Gegen einen Juraprofessor wurde wegen Bestechlichkeit in 78 Fällen Anklage erhoben. Der 52-Jährige soll Doktortitel gegen Bezahlung und bessere Noten gegen Sex vergeben haben.

Der ehemalige Hochschullehrer der Leibniz Universität Hannover sei am Donnerstagmorgen in Hamburg verhaftet worden, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Lendeckel in Hannover. Er soll Juristen aus ganz Deutschland, die nicht über die erforderlichen Examensnoten verfügten, zum Doktortitel verholfen haben. Darüber hinaus habe er Klausuren und Hausarbeiten von zwei mitangeklagten Studentinnen gegen Sex besser benotet. Angeklagt sind auch zwei Geschäftsführer einer Beratungsfirma aus Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen), die Promotionen vermittelt. Ihnen wird Bestechung in 69 Fällen vorgeworfen.

Die Vorwürfe sind massiv: Insgesamt 185 Seiten umfasst die Anklage, die bereits Mitte Juli vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Hildesheim erhoben wurde. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, wurde die Öffentlichkeit erst jetzt informiert. Die Wissenschaftsberatungsfirma soll dem Professor insgesamt etwa 184.000 Euro dafür bezahlt haben, dass er die Dissertationen ihrer Kunden begutachtete. Möglich wurde dies, indem er sich Ausnahmegenehmigungen der Juristischen Fakultät beschaffte.

Der Hochschullehrer erhielt laut Anklage ein Erfolgshonorar von 4100 Euro für jeden Kandidaten, wobei die erste Rate nach Annahme zur Promotion und die zweite Rate bei Erfolg gezahlt wurde. "Viele Kunden waren Anwälte, die sich offenbar aus Eitelkeit oder zur Karrierebeförderung mit einem Doktortitel schmücken wollten", sagte Lendeckel.

Die Universität war durch Beschwerden von Studentinnen, die sich nicht von ihm prüfen lassen wollten, auf das seltsame Treiben des Doktorvaters aufmerksam geworden. Die jungen Frauen hatten sich an das Justizprüfungsamt des Landes gewandt. Sie wollten nicht in den Verdacht geraten, gute Noten mit sexuellen Diensten bezahlt zu haben.

Weitere Hinweise gab ein Doktorand, dessen Promotion schleppend voranging. Dieser legte nach Angaben der Hochschule im Dekanat ein Beweismittel vor - einen dubiosen Promotions-Vertrag mit geschwärzten Namen. Im November 2004 stellte die Hochschule dann Strafanzeige gegen den Juraprofessor.

Mittlerweile hat ihm die Universität ein Hausverbot erteilt und die Weiterführung seiner Dienstgeschäfte untersagt. Ein Disziplinarverfahren wurde eingeleitet. Zudem änderte die Juristische Fakultät ihre Promotionsordnung. "Zukünftige Doktoranden müssen unterschreiben, dass ihre Promotion nicht kommerziell vermittelt wurde und dass sie auch kein Geld für die Anfertigung gezahlt haben", sagte Universitätssprecherin Stefanie Beier.

Der Professor und die Geschäftsführer der Vermittlungsfirma müssen im Falle einer Verurteilung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. In besonders schweren Fällen von Bestechung und Bestechlichkeit können Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren verhängt werden.