Was sie später einmal machen will, das weiß Antonia Mehnert, 24, noch nicht so genau. "Am liebsten irgendwas in Richtung Kulturmanagement, aber auch Entwicklungshilfe interessiert mich sehr". Dass sie, egal was es sein wird, inzwischen gut darauf vorbereitet ist, das weiß sie aber. Schließlich ist sie gerade dabei, ihr Amerikanistik-Studium an der Universität Potsdam abzuschließen und hat ihre erste Abschlussprüfung schon mal mit einer sehr guten Note bestanden. Aber sie hat noch etwas, das nur wenige Studenten vorweisen können.

Gemeinsam mit sieben Kommilitonen hat die Studentin ein berufsvorbereitendes Seminar an ihrer Universität organisiert. "Mich hat einfach gestört, dass man als Geisteswissenschaftler in der Uni immer nur den theoretischen Hintergrund bekommt. Die praktische Ebene fehlt total. Man weiß am Ende seines Studiums gar nicht, welche Berufsmöglichkeiten es eigentlich gibt". Auch der ständige Rechtfertigungsdruck nervte sie. "Auf jeder Familienfeier wird man gefragt, was man mit einem Magisterabschluss eigentlich machen will." Also schloss sie sich mit ihren Kommilitonen zusammen, gründete die Gruppe "Americonomy" und rief ein Seminar mit dem Titel "Most likely to succeed" ins Leben.

Im Sommersemester sollten die Studenten einmal wöchentlich zwei Stunden lang alles über Bewerbungsmappen, Vorstellungsgespräche und mögliche Berufsfelder lernen können und dafür am Ende sogar einen Schein bekommen. "Das Feedback der Studenten war sehr gut. 15 bis 20 Studenten nahmen regelmäßig teil und alle haben mir gesagt, dass sie sich total freuen, dass so etwas endlich einmal angeboten wird."

Die Sitzungen wurden meist von Experten gehalten, wie Mitarbeitern der Bundesagentur für Arbeit oder Menschen aus Kultur, Wirtschaft und Politik. "Die Experten sind alle umsonst gekommen. Wir können denen ja als studentische Gruppe keine Aufwandsentschädigung zahlen, aber sie fanden es selbst wichtig, den Geisteswissenschaftlern einmal Mut zu machen. Das finde ich toll." Antonia selbst war bei allen Sitzungen dabei und hat viel mitgenommen aus dem Seminar. "Als erstes habe ich mal meinen Lebenslauf überarbeitet."

Dass die konkrete Berufsvorbereitung sehr wichtig ist, weiß man auch am Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) . Schon 2002 veröffentlichte das gemeinnützige Zentrum, dass sich als eine Art Reformwerkstatt für die deutschen Hochschulen versteht, eine Umfrage, deren Ergebnis nachdenklich macht. Studenten fast aller Fachrichtungen bewerteten die Unterstützung beim Übergang in den Beruf als unzureichend. Schlusslicht der Umfrage war die Anglistik mit der Note 3,8. Die Berufsvorbereitung werde von den Universitäten stiefmütterlich behandelt, so das CHE.

Heute, rund fünf Jahre später, hat sich nicht allzu viel getan, sagt Petra Giebisch, Mitarbeiterin des CHE. Sie hat vor kurzem eine neue Studie durchgeführt, in der die Vorbereitung auf das Berufsleben in den wirtschaftswissenschaftlichen Bachelor-Studiengängen überprüft wurde . Das Ergebnis: Nur 18 von 139 Studiengängen erhielten die bestmöglichen fünf Sterne . Die Maßnahmen von zwanzig Prozent der geprüften Studiengänge wurden sogar als unzureichend eingestuft. "Bei einigen Studiengängen, insbesondere an Fachhochschulen, ist die Vorbereitung auf das Berufsleben inzwischen sehr gut in den jeweiligen Studienordnungen enthalten", sagt Gliebisch, "aber bei sehr vielen anderen Studiengängen gibt es noch großen Nachhol- und Umsetzungsbedarf".

Die wichtigste Maßnahme sei die Einrichtung so genannter "Career Centers", wie es sie auch in England gebe. Das hatte das CHE schon 2002 dringend empfohlen. Und tatsächlich fand man Gehör. Zahlreiche deutsche Universitäten haben inzwischen Career Centers gegründet und die Zahl dieser Einrichtungen auf insgesamt 75 hochgetrieben. Noch 2002 schlossen sich 20 davon im "Career Service Netzwerk Deutschland" (CSND) zusammen, inzwischen sind es dort 56.