Ein Konferenzraum in Köln. Glänzende Holztische, eine breite Fensterfront, verchromte Drehstühle, Flipcharts voller Stichworte, Pfeile und Kreise. Mittendrin steht Matthias Graef, gestikuliert und diskutiert. 28 Augenpaare richten sich auf ihn. Es geht um "Chief Financial Officer of the Future", kurz CFO, ein Spiel mit dem Schüler und Studenten, die sich der Tragweite wirtschaftlicher Entscheidungen bewusst werden sollen. "Mit diesem Onlinespiel lassen wir die Schüler anhand von sechs Entscheidungen die Unternehmensentwicklung von Google nachspielen", erläutert Matthias Graef.

Der 21-jährige BWL-Student und seine Mitstreiter engagieren sich bei SIFE , einer Organisation, die weltweit an mehr als 1800 Hochschulen vertreten ist. 28 BWLer, VWLer, Soziologen und Wirtschaftspädagogen bilden das Kölner Team der "Students in Free Enterprises", die in ihrer Freizeit Projekte wie das CFO-Spiel entwicklen und so ihr Fachwissen einbringen können. "Jetzt sehe ich die Theorie des Studiums in einem anderen Licht", sagt Simone Oehmen, wie Graef ebenfalls im Kölner SIFE-Team. "Denn jetzt weiß ich, dass ich sie für die Praxis unbedingt brauche."

Einmal im Jahr treffen sich die deutschen SIFE-Gruppen zu einem Nationalen Wettbewerb. Dort treten sie mit ihren Wirtschafts- und Sozialprojekten gegeneinander an; der Gewinner darf schließlich zum Worldcup nach New York fahren. So wie das Spiel CFO der Kölner ist auch das Projekt "Business for Women" mit im Rennen. Jungen Existenzgründerinnen soll der Schritt zur Selbstständigkeit mit Hilfe eines Businessplans, durch Hilfe bei der Abrechnung oder der Steuererklärung erleichtert werden. Zu diesem Zweck wird ein Workshop in Kooperation mit einer Unternehmensberatung angeboten und das Handwerkszeug für eine Unternehmensführung vermittelt.

SIFE generell und die eventuell ausgeschriebenen Preise der einzelnen Projekte - die jungen Gewinner des Kölner CFO-Spiels erhalten beispielsweise einen iPod - sind gesponsert. Große Unternehmen fördern SIFE und die vielen Teams natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken. "Studenten, die sich während des Studiums bei SIFE einbringen, zeigen eine höhere Sozialkompetenz, eine ausgeprägte Offenheit und Internationalität", sagt etwa Peter Florenz, Leiter des Vorstandsbüros von Henkel. Der frühe Kontakt zu Studenten mit diesen Kompetenzen hilft den Sponsoren sehr bei der Suche nach erfolgversprechendem Business-Nachwuchs.

Die Vorteile bestehen natürlich auch für die andere Seite. "Die Arbeit in Unigremien oder der Fachschaft wäre für mich nicht interessant", erklärt BWL-Student Matthias Graef sein Engagement für SIFE. "Da wird mir zu viel Stimmungsmache betrieben und man sieht zu wenig Ergebnisse". Für viele Studenten sind die Kontakte zu großen nationalen und internationalen Unternehmen die Belohnung für ihre Arbeit - auch für Michael Hagemann, der auf diese Weise einen Praktikumsplatz in Barcelona ergattern konnte. "Als SIFE-Student wird man gezielt von Firmen für sogenannte Huckepack-Praktika angesprochen", erklärt er. Nacheinander hospitiere man bei ganz unterschiedlichen Unternehmen, ein bundesweiter Email-Verteiler helfe bei der Rekrutierung und Bewerbung gleichermaßen.

Kann man dieses Konzept auch kritisch sehen? "Kann man, muss man aber nicht", meint Claudia Loebbecke, Professorin für Allgemeine BWL und Medienmanagement an der Universität zu Köln. "Vorsicht wäre nur dann geboten, wenn große Firmen nicht Wettbewerbe, sondern einzelne Projekte fördern würden, die den Wettbewerb verzerren. Das ist hier aber nicht der Fall". Auch für das Studienengagement der SIFE-Mitglieder sieht Loebbecke keine Nachteile. Zwar reiche ein "mitmachen einfach nur mal so" aufgrund der Professionalität der Projekte nicht aus, doch "diejenigen, die bei derartigen Wettbewerben Erfolg haben, haben meist auch gute Noten", ist ihre Erfahrung. Bei entsprechendem Elan und zeitlichem Einsatz sei die Arbeit vielmehr ein "sehr schönes Mosaiksteinchen" für die Karriere.

Die Unternehmensberatung ist die häufigste Antwort auf die Frage nach dem späteren Berufswunsch. Nicht jedoch des Geldes wegen, wie immer wieder betont wird. "Es ist eben spannend, von außen an ein Unternehmen heranzutreten und es zu optimieren", sagt Johannes Hill, Präsident der SIFE-Gruppe in Köln. Gesucht würden bodenständige, bescheidene Leute, die projektbezogen und unter Zeitdruck arbeiten könnten. Genau das lerne man bei SIFE. Durch ein Projekt hat er beispielsweise an einem Austausch mit polnischen Wirtschaftsstudenten teilnehmen können, "Möglichkeiten, die man nur durch SIFE bekommt".