Es ist schwül in dem Dachgeschossraum im alten Gebäude der Hoogeschool Zuyd in Maastricht. Hier, im Herzen der Euregio, der Dreiländerregion aus Belgien, Deutschland und den Niederlanden, versuchen Studenten unterschiedlicher Herkunft an einem Strang zu ziehen: "Manchmal kommt es mir ein bisschen vor wie eine Art euregionales Experiment", findet die Studentin Jessica Dobrinski. Denn der Ansatz ihres Studiengangs "Communication and Multimediadesign" (CMD), im Hauptstudium niederländische, belgische und deutsche Studenten zusammenzuführen, ist völlig neu. Die ein oder andere kulturelle oder organisatorische Barriere muss da erst noch überwunden werden.

So finden einige Fächer auch während des Hauptstudiums noch in Deutschland statt. Denn das niederländische Studiensystem ist in vier Studienabschnitte (Quartester) geteilt, die nicht mit den deutschen Semestern parallel liegen. Zudem ermöglicht das neue Bachelor-/Master-System zwar den problemlosen Wechsel nach Maastricht. Einen speziell auf den Bachelor-Studiengang "CMD" zugeschnittenen Master gibt es jedoch bisher nicht, sodass sich die Studierenden für einen Masterstudiengang in einem der verschiedenen Schwerpunktfächer ihres Studiums entscheiden müssen.

Auch mit verschiedenen Mentalitäten haben die Lehrenden und Studierenden zu kämpfen. "Obwohl wir nur wenige Meilen voneinander entfernt leben, denken wir doch ganz unterschiedlich", beschreibt der belgische Dozent Frans Ritzen die Situation. Die niederländische Studentin Fleur Dressen kennt die gängigen Klischees: "Die belgischen Studenten haben mehr Respekt vor den Dozenten als wir Niederländer." Die Deutschen hätten dagegen den Ruf, sehr funktional zu handeln. "Die Niederländer nehmen ihr Studium sehr locker", hält die deutsche Studentin Maria Seeleitner dagegen, "sie geben ihre Projekte immer erst in letzter Minute ab."

Auch die Voraussetzungen, die die Studierenden aus dem Grundstudium mitbringen, sind sehr unterschiedlich. "Bei den technischen Aufgaben ist es ein großer Vorteil, Niederländer im Team zu haben: Die meisten von ihnen sind besonders fit im Programmieren", meint die Studentin Stephanie Bieker. Denn beim Grundstudium in Heerlen wird hier offensichtlich ein Schwerpunkt gesetzt. Wenn es um Kommunikation geht, hätten aber die Deutschen die Nase vorn: "Zusätzlich zu den Vorlesungen zur Medientheorie haben wir auch Rhetorikübungen und ein reales PR-Projekt durchgeführt." Darüber hinaus führte Bernd Mathieu, Chefredakteur des Aachner Zeitungsverlags, die Studenten an das journalistische Texten heran.

Bei allen Hürden, die der neue länder- und fächerübergreifende Studiengang mit sich bringt, sind sich die Beteiligten einig, dass sich die Mühe lohnt. Die verschiedenen Vorkenntnisse bringen auch Vorteile für die Studenten. "Dadurch können wir auch größere Projekte realisieren. Denn jeder kann seine Stärken einfließen lassen", sagt der belgische Student Jan Casier. Und ganz nebenbei lernen die Studenten, teamfähig zu agieren.

Großer Wert wird daher auch auf die fachübergreifende Gruppenarbeit gelegt. Dabei müssen die Studenten die vier Studienschwerpunkte Kommunikation, Design, Technik und BWL miteinander verknüpfen und praktisch anwenden. Dieses Jahr erstellten sie im Fach Audio/Video jeweils in kleinen Gruppen einen Kurzfilm. Nicht nur das Drehbuch schrieben sie dabei selbst. "Wir mussten alles, was wir über Beleuchtung, Ton, und Kameraführung gelernt haben, praktisch umsetzen", erzählt die deutsche CMD-Studentin Judith Runkel: "Das ist was ganz anderes, als es nur auswendig zu lernen. Bei den Dreharbeiten hatten wir wahnsinnig viel Spaß!" Bearbeitet wurde der Film im Audio-Video-Labor, wo jeder Student seinen eigenen Schnittplatz hat. "Das Schneiden war viel mehr Arbeit, als ich gedacht hätte", versichert Student Benjamin Pfalzgraf. Am Ende hätten sich die durchgearbeiteten Nächte aber gelohnt: "Es motiviert einen sehr, dass man am Ende ein fertiges Produkt in der Hand hält."