Das Sommersemester 2007 rückt näher und damit drohen in sechs Bundesländern 500 Euro an Studiengebühren pro Semester und Student. Viele Studierende können sich das nach eigenen Angaben nicht leisten und stellen deshalb Befreiungsanträge bei der Uni. Die wenigsten haben Aussicht auf Erfolg. Doch es gibt eine Gruppe, die gute Chancen hat, an der Bezahlung von Gebührengeldern vorbei zu kommen: die Stipendiaten.

Bundesweit gibt es derzeit rund 14.000 Stipendiaten, die nun auf Drängen der großen deutschen Stiftungen wie etwa der Studienstiftung des Deutschen Volkes oder der Konrad-Adenauer-Stiftung von den Studiengebühren befreit werden sollen. An mindestens zehn Universitäten hatten die Stiftungen damit bereits Erfolg: Begehrte Hochschulen wie Freiburg, Passau oder Konstanz wollen Stipendiaten auf Antrag die 500 Euro erlassen.

Andere Unis wie die beiden Münchner Elite-Hochschulen, die Ludwigs-Maximilian Universität (LMU) und die TU München, üben sich in dagegen in Zurückhaltung. Ein Grund dafür ist die Definitionsschwierigkeit. "Angesichts der großen Zahl an Stiftungen, fiele es schwer zu entscheiden, wen wir befreien", sagt Luise Dirscherl, Pressesprecherin der LMU. Trotz der Vorsicht hat sich die bayerische Vorzeige-Uni jedoch ein Hintertürchen offengehalten: Auch sie möchte Studenten, die herausragende Leistungen bringen, fördern. Doch tut sie dies nach eigenen Kriterien: So befreit sie 10 Prozent der Absolventen mit den besten Abschlussnoten. Diese bekommen dann nach ihrem Abschluss das Geld, das sie während ihres Studiums bezahlt haben, wieder zurück.

In Tübingen wiederum suchen Stipendiaten des katholischen Cusanuswerks zur Zeit selbst das Gespräch mit der Uni-Führung. Ihre Argumentation: Im benachbarten Freiburg werden Stipendiaten befreit. "Da besteht die Gefahr, dass Begabte dorthin abwandern", sagt Nikola Wiegeler, Rhetorikstudentin und Cusanus-Stipendiatin. In einem solchen Fall drohe ein Qualitätsverlust in Tübingen.