Imagebroschüren, ein DVD-Player für 842 Euro, Sportgeräte und ein verschönerter Internet-Auftritt - viele Hochschulen meinten, die Gebühren von 500 Euro pro Semester und Student gut investiert zu haben. Doch mit der Verwendung der bereits gezahlten Campus-Maut für steigende Energiekosten, Marketingmaßnahmen und zum Stopfen von Haushaltslöchern begehen Universitäten etwa in Göttingen, Ulm, Dortmund, Aachen oder Osnabrück Betrug an ihrer eigenen Klientel.
Unis in Deutschland: Gelder verschwendet, Vertrauen verspielt© Barbara Sax/AFP/Getty Images/Montage ZEIT online

Viel wurde den Studenten von Bildungsministern, Hochschulpräsidenten und Gebührenbefürwortern versprochen. Mit überfüllten Vorlesungssälen, spärlich bestückten Bibliotheken und verschlampten Hausarbeiten sollte endlich Schluss sein. Mehr Bücher, mehr Lehrkräfte, mehr Service am Akademikernachwuchs - die Campus-Maut sollte es richten.

Doch davon ist man gegenwärtig weit entfernt. Durch den Missbrauch der Gebühren gefährdet man die wichtigsten Ziele der derzeitigen Wissenschaftspolitik, die mit Studiengebühren, der Exzellenzinitiative und mehr Wettbewerb auch bei der Lehre eine Trendwende an deutschen Hochschulen einzuleiten versuchte. Sie wäre bitter nötig. All der Staub, der auf Universitäten, Professoren und einer arg verkrusteten Hochschulverwaltung liegt, muss mit frischen Ideen und neuen Initiativen hinweggespült werden. Doch das funktioniert nicht ohne die Mithilfe und vor allem das Vertrauen der Studenten. Sie sind unmittelbar betroffen, denn sie zahlen für eine gute Lehre, von der ihre Zukunfts-Chancen abhängen.

Gebührengelder sind keine üblichen Haushaltsmittel, die den Universitäten zur Verfügung stehen, um laufende Kosten zu decken. Sie sind Mittel von Studenten, die allein für Projekte und Anliegen der Studenten verwendet werden dürfen. Mit den Gebühren sollte man also vorsichtig umgehen, die Studierenden, immerhin zahlende Kunden ihrer Alma Mater, über die Verwendung der Mittel gut informieren. Schließlich ist es ihr Geld, das sie zur Verbesserung der Studienbedingungen und der Lehre genutzt wissen wollen.

Dazu gehören etwa zusätzliche Tutorien oder längere Öffnungszeiten von Bibliotheken. Auch DVD-Player oder Beamer können von der studentischen Finanzspritze bezahlt werden - falls damit konkrete Projekte von Studenten oder Seminararbeiten gezielt unterstützt werden. Gebäudeaufstockungen, zusätzliche Verwaltungsmitarbeiter oder Altbestände wie internationale Begegnungszentren, für die Drittmittel wegbrechen, gehören eindeutig nicht dazu.

Längst ist der Eindruck entstanden, dass die Politik und die Hochschulen nur abkassieren wollen, ohne dafür adäquate Gegenleistungen zu erbringen. Das darf nicht sein. Jede Kritik, jeder Protest und jede Verfassungsklage dagegen ist berechtigt. Wie die Studentengelder verwendet werden, muss transparent sein und kontrolliert werden, daran führt kein Weg vorbei. Die Universitäten in Hamburg, Lüneburg und Bochum beispielsweise gehen hier vorbildlich voran. Dort gibt es Gremien und Regelwerke, welche die Verteilung und Verwendung der Gebühren genauestens regeln.

So verbietet etwa die Gebührensatzung der Bochumer Ruhr-Uni, "Bau- und Instandhaltungs- sowie Gebäudesanierungsmaßnahmen, Energie- und Mietkosten" aus den Studienbeiträgen zu finanzieren. Dafür stellt der Staat Extramittel zur Verfügung, und das soll auch so bleiben.