Angefangen hat alles 1950: In Ilmenau trafen sich ein paar Ingenieur-Studenten und bastelten sich eine notdürftige Betriebsfunkanlage. Damit sendeten sie jeden Tag in den Pausen kurze Radiosendungen in die Klassenräume ihrer Fachschule. Die Kommilitonen waren begeistert. In den Seminarpausen Radio hören, das war spektakulär.

Heute hat fast jede Unistadt ein Uniradio. Die Sender haben sich meist noble Ziele auf die Fahnen geschrieben. Ihr Programm soll sich von kommerziellen Radios unterscheiden, eine Plattform für Studenten und vor allem Ausbildungsradios sein, bei denen jeder während des Studiums journalistische Erfahrungen sammeln kann. Für die Radiomacher bedeutet das eine Menge ehrenamtlicher Arbeit. Doch wie steht das Zielpublikum dazu? Hören Studenten überhaupt ihr Campusradio und nutzen seine Angebote?

"Ich wusste gar nicht, dass es hier so etwas gibt", sagt Hennes Dahmen. Er studiert Mathe und Physik an der Freien Universität Berlin. Der 24-Jährige ist zwar in der Hauptstadt aufgewachsen, "aber von einem Uniradio hab ich noch nie gehört. Vielleicht weil ich mich generell nicht sehr für Radio interessiere. Die spielen einfach nicht meine Musik". Vielleicht liegt es auch daran, dass das Berliner Hochschulradio seit zwei Jahren nur noch von 19 bis 20 Uhr auf dem offenen Kanal zu hören ist. "Ich habe keine Lust, für eine Stunde das Radio umzustellen", erklärt seine Begleiterin. "Campussender müssten eine eigene Frequenz haben oder in einem Programm unterkommen, das sowieso ein junges Zielpublikum hat".

Genau das hatte man in Berlin versucht. 1996 schlossen sich zwölf Berliner Hochschulen in einem Trägerverein zusammen und bekamen schließlich von der Landesmedienanstalt eine siebenjährige Lizenz. Zwei Stunden täglich sendeten sie mit Voice Of America und Star FM auf der Frequenz 87,9 Mhz. Doch ab 2003 ging es bergab: Neun Hochschulen gefiel das Programm nicht mehr und sie traten aus dem Verein aus. Das Uniradio wurde auf den offenen Kanal verlegt und viele Sendungen, vor allem Musiksendungen wurden gestrichen. "Dabei ist Musik so wichtig. Sie macht Uniradios im Vergleich zu kommerziellen Sendern, zu etwas Besonderem", erklärt Andreas Meske, Vorstandsmitglied von Hochschulradio Düsseldorf e.V.

Viele Studenten stimmen dem zu. "Man braucht schon deshalb ein Uniradio, weil da kein Mainstream-Kram läuft", findet etwa Medizinstudent Axel Tenter. "Auch Hochschulpolitisches erfährt man sonst nirgends. Ob jeden Tag der Mensaplan vorgelesen werden muss, darüber kann man sich streiten. Aber es ist toll, dass zum Beispiel unbekannte Bands vorgestellt werden."

Da die Düsseldorfer oft Konzerte von solchen Bands präsentieren, ist ihr Sender auch unter Nicht-Studenten bekannt. Eine Marke ist das Hochschulradio deswegen aber noch lange nicht. "Ich kenne das gar nicht - und das geht vielen meiner Freunde so", behauptet Medizinstudentin Kira Pohlmeyer. "Vielleicht sollten die mal ein paar Veranstaltungen auf dem Campus aufziehen, um die Leute anzulocken."

Seit 2000 ist das Hochschulradio auf Sendung. Es sendet es täglich live auf der eigenen Frequenz 97.1 MHz und hat sich Sponsoren und Medienpartner geangelt "Über Resonanz können wir uns nicht beschweren", sagt Andreas Meske. "Wir bekommen viele Anrufe bei Gewinnspielen oder weil Leute gezielt nach ganz bestimmter Musik fragen". Wie viele Studenten wirklich Unradio hören, wurde allerdings noch nie untersucht, weder in Düsseldorf noch in Berlin. Die Kosten für solche Erhebungen sind zu hoch.