Das Landgericht Paderborn ist ganz sicher nicht das Zentrum deutscher Gerichtsbarkeit. Doch für Christoph Hillebrand und dessen juristische Ausbildung ist es derzeit das Maß aller Dinge. Seit sechs Wochen ist der 25-Jährige als Rechtsreferendar am Landgericht und damit auf gutem Weg, später einmal ein echter Volljurist zu werden. Denn ähnlich wie Lehrer müssen angehende Juristen in einem Referendariat zunächst zwei Jahre Praxiserfahrung sammeln, ehe sie wirklich in den Beruf einsteigen dürfen.

Hillebrand darf zunächst einem Zivilrichter über die Schulter schauen, weitere Stationen bei einem Strafrichter, der Staatsanwaltschaft, der Verwaltung sowie bei einem Rechtsanwalt folgen. "Das ist schon etwas anderes als im Studium", sagt er, "Akten statt Lehrbücher, Klageschriften statt Klausuren." Doch damit soll bald Schluss sein. Zumindest wenn es nach dem Willen der Justizminister aus Sachsen und Baden-Württemberg geht.

Denn die Minister Geert Mackenroth (Sachsen) und Ulrich Goll (Baden-Württemberg) wollen die deutsche Juristenausbildung radikal umkrempeln und haben kürzlich ihre Vorschläge in Stuttgart vorgestellt. Kernpunkte der angedachten Reform: Das Referendariat soll abgeschafft und das Staatsexamen durch die Abschlüsse Bachelor und Master ersetzt werden. Damit greifen die Politiker ein hochsensibles Thema auf. Denn die deutsche Juristenausbildung gilt zwar als eine der besten und gründlichsten der Welt, aber dennoch als reformbedürftig.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Ausbildung an der Universität und im Referendariat noch immer stark auf das Richteramt zugeschnitten. Das jedoch steht im krassen Widerspruch zur Wirklichkeit, denn derzeit können nur weniger als zehn Prozent eines Jahrgangs auch tatsächlich Richter werden. Über 80 Prozent beantragen hingegen nach dem zweiten Staatsexamen eine Zulassung als Rechtsanwalt. Anwaltsverbände fordern deshalb schon seit Langem eine Umorientierung in der Ausbildung. Zum anderen scheint das traditionelle Ausbildungsziel des "Einheitsjuristen", der in allen Rechtsgebieten bewandert ist, ziemlich veraltet. Denn der Umfang und die Komplexität des Rechts steigen ständig und Spezialisierungen sind gefragt. Kritisiert wird auch der deutsche Sonderweg des Staatsexamens, der insbesondere eine internationale Vergleichbarkeit von Studienabschlüssen behindert.

Das "Stuttgarter Reformmodell" beispielsweise setzt deshalb auf eine straffe Universitätsausbildung mit Praxisbezug. Nach den neuen Plänen können Studierende nach dem sechs-semestrigen Bachelor-Abschluss - der auch als Grundlage für den Master in verwandten Fachrichtungen dienen soll - noch ein juristisches Masterstudium von vier Semestern anschließen. Ziel der neuen Ausbildung soll vor allem sein, dass sich die Master-Absolventen schnell in alle möglichen juristischen Berufe einarbeiten können, insbesondere in den Anwaltsberuf.