner Studentin und Kolumnistin Lebewohl

Mein Erasmussemester in Paris ist vorbei. Zum letzten Mal habe ich soeben die Glastür der Université Panthéon-Assas passiert, übrig bleibt ein "Bon courage!" meiner französischen Freunde für die Heimreise. Diesen Mut werde ich brauchen: Meine Koffer und mein Herz sind so schwer von Mitbringsel und Abschiedsschmerz, dass ich sie beide kaum zum Gare de l’Est schleppen kann.

Bevor ich allerdings so weit war, galt es viel zu organisieren, Abschied zu nehmen und vor allem einzupacken. Vor allem bei den Soldes , dem Pariser Winterschlussverkauf, konnte ich mich kaum zurückhalten. Erst nach mehrmaligem Daraufsetzen konnte ich meine Koffer schließen – und musste dann feststellen, dass immer noch viele Habseligkeiten daneben lagen. Pas de problème , denn dank Kurierdienst sollte auch dieser Haufen heil in der Heimat ankommen. Leichter gesagt als getan.

Die Gewichtsbeschränkung des Boten lag bei 30 Kilo, was ich aber ohne Waage nicht kontrollieren konnte. Deswegen stopfte ich einfach alles in eine riesige karierte Tasche, die ich bei einem Straßenhändler erstanden hatte. Doch riesig ist hier wohl nicht groß genug, denn der Reissverschluss platzte. Also wickelte ich einfach eine ganze Rolle Paketklebeband darum und rollte das Bündel die Wendeltreppe hinunter in den Hof.

Der Gepäckbote wartete bereits. Eher schmächtig, brach er unter der Last fast zusammen: "Das ist viel zuviel, Mademoiselle !", schnaubte er, während er den Klebebandklumpen auf die rechte Schulter hievte. Ich bekam Bange. "Kann ich Ihnen vielleicht... etwas Trinkgeld...", fragte ich vorsichtig. Doch er ächzte schon fluchend zum Tor. "Das nächste Mal können Sie sehen, wo Sie bleiben, Mademoiselle !", rief er mir nach, "Da weigere ich mich! Je vous refüüüse! " Das Tor fiel ins Schloss.

Erleichtert atmete ich auf, beschwingt ging ich zurück in meine Dachkammer. Ich trat ans Fenster und blickte hinunter auf die Rue du Bac . Melancholie packte mich. Ach, Paris, wie werde ich dich vermissen! Die Stadt, mit der ich anfangs so gehadert habe – sie ist mir ein Zuhause geworden. Ich werde den Straßenlärm vermissen und das Dicht-an-Dicht der Dächer. Vor allem aber wird mir Lars fehlen, der schwedische Musikstudent.