"Sie sind Computerspiel- Forscher? Wofür kriegen denn Ihre Studenten die Scheine? Fürs Daddeln?" Solche Fragen hört Maic Masuch immer wieder, seit Jahren. Der junge Mann ist Juniorprofessor für graphische und interaktive Methoden für Computerspiele an der Universität Magdeburg, kurz: einer der ersten Professoren in Deutschland für Computerspiele. Wie wirken Computerspiele auf die Persönlichkeit? Warum machen sie Spaß? Werden die Spieler auf die Dauer aggressiv? Diese und ähnliche Fragen versuchen die Forscher zu beantworten, ein weites Feld.

Die Wissenschaft steckt noch in den Kinderschuhen, von einem Fach "Computerspielwissenschaft" sind die deutschen Universitäten noch weit entfernt. Ganz anders in den USA - dort gibt es schon dutzende Professoren, die die Wirkung und die Gestaltung der PC-Welten untersuchen. Auch die deutsche Szene wächst. Sie kämpft um Anerkennung - und streitet sich nebenbei über die richtige Art der Forschung.

Wenn Masuch, derzeit als Gastdozent an der Duke University in North Carolina auf den Fluren der Uni seinen amerikanischen Kollegen begegnet, wird er manchmal neidisch, sehr neidisch. "Da geht ein Geld rein", staunt er, "da könnte ich heulen." Masuch kann direkt vergleichen. Auf beiden Seiten des großen Teiches macht sich seit einigen Jahren eine junge Generation von Forschern daran, ihr Jugendhobby mit wissenschaftlich belastbaren Methoden zu erforschen. "Wir sind fast alle ehemalige Spieler", sagt Masuch. Ihnen schlägt an vielen Traditionsuniversitäten Skepsis entgegen, manchmal sogar unverhohlene Feindseligkeit, als sei die Computerspielforschung eine halbseidene Sache. Verdienen Computerspiele es überhaupt, wissenschaftlich analysiert zu werden?

"Ja", meint Maic Masuch, der an einer Universität lehrt, die früh erkannte, welche positiven Folgen die Computerspielforschung für den Fachbereich Informatik hatte. "Meine Uni in Magdeburg ist da durchaus Vorreiter gewesen", sagt Masuch. Aus den regelmäßigen Gesprächen mit seinen Forscherkollegen weiß er, dass viele Universitäten dem neuen Forschungsgebiet nur sehr zögerlich Zutritt gewähren. "Man schreibt die Stellen sehr traditionell aus, so dass die Computerspielforschung höchstens ein Randaspekt ist", sagt Masuch.

In der Computerspielforschung kommen alle zusammen - Geisteswissenschaftler, Psychologen, Informatiker, Kommunikations- sowie Medienwissenschaftler und Betriebswirte. Unterschiedliche Methoden und Ansichten treffen aufeinander, wenn sich die Computerspielforscher - derzeit rund 50 in Deutschland - begegnen. "Wir wurden alle in traditionellen Disziplinen sozialisiert", sagt Christoph Klimmt vom Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung an der Hochschule für Medien und Theater in Hannover. "Doch die Zahl der Wissenschaftler, die sich mit Computerspielen beschäftigen, steigt rasant", meint Klimmt.

Die Wissenschaftler fachsimpeln miteinander, veranstalten Kongresse und schreiben gemeinsam Aufsätze. "Man darf sich das trotzdem nicht wie eine eigene Wissenschaft vorstellen", sagt Klimmt. Spreu und Weizen haben sich noch nicht getrennt. Der Begriff der Game Studies, den manche verwenden, ist eher ein Fantasiekonstrukt denn eine echte Fachbezeichnung. Studieren kann man die Game Studies noch nirgendwo. Es gibt zwar die Games Academy in Berlin, sie bietet aber keinen wissenschaftlichen Abschluss an. Die FH Stuttgart veranstaltet den Studiengang Digitale Medienproduktion und Game Design, hier liegt der Schwerpunkt jedoch eher auf der Gestaltung von Computerspielen.

Dass die Forscher aus so vielen verschiedenen Fachbereichen kommen, ist Vorteil und Nachteil zugleich. Jeder hat einen anderen Zugang zu den Spielen, aber richtig interdisziplinär arbeiten nur wenige, meint Klaus Jantke, Professor für Multimediale Anwendungen an der Universität Ilmenau. "Wir müssen über den grünen Tisch hinaus kommen", kritisiert er.